Innenstadt Karlsruhe: Cafe
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Bild: Paul Needham
Karlsruher Corona-Trend: Die Kneipe als neuer Hotspot?
Karlsruhe
15.09.2020 19:32
Seit mehreren Monaten beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Mit zahlreichen Einschränkungen und vorsichtigen Lockerungen konnte die Lage stabilisiert werden - doch wohin geht der aktuelle Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Corona-Lage in Karlsruhe - Hotspot Barszene?

Die Corona-Lage in Karlsruhe hat sich stabilisiert. Wo vor wenigen Wochen noch immer weiter steigende Fallzahlen zu vermelden waren, ist die Zahl der Neuinfektionen in der Fächerstadt nun sogar rückläufig. Waren Anfang September noch 79 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert, sind es am Dienstag, 15. September, "nur" noch 56.

Bild: Landratsamt Karlsruhe

Dennoch warnt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellsten Lagebericht: "Auch wenn die täglich gemeldeten Fallzahlen aktuell nicht stark zunehmen, muss die Lage weiterhin sorgfältig beobachtet werden."

Das gilt nicht nur für den in dieser Woche landesweit erfolgten Schulstart, sondern auch für eine Gruppe, die in der Betrachtung der Corona-Lage bisher nur wenig in Erscheinung getreten ist: die Kneipen- und Barszene. Erst am vergangenen Wochenende war in Garmisch-Partenkirchen ein Corona-Ausbruch gemessen worden, nachdem eine junge Frau durch mehrere Kneipen gezogen war und zahlreiche Menschen angesteckt hatte.

"Abstände konnten physisch nicht eingehalten werden"

Und wie ein ka-Reporter der Redaktion vergangene Woche meldete, soll auch die Barszene in Karlsruhe ein Ausgangspunkt mehrerer Corona-Verstöße sein. Konkret berichtet er von seinen Beobachtungen in einer Bar in der Karlsruher Innenstadt am Wochenende: "Der Laden war voller, als es in Vor-Corona-Zeiten üblich war, Abstände konnten physisch nicht eingehalten werden. Weiter wurden keine Masken von Gästen getragen, die sich frei bewegten. Dazu wurde mir zwar ein Getränk serviert, aber keine Kontaktdaten abgefragt.

Zwei Personen stoßen in einer Kneipe mit Bier an. Bild: Angelika Warmuth/dpa/Symbolbild

Zu guter Letzt war die Luft durch die große Anzahl an Personen auf der geringen Fläche übermäßig stickig. Dass eine Dame hinter der Bar sich mit der Hand über Mund und Nase wischte und direkt weiter eine Limette für einen Drink zuschnitt, war das 'Sahnehäubchen' und ich ging wieder", erklärt er gegenüber der ka-news.de-Redaktion. Ähnliches habe er auch bereits aus anderen Kneipen gehört.

Einzelfall oder bekanntes Problem in Karlsruhe?

Einzelfall-Erfahrung oder bekanntes Problem? Beim Ordnungs- und Bürgeramt (OA) seien in den letzten Monaten mehrere Beschwerden zu Gaststätten und Bars hinsichtlich einer vermeintlichen Nicht-Einhaltung der Corona-Verordnung eingegangen, heißt es auf diese Frage von der Stadt Karlsruhe. "Diesen Meldungen wird gezielt nachgegangen."

So habe man erst am vergangenen Wochenende gemeinsam mit der Polizei verschiedene Gaststätten kontrolliert. "Die Verstöße in den kontrollierten Gaststätten sind daher auch dem OA bekannt und wurden mit den betroffenen Gaststättenbetreibern bereits besprochen und angezeigt", so das OA gegenüber ka-news.de weiter. Eine Änderung dieser Vorgehensweise sei - trotz der sich häufenden Verstöße - nicht beabsichtigt. 

Bild: ka-news.de

Von der Karlsruher Barszene als neuen Corona-Hotspot will das Landratsamt Karlsruhe derzeit nicht sprechen. Die Erfahrung aus anderen Orten wie Ischgl und Berlin habe gezeigt, dass es in Bars durchaus zu Hotspots und Infektionsclustern kommen kann, heißt es auf Nachfrage von ka-news.de. "Im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamts Karlsruhe - also der Stadt und dem Landkreis Karlsruhe - ist dies bislang aber noch nicht der Fall gewesen."

2. Vergangene Entwicklung der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun seinen dritten Höhepunkt hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen während der Sommermonate zum dritten Mal in die Höhe. Das ist neben den Lockerungen der Corona-Bedingungen auch auf die große Zahl der Reiserückkehrer aus Urlaubsländern zurückzuführen.

Nach dem großen Ausbruch in März und April hat die Fächerstadt bereits eine zweite, kleinere Spitze hinter sich: Nachdem das Infektionsgeschehen über mehrere Wochen nahezu zum Stillstand kam, stiegen Ende Juni die Zahlen wieder an.

Im Wesentlichen steht das mit dem Gottesdienst in einer Karlsruher Freikirche in Zusammenhang, bei dem sich 22 Menschen infiziert hatten, sowie dem Corona-Ausbruch am Edith-Stein-Gymnasium in Bretten. Hier haben sich fünf Personen - vier Schüler und eine Lehrerin - mit dem Virus infiziert.

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem RKI fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es beispielsweise aufgrund der Urlaubsrückkehrer und der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften weiterhin zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : RKI-Lagebericht - 15.09.
Dateigröße : 1.15 MBytes.
Datum : 16.09.2020 09:52
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