Deutsche Polizisten kontrollieren Einreisende an einem Grenzübergang.
Deutsche Polizisten kontrollieren Einreisende an einem Grenzübergang.
Bild: Felix Kästle/dpa
Freie Fahrt ins Nachbarland: EU öffnet Grenzen - wo Urlaub und Einkaufen wieder möglich ist
Berlin/Karlsruhe
15.06.2020 12:36
Am Montag endet die deutsche Reisewarnung für 27 europäische Länder und die meisten Staaten lassen wieder Touristen ins Land. So gilt auch zwischen Deutschland und Frankreich keine Reisebeschränkung mehr - Einkaufen und Co. ist wieder erlaubt. In vier Ländern gelten allerdings noch Einreisebeschränkungen.

Die meisten Grenzen in der EU sind wieder offen, die weltweite Reisewarnung für deutsche Touristen ist Geschichte - zumindest für den größten Teil Europas. Es wird aber ein Urlaub mit Risiken. Nach drei Monaten hat die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung für Touristen teilweise aufgehoben und damit das Startsignal für den Sommerurlaub von der Adria bis zur Algarve gegeben.

Zwischen Deutschland und Frankreich entfallen damit auch die letzten Grenzkontrollen - in den vergangenen Monaten war der Übertritt streng geregelt worden. Einige Regelungen sorgten für Unmut: So durften französische Grenzgänger zwar in Deutschland arbeiten, aber nicht einkaufen.

Seit Mitternacht sind Warnungen aufgehoben

Seit Mitternacht warnt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite nicht mehr vor Reisen in 27 europäische Länder. Dazu zählen Haupturlaubsländer der Deutschen wie Italien, Österreich, Griechenland, Frankreich und Kroatien. Gleichzeitig fielen die letzten Kontrollen an den deutschen Grenzen zu den Nachbarländern.

Auch viele andere EU-Staaten wollen heute noch bestehende Einreisebeschränkungen aufheben. Damit normalisiert sich der Reiseverkehr in Europa pünktlich zur Ferienzeit zwar weitgehend, aber eben noch nicht ganz.

Einreisesperre: Spanien, Finnland, Norwegen, Schweden

Vier Länder der EU und des grenzkontrollfreien Schengen-Raums müssen auf die Aufhebung der wegen der Corona-Pandemie verhängten Reisewarnung noch warten. Darunter ist das beliebteste Ferienziel der Deutschen: Spanien. Dort besteht genauso wie in Finnland und Norwegen noch eine Einreisesperre.

Für ein EU-Land wird die Reisewarnung wegen einer noch zu großen Zahl von Neuinfektionen aufrechterhalten: Schweden, wo es deutlich weniger Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie gab als in den anderen EU-Ländern. Das Land übertrifft als einziges EU-Mitglied die Obergrenze von insgesamt 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche.

Spanien öffnet bereits am 21. Juni die Grenzen

Am Sonntag beschloss die spanische Regierung allerdings die bisher für den 1. Juli geplante Grenzöffnung auf den 21. Juni vorzuziehen. Dann soll auch die bisher für Ausländer geltende 14-tägige Quarantänepflicht entfallen.

Mit einem Pilotprojekt sollen Sicherheitsmaßnahmen getestet werden: Bis zu 10.900 Urlauber aus Deutschland dürfen ab Montag nach Mallorca und auf die anderen Balearen-Inseln - Ibiza, Menorca und Formentera – reisen. Der erste Flug war am Montag gestartet.

US-Regierung verbietet wegen Coronavirus Einreisen aus Brasilien. Bild: Elaine Thompson/AP/dpa

Auch Griechenland hat seine zwei wichtigsten Flughäfen für Touristen aus zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz, geöffnet. Der erste Flug kam in Athen aus dem zyprischen Larnaka an.

Am Nachmittag waren Flüge aus Düsseldorf, Frankfurt, München und Zürich geplant, wie der Flughafen Athen mitteilte. Auch der Flughafen von Thessaloniki ist geöffnet worden. Vom 1. Juli an sind auch Flüge aus dem Ausland für alle Regionalflughäfen wieder erlaubt, wie die Regierung mitteilte.

Quarantäne in: Großbritannien, Irland und Malta

Aber auch unter den 27 Ländern, für die die Reisewarnung jetzt aufgehoben wurde, gibt es eine Abstufung. Von Reisen nach Großbritannien, Irland und Malta wird auf der Internetseite des Auswärtigen Amts "dringend abgeraten". Der Grund: In diesen drei Ländern ist nach der Einreise noch eine zweiwöchige Quarantäne erforderlich. Daher gilt für sie noch eine Art Reisewarnung zweiter Klasse.

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Aber auch in den anderen 24 Ländern wird der Urlaub nicht ganz risikofrei sein. Über die Bedingungen an den einzelnen Urlaubszielen informiert das Auswärtige Amt im Internet nun sehr detailliert in sogenannten Reisehinweisen. Darin wird über die Infektionslage, Einreisebestimmungen, mögliche Einschränkungen der Bewegungsfreiheit im Land und Hygieneregeln informiert.

Reisewarnung in 160 Ländern bis 31. August

Für 160 Länder außerhalb der EU gilt die Reisewarnung zunächst bis zum 31. August weiter. Es können in diesem Zeitraum aber Ausnahmen gemacht werden. Das Problem: Die EU müsste sich hier einig werden, weil innerhalb der Staatengemeinschaft die Grenzen ja wieder weitgehend offen sind.

Diese Einigkeit herzustellen, wird nicht einfach, weil es unterschiedliche Prioritäten gibt. Für Deutschland geht es zum Beispiel vor allem um die Türkei, das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen, Frankreich blickt dagegen eher auf die nordafrikanischen Ferienländer Tunesien und Marokko.

Die Türkei hat in der zurückliegenden Woche die Einreisebeschränkungen weitgehend aufgehoben und den Flugverkehr - auch nach Deutschland - wieder aufgenommen. Die türkische Regierung sagt, dass an Urlaubsorten am Mittelmeer wie Antalya und Bodrum für alle Corona-Sicherheitsvorkehrungen gesorgt sei und fordert eindringlich die Aufhebung der deutschen Reisewarnung.

Hintergrund

Bundesaußenminister Heiko Maas hatte die weltweite Reisewarnung für Touristen am 17. März nach Ausbruch der Corona-Pandemie verhängt - ein bisher beispielloser Schritt. Davor gab es Reisewarnungen nur bei einer akuten Gefahr für Leib und Leben etwa in Kriegsgebieten wie Syrien und Afghanistan.

Eine Reisewarnung ermöglicht die kostenlose Stornierung gebuchter Reisen. Andererseits schränkt sie aber auch den Versicherungsschutz für diejenigen ein, die trotzdem in ein solches Land reisen.

Mehr Informationen zu den Reisewarnungen auf der Seite des Auswärtigen Amtes: https://www.auswaertiges-amt.de

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