Die JVA in Karlsruhe.
Die JVA in Karlsruhe.
Bild: Melissa Betsch
Der unsichtbare Häftling: Wie auch Gefängnisse in Karlsruhe und Bruchsal mit Corona kämpfen
Karlsruhe/Bruchsal
06.04.2021 06:00
Das Gefängnis. Ein Ort, welcher mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hat und der bei vielen Menschen eine gewisse Beklemmung auslöst. Doch auch hinter Gittern gibt es seit über einem Jahr eine neue Herausforderung: das Corona-Virus. ka-news.de fragt bei den Chefs der JVA Karlsruhe und Bruchsal nach, wie im Gefängnis mit dem Virus umgegangen wird und ob der begrenzte Platz nicht schnell zu einem Corona-Problem wird. Thomas Müller und Thomas Weber geben Einblicke in die tägliche Gefängnisarbeit mit dem Virus.

"Im Grunde kann man sagen, alles, was draußen gilt, gilt auch in unserer Vollzugsanstalt", sagt Thomas Weber, Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bruchsal, im Gespräch mit ka-news.de. Die Rede ist von Hygienemaßnahmen, die auch im Gefängnis Einzug gehalten haben. 

Corona im Gefängnis

Ähnliche Worte wählt auch Thomas Müller. Er ist in der gleichen Position wie Weber, allerdings ist er Leiter der JVA in Karlsruhe. "Zum Desinfizieren, Händewaschen und zur Umsetzung der sonstigen Hygienemaßnahmen sind Gefangene sowie Mitarbeiter angehalten." 

Thomas Müller ist Leitender Regierungsdirektor in der JVA Karlsruhe.
Thomas Müller ist Leitender Regierungsdirektor in der JVA Karlsruhe. Bild: Thomas Müller

Gemeinsame mit den JVA-Chefs spricht ka-news.de über das Thema Corona im Gefängnis. Viele Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang. Gibt es Hygienemaßnahmen? Wie gut werden beziehungsweise können diese umgesetzt?  Schließlich lässt sich im Gefängnis nur bedingt Abstand halten. Und ist das Gefängnis deswegen ein besonders gefährlicher Ort im Zusammenhang mit dem Virus? 

Beispielsweise kam es im belgischen Namur zu einem Corona-Ausbruch in einem Gefängnis. Mehr als die Hälfte der 132 Insassen und 60 von 115 Mitarbeitern wurden positiv auf das Virus getestet. Die Folge: Quarantäne für alle Häftlinge in der Zelle, Besuchsverbot und eine warme Mahlzeit pro Tag, wie der "Spiegel" Ende Februar berichtete.

Auch in Deutschland, genauer gesagt in Bayreuth kam es zu einem größeren Corona-Ausbruch. 1.100 Personen wurden in der Folge getestet, 17 Menschen mussten in Quarantäne. Und wie ist die Lage in den Gefängnissen der Region?

Karlsruhe und Bruchsal ohne größere Ausbrüche

"Wir sind glücklicherweise in der Situation, bisher keinen flächendeckenden Ausbruch gehabt zu haben", sagt Thomas Müller, der Chef der Karlsruher JVA. Unter Gefangenen sei es bisher zu keinen einzigen Corona-Befund gekommen und unter Mitarbeitern hätten sich seit Ausbruch der Pandemie drei Personen mit dem Virus infiziert. "Diese Infektionen konnten wir aber gut abfangen." 

Bild: Melissa Betsch

Keine Infektion unter Gefangenen in Karlsruhe und das obwohl in der Karlsruher JVA größtenteils Untersuchungshäftlinge untergebracht sind. Bedeutet: Die Gefangenenbelegschaft in Karlsruhe wird regelmäßig "erneuert" beziehungsweise "gewechselt."

