Rüdiger Stein, Leiter des Staatlichen Schulamts Karlsruhe.
Rüdiger Stein, Leiter des Staatlichen Schulamts Karlsruhe.
Bild: Regierungspräsidium Karlsruhe
Karlsruher Schulen nach Moodle-Absturz: Im Notfall wird analog gelernt - oder per WhatsApp
Karlsruhe
12.01.2021 16:47
Für die meisten Schüler in Baden-Württemberg startete der Unterricht nach den Weihnachtsferien am gestrigen Montag nicht im Klassenzimmer, sondern digital vor dem eigenen Computer. Doch da gehen die Probleme auch schon los: Die Technik spielt nicht mit - genauer gesagt, die Lernplattform Moodle. Warum man sich in Karlsruhe trotz des Unterrichts-Fehlstarts über digitale Alternativen keine Gedanken macht.

Weihnachten ist vorbei, das neue Jahr ist gekommen und die Schulferien sind vorübergegangen. Doch wegen Corona muss der Präsenzunterricht bis auf Weiteres ausfallen. Um die Zeit zu überbrücken, bis die Landesregierung am Donnerstag ihr eventuelles "OK" zum Präsenzunterricht gibt, findet der Unterricht erst einmal digital statt.

Hierbei ist vor allem die Lernplattform Moodle beliebt, dafür spricht auch die Zahl von deutschlandweit über 600.000 Nutzern. Doch passend zum Schulbeginn geht das schief, was schief gehen kann: Die digitale Lernplattform ist komplett überlastet.

Besonders betroffen soll das Land Baden Württemberg gewesen sein, erklärt das Kultusministerium später am Montag in einer Pressemitteilung. 200 Schulen im Land seien von Fehlermeldungen und Abstürzen betroffen gewesen, Schuld seien fehlende Serverkapazitäten.

Lehrer und Eltern waren von dem Absturz der Plattform am Montag landesweit gleichermaßen genervt - schließlich habe man lange genug Zeit gehabt, um eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen, kritisierten einige auf Twitter. 

"Das Kultusministerium hat seine Hausaufgaben nicht gemacht"

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg (GEW) ist von dem schleppenden Schulstart alles andere als begeistert. Denn damit beweise das Land "wie sehr es beim Ausbau des Digital-Unterrichts hinterherhinkt - ob mit oder ohne Corona", erklärt GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider im Gespräch mit ka-news.de.

Matthias Schneider, Landesgeschäftsführer und Pressesprecher der GEW
Matthias Schneider, Landesgeschäftsführer und Pressesprecher der GEW Bild: GEW

"Das Kultusministerium hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Zwar hat Frau Eisenmann immer sehr auf den Präsenzunterricht gepocht, doch seit Frühling ist bekannt, dass ab Herbst ein Plan B vonnöten sein wird, der auch den Fernlernunterricht miteinschließt." 

Keine Beschwerden in Karlsruhe

Besonders von der Störung betroffen sollen laut Kultusministerium die Städte Mannheim, Stuttgart, Freiburg und Reutlingen gewesen sein. Auch in der Fächerstadt seien demnach Ausfälle zu verzeichnen gewesen - allerdings nicht in allzu großem Ausmaß.

Rüdiger Stein, Leiter des Staatlichen Schulamts Karlsruhe.
Rüdiger Stein, Leiter des Staatlichen Schulamts Karlsruhe. Bild: Regierungspräsidium Karlsruhe

Im Staatlichen Schulamt Karlsruhe zumindest seien am Montag keine Beschwerden eingegangen, erklärt Schulamtsdirektor Rüdiger Stein gegenüber ka-news.de. Im Gegenteil: Ihm sei vorwiegend Positives über die Plattform berichtet worden. "Hätte es derart massive Probleme mit Moodle in Karlsruhe gegeben, wäre das bis zum Schulamt durchgedrungen", erklärt Stein.

Im Notfall wird analog gelernt - oder per WhatsApp

Alternativen zu digitalen Lernplattformen, damit ein solcher Totalausfall nicht wieder vorkommt, seien daher aktuell kein Thema, denn: "Im Notfall kann man immer noch auf alternative Lernpakete - außerhalb von digitalen Lernplattformen - zurückgreifen", so Stein. Fernunterricht heiße nicht nur vor dem PC sitzen und mit der Lernplattform arbeiten. Vielmehr sei der Fernlernunterricht durch "eine enge Verzahnung durch Rückmeldungen zwischen Schülern und Lehrern" geprägt.

So haben Lehrer der Karlsruher Gutenbergschule, einer Grund- und Werkrealschule, zum Beispiel über WhatsApp-Gruppen Kontakt zu den Schülern aufgenommen, bis Moodle gegen 11 Uhr am Montag wieder verfügbar gewesen sei. "Zur Not schafft man sich seine individuellen Wege", erklärt Rektor Gunter Vogel im Gespräch mit ka-news.de - datenschutzkonform sei das aber auch nicht.

Datenschutz und Bürokratie machen Wechsel schwierig

Wäre es daher nicht am einfachsten, auf eine andere Lernplattform umzusteigen? Doch auch hier liegt der Knackpunkt zum einen im Datenschutz, wie Schulamtsdirektor Rüdiger Stein erklärt: "Viele haben die Wunschvorstellung von tausend anderen Plattformen, die genutzt werden könnten. Viele der Webseiten dürfen wegen Datenschutzgründen aber gar nicht eingesetzt werden."

(Symbolbild) Bild: ErS

Zum anderen würde der Wechsel zu einem anderen Anbieter großen bürokratischen Aufwand bedeuten. Denn: "Die Schulen waren immer sehr zufrieden mit Moodle", erklärt GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider gegenüber ka-news.de.

"Andere Lernplattformen heranzuziehen, würde bedeuten, dass die Schulen neue Lizenzen erwerben müssten." Das behebe aber nicht das eigentliche Problem - "und das ist nicht die Software".

"Pufferkapazitäten" sollen Abhilfe schaffen

Das Kultusministerium hat auf den Moodle-Ausfall am Montag nach eigenen Angaben bereits reagiert - und mit dem Moodle-Betreiber, dem Landeshochschulnetz BelWü, das "Überlastungsproblem angepackt", indem "die großen Moodle-Instanzen von ihren Servern auf neue Pufferkapazitäten ausgelegt werden". Weitere Optimierungen sollen in der Nacht von Montag auf Dienstag stattgefunden haben.

"Für genau dieses Szenario wurden die Pufferkapazitäten für Moodle  um rund 50 Prozent zusätzlicher Rechenleistung erhöht, um bei einer Störung schnell reagieren zu können. Bei der aktuellen Störung muss nun festgestellt werden, welche Moodle-Instanzen konkret von der Überlast betroffen sind", heißt es in einem Statement des Kulturministeriums am Montag.

Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin von Baden-Württemberg, gibt ein Interview.
Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin von Baden-Württemberg. Bild: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

"Für diese Moodle-Instanzen werden nun die aktuell noch umfangreichen Pufferkapazitäten zugewiesen und die Instanzen auf entsprechend leistungsfähigere Server umgezogen. Die Probleme sollten im Laufe des Tages behoben werden", heißt es weiter. 

Ob nun die Probleme gebannt sind? Schulamtsdirektor Rüdiger Stein bleibt am Dienstag zuversichtlich: "Ich denke, dass die Optimierungen über Nacht jetzt geholfen haben." 

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