Die Band Veytstanz speilt als Hauotact.
Konzert in der "Stadtmitte" in Karlsruhe: Band Veytstanz zu Gast im Jahr 2019.
Bild: Carmele/TMC-Fotografie
Club "Stadtmitte" setzt auf Hilfe seiner Fans: Was macht so eine Krise mit einem Nachtclub?
Karlsruhe
11.04.2020 15:00
Wann werden Clubs und Bars in Karlsruhe wieder öffnen? Die "Stadtmitte" blickt wie viele Betreiber in eine ungewisse Zukunft. Um die Corona-Krise möglichst unbeschadet zu überstehen, setzt der Club auf die Hilfe seiner Gäste und Fans: Mit einer Spendenkampagne will er 38.000 Euro zusammentragen, damit es die "Stadtmitte" auch nach Corona noch gibt.

"Wir haben schon sämtliche Kühlschränke ausgemacht und ausgeräumt, um Strom zu sparen", sagt Alex Füchsel, der zum vierköpfigen Kernteam des Clubs gehört. Sie alle befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Ihre insgesamt 24 Minijobber stehen im Moment komplett ohne Arbeit da. 

Seit Freitag, dem 13. März, stand der Club von einem auf den anderen Tag ohne Einnahmen da. Die Corona-Pandemie zwingt das Nachtleben zum Stillstand, zu groß sind die Risiken der weiteren Ausbreitung der Infektion. Für die "Stadtmitte" bedeutet das wie für viele andere Institutionen der Kultur: es geht an die Existenz.

Soforthilfe reicht nicht für Kaltmiete

Einen Antrag zur Soforthilfe hat die Stadtmitte bereits gestellt, doch die Zahlung würde nicht einmal für die Kaltmiete ausreichen. "Die Situation bringt große Unsicherheiten mit sich, realistischerweise wird sich vor Juni oder Juli vermutlich nichts ändern", so Füchsel im Gespräch mit ka-news.de. Kredite und Stundungen würden zwar helfen, doch auch sie müssten auf kurz oder lang zurückbezahlt werden.

Der Turm, das Markenzeichen der "Stadtmitte".. Bild: bernadette

Selbst, wenn in einigen Monaten sie Restriktionen abgeschwächt werden, werden Konzerte und allzu große Menschenansammlungen wohl nicht von einem auf den anderen Tag wieder erlaubt sein werden. "Die Stadtmitte nur für 50 oder 100 Besucher zu öffnen ist kaum rentabel", erklärt Füchsel. Darüber hinaus sind die Menschen vorsichtiger: Schon an den beiden Wochenenden vor der Schließung zog es deutlich weniger Besucher in den Club. 

Stadtmitte setzt auf die Unterstützung der Partygänger

Wird es die Stadtmitte nach der Corona-Krise nicht mehr geben? Wie viele andere Club-Betreiber und Einzelhändler hat sich auch die Stadtmitte dazu entschieden, eine Spendenkampagne ins Leben zu rufen. In nur einer Woche haben bereits über 100 Personen für den Club gespendet. Doch das Spendenziel von 38.000 Euro, das die Kosten für zwei Monate decken soll, liegt derzeit noch in weiter Ferne. 

Die Anzahl an Spendern zeigt, wie sehr die Stadtmitte in Karlsruhe verankert ist. "Wir freuen uns sehr, zu sehen, dass wir den Menschen wichtig sind", so Füchsel. Unter den Spendern entdecke er auch immer wieder bekannte Namen, von treuen Gästen oder ehemaligen Angestellten. 

DJ-Sets sollen Stadtmitte-Feeling nachhause bringen

Ob Tanzen bis zum Umfallen oder gemütlich im "Garten" ein Bier trinken: Die Stadtmitte gehört zu den bekanntesten Clubs in Karlsruhe. Besonders beliebt ist im Sommer der große Außenbereich. Neben einem Clubbetrieb veranstaltet der Club regelmäßige Jam-Sessions oder Flohmärkte.

Bild: Paul Needham

Obwohl alle Partys und Konzerte gerade auf Eis gelegt sind, möchte die Stadtmitte ihren Besuchern gerne etwas zurückgeben. DJ-Sets wurden bereits aufgenommen und sollen über Videos die Tanzfläche zu den Menschen nach Hause bringen.

Um darüber hinaus regionalen Bands in dieser schweren Zeit eine Plattform zu bieten, sind "Corona-Sessions" geplant. Die Künstler sollen in der Stadtmitte spielen, das Publikum genießt die Musik allerdings zu Hause. Wann die Formate starten sollen, steht zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht fest.

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