"Neuankömmlinge kommen zunächst für 14 Tage in Quarantäne und haben hier einen abgesonderten Bereich für sich. In dieser Zeit können die Häftlinge nicht an gemeinsamen Aktivitäten mit anderen teilnehmen", wie Müller erklärt, der in der JVA für 150 Insassen und 80 Mitarbeiter verantwortlich ist.

"Die Pandemie stellt und auch vor große Herausforderungen"

In der JVA in der Barockstadt Bruchsal sind Maßnahmen und Verlauf der Pandemie bisher ähnlich. Hier infizierten sich bisher 16 Menschen mit dem Corona-Virus (14 Mitarbeiter, zwei Häftlinge). "Die Fälle unter den Häftlingen verliefen ohne Komplikationen und ohne Symptome", sagt Thomas Weber, Chef der JVA Bruchsal. 

Thomas Weber ist Leitender Regierungsdirektor in der JVA Bruchsal.
Thomas Weber ist Leitender Regierungsdirektor in der JVA Bruchsal. Bild: Thomas Weber

Das Bruchsaler Gefängnis beherbergt 400 Gefangene und 350 Mitarbeiter. "Die Pandemie stellt auch uns vor eine große Herausforderung", meint Weber. Beispielsweise müssen alle Gemeinschaftsräume wie Duschen oder Sporträume regelmäßig desinfiziert werden und das Abstandsgebot von 1,5 Metern kann nicht immer umgesetzt werden. Als Beispiel nennt Weber körpernahe Durchsuchungen der Häftlinge durch die Mitarbeiter. 

"Hier versuchen wir die Sicherheit für alle so hoch wie möglich zu halten." Desinfektion und Masken seien so mittlerweile für alle Pflicht und "mittlerweile hat sich auch alles gut eingespielt", wie der JVA-Chef meint.

Besuchseinschränkung führt zu Problemen

Die Einschränkung, die sich nach Meinung der beiden JVA-Leiter am meisten auf den Betrieb im Gefängnis auswirkt sei, die eingeschränkte Besuchsregelung. So können in beiden Vollzugsanstalten aktuell nur eine erwachsene und eine minderjährige Person zu Besuch kommen. "Das zerrt natürlich schon an den Nerven der Menschen und führt auch zu Problemen, beispielsweise wenn ein Gefangener zwei Kinder hat", erklärt Weber. 

Die JVA Bruchsal aus der Vogelperspektive.
Die JVA Bruchsal aus der Vogelperspektive. Bild: JVA Bruchsal

Persönliche Besuche finden aufgrund der Pandemie nur unter strengen Hygienemaßnahmen statt. So besteht eine Maskenpflicht, Besucher und Häftling werden durch eine Glasscheibe getrennt und es besteht ein Körperkontakt-Verbot. Das Gespräch findet dann über ein Telefon statt, wie beide Leiter erklären. Für Anwälte gelten die gleichen Bedingungen.

Viele kennen die Pandemie nur aus den Medien

Zusätzlich gibt es seit Beginn der Pandemie die Möglichkeit, über Skype "Besuch zu empfangen." "Das Angebot kommt gut bei den Häftlingen an und ich denke wir werden das in Zukunft beibehalten. In vielen Ländern gehört das schon lange zum Programm", erklärt Müller.

Die Akzeptanz der Maßnahmen innerhalb der Belegschaft sei groß. "Die allermeisten sind mit den Einschränkungen einverstanden, haben sie akzeptiert und verhalten sich dementsprechend. Die Häftlinge wissen auch, dass es hier um ihre eigene Gesundheit geht und die Situation ernst ist", meint  Weber.

Möglich sei dies auch, "da wir von Anfang an offen kommuniziert haben, was wir planen und die Häftlinge dürfen auch Fernsehen schauen und Zeitung lesen. Sie wissen also wie die Lage aktuell ist", erklärt Weber und ergänzt abschließend: "So sind auch die Häftlinge, die die Pandemie noch nie in Freiheit erlebt haben, immer informiert. Von diesen gibt es nämlich jede Menge."

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