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Corona-Situation spitzt sich zu: Karlsruher Klinikum kurz vor Pandemiestufe drei
Karlsruhe
19.11.2020 11:28
Noch im Frühjahr blieb Karlsruhe in der ersten Welle von der Corona-Pandemie eher verschont, was Infiziertenzahl und Todesfälle im bundesweiten Vergleich anbelangt. Doch die Situation hat sich inzwischen drastisch verändert.

Denn wie ka-news.de letzte Woche berichtete, ist das städtische Klinikum am personellen Limit. Um die benötigte "eins-zu-eins- Versorgung" der zu beatmenden Patienten zu gewährleisten, muss Personal an anderen Stellen abgezogen werden. Hier "rächt" sich nun der schonende Verlauf im Frühjahr, wie Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums auf der Website des Corona-Portals der Stadt Karlsruhe erklärt: "Die niedrige Immunität der Bevölkerung spüren wir nun."

Stufe drei im Normalbetrieb

Deshalb habe der regionale Maximalversorger in der aktuellen zweiten Welle der Virusinfektion die Pandemiestufe drei für den Normalbetrieb ausgerufen, Stufe zwei bei der Intensivversorgung.

Der Pandemieplan sieht insgesamt 67 betreibbare Intensivbetten für COVID-19 vor, davon 22 mit invasiver Beatmung und zehn Reserve-Plätze. Noch am Mittwoch waren acht Intensivbetten belegt. "Ab dem zehnten Intensivpatienten rutschen wir auch hier in Pandemiestufe drei“, erläuterte der Chefarzt.

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Dies würde aber eine massive Unterversorgung der Bevölkerung bedeuten, warnte er gleichzeitig. Derzeit habe das Klinikum etwa 25 bis 30 Prozent seines Normalbetriebs heruntergefahren, um eine separate Covid-Station im nötigen Ausmaß betreiben zu können.

Geißler erneuert Kritik

In der dritten Pandemiestufe gehe es aber um mindestens 50 Prozent. Aus diesem Grund fordert Geißler ein neues Konzept bei der landesweiten Betten-Abfrage über das "Covid-19-Resource-Board". Es gibt seit April in Echtzeit eine Übersicht über die Krankenhauskapazitäten in Baden-Württemberg, indem die Einrichtungen online ihre verfügbaren Intensiv- und Beatmungsplätze melden.

"Nicht abgefragt wird aber die tatsächliche Belastung", kritisierte Geißler. Denn, so erläuterte er, sei man selbstverständlich in der Lage, über Nacht neue COVID-Betten aufzutun. "Dann läuft aber irgendwann sonst nichts mehr." Etwa habe das Klinikum derzeit nur noch 12 von 19 OP-Sälen (Stand Mittwoch) in Betrieb, während andere Häuser weniger ausgelastet seien. In der vergangenen Woche waren noch 15 OP-Säle in Betrieb.

Aktuell drei Stationen nicht in Betrieb

"Das ist auch eine Frage der personellen Ressourcen", bestätigt Susanne Öfner, die als Fachkraft für Intensivpflege und Anästhesie Covid-Patienten betreut. „Man denkt immer, der hat doch nur Corona“, erzählte sie. Aber tatsächlich brauche das Klinikum überproportional viel Personal, um die Versorgung zu stemmen. Beatmete Patienten erhalten eine eins zu eins Betreuung. "Auch uns selbst zu schützen, ist sehr aufwändig".

Öfner berichtete von der umfangreichen Schutzkleidung mit der die Fachkräfte schwere Lungentraumata behandeln. Dennoch habe man seit dem Frühjahr dazu gelernt, resümierte Pflegedirektor Josef Hug. Waren damals noch bis zu zehn Stationen geschlossen, um die Coronapandemie zu stemmen, so seien aktuell durch ein verbessertes Konzept lediglich drei Stationen nicht in Betrieb.

Auf seiner Website gibt das Klinikum einen Überblick über die Corona-Patienten. Aktuell werden insgesamt 40 Patienten behandelt, von denen sich 31 auf der Allgemeinstation befindet. Acht Patienten sind auf der Intensivstation, von diesen müssen fünf aktuell nicht beatmet werden, drei benötigen künstliche Beatmung. Ein Patient ist auf der Pädiatrie (Stand: Donnerstag, 19 November, 11.23 Uhr).

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