Bild: Volker Hasch
Anfeindungen nach Corona-Ausbruch: Topsy Turvy-Besitzer erzählt: "Wenn die Leute könnten, würden sie uns lynchen"
Karlsruhe
14.07.2021 11:30
34 infizierte Personen innerhalb eines einzigen Abends. In all dem Wirbel um den Corona-Ausbruch im Karlsruher Club Topsy Turvy in der vergangenen Woche und den damit einhergehenden steigenden Inzidenzen, scheint ein Thema völlig außen vor zu bleiben - die Lage des Inhabers, Volker Hasch. Der wehrt sich seinerseits gegen die heftigen Anschuldigungen, die ihm vor allem seitens der Bevölkerung erreichen.

Volker Hasch ist seit dem Jahr 2019 der Besitzer des Topsy Turvy in Karlsruhe. Jene Bar, die in der vergangenen Woche durch einen Corona-Ausbruch Schlagzeilen gemacht hat. 34 von rund 120 Gästen sollen sich nach Angaben des Karlsruher Gesundheitsamtes am 2. Juli in der Cocktailbar mit der Delta Variante infiziert haben.

Doch jetzt sieht er sich mit einem weiteren Problem konfrontiert, das über die auferlegte Quarantäne-Regelung und die ausbleibenden Einnahmen hinausgeht: den Anfeindungen der Karlsruher. 

Inhaber ebenfalls Corona-positiv - trotz Impfung

"Es trifft mich persönlich sehr, wie stark die Menschen gegen uns interagieren", erklärt Hasch gegenüber ka-news.de. Von Mobbing über Bedrohungen bis hin zu gezielt schlechten Google-Bewertungen sei alles mit dabei.

Bild: Volker Hasch

"Uns erreichen so viele Hassnachrichten. Ich glaube, wenn die Leute könnten, würden Sie uns lynchen", so Hasch weiter. Aus diesem Grund möchte der Inhaber auch nicht weiter darauf eingehen, ab wann die Quarantäne für ihn zu Ende sein wird.

Denn auch Hasch wurde infolge des Ausbruchs inzwischen positiv auf das Corona-Virus getestet, obwohl er doppelt mit dem Biontech-Impfstoff geimpft wurde, erklärt er. Dasselbe gelte auch für die Reiserückkehrerin aus Mallorca. Das habe ihm das Gesundheitsamt bestätigt.

"Zu uns sind vollständig geimpfte Personen gekommen, die sich am Flughafen nicht noch einmal haben testen lassen. Da hätten wir als Bar doch gar nichts machen können. Wir haben uns nur an die 3Gs gehalten", sagt er. Den Reiserückkehrern, die den Ausbruch bei ihm jedoch entfacht haben sollen, mache er deshalb keinen Vorwurf.

"Das hätte mir oder einer anderen geimpften Person auch passieren können. Ich bin auch positiv und hatte ursprünglich einen CT-Wert von 24. Das kam sogar erst durch den PCR-Test raus, der Antigentest war bei mir auch negativ." Der CT-Wert beschreibt die Viruskonzentration im Körper. Er zeigt an, wie ansteckend ein Corona-Infizierter ist.

Eine Mitarbeiterin wertet einen Antigen-Schnelltest auf das Coronavirus aus.
Auch der Test von Volker Hasch fiel positiv aus Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Doch damit nicht genug: Nach eigenen Angaben habe Hasch "tausende von Euro" in die Hand genommen, um die Bar "Corona-freundlich" aufzurüsten. "Wir haben uns wirklich sehr gefreut, als wir wieder öffnen durften und haben sogar Luftfilteranlagen installieren lassen. Aber im Endeffekt hat alles wohl nichts gebracht, außer einem Imageschaden."

Das will er in Zukunft besser machen

Nichtdestotrotz möchte Hasch einige Verbesserungen durchführen, sobald das Topsy wieder seine Pforten öffnen darf. Allen voran: Die Einführung eines elektronischen Datenerfassungssystems. Doch komplett auf die Zettel wird der Bar-Inhaber nicht verzichten können.

Ein Kunde demonstriert die Nutzung der Luca-App.
Die Luca-App soll jetzt auch im Topsy bevorzugt zum Einsatz kommen, sobald dort wieder der Betrieb aufgenommen wird. Bild: Thomas Frey/dpa/Archivbild

"Viele unserer Gäste besitzen nicht mal ein Smartphone. Aber kontrollieren dürfen wir diese Zettel auch nicht", so Hasch und ergänzt: "Ich werde aber über Social Media und Plakate meine Gäste darüber in Kenntnis setzen, dass die Nachverfolgung nun bevorzugt über die Luca-App ablaufen soll", so Hasch. Wann genau diese Wiedereröffnung stattfinden wird, sei jedoch noch nicht klar. 

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