Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.
Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.
Bild: AOK Baden-Württemberg
Ähnlich wie bei Rauchern: Könnten die Versicherungsbeiträge für Corona-Ungeimpfte bald erhöht werden?
Karlsruhe
24.09.2021 16:02
Von Kritikern ist immer wieder von einer Spaltung der Gesellschaft zu hören. Konkret geht es dabei um den Impfstatus. Mittlerweile haben es Geimpfte in manchen Bereichen einfacher als Ungeimpfte. Dieser Effekt könnte sich bald noch weiter verstärken, denn mehrere Medien berichten davon, dass Krankenkassen planen die Beiträge für Ungeimpfte zu erhöhen. ka-news.de hat sich in der Branche umgehört.

Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen- und Volksbanken Versicherungen (R+V) war es, der die Debatte anstieß. "Als Versicherungsbranche werden wir früher oder später darüber nachdenken müssen, möglicherweise Tarife nach Impfstatus zu unterscheiden", sagte er in einem Interview mit t-Online.de. Privatpatienten, die nicht gegen das Coronavirus geimpft sind, könnten also möglicherweise bald höhere Tarife an ihre Versicherung zahlen.

Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG
Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG Bild: R+V Versicherungen

Dies solle einem ähnlichen Ansatz folgen wie eine Tariferhöhung bei Rauchern - es entstünden vermeidbare Kosten bei einer schweren Corona-Erkrankung, da die Impfstoffe mittlerweile einer breiten Masse zugänglich sind.

Dieses Statement lieferte der ohnehin schon polarisierten Diskussion zum Thema Corona-Impfung noch weiteren Zündstoff. Daher entschließt sich ka-news.de genauer bei privaten und gesetzlichen Versicherungen nachzufragen, ob es konkrete Pläne für eine Beitragserhöhung für Ungeimpfte gebe.

"Der Impfstatus spielt keine Rolle"

Zunächst wenden wir uns dabei an den Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV), der deutschlandweit insgesamt 22 private Krankenversicherungen vertritt. "Der Corona-Impfstatus der Versicherten spielt in den PKV-Tarifen keine Rolle, ebenso wenig andere Impfungen. Im PKV-Verband werden auch keine Überlegungen angestellt, daran etwas zu ändern", teilt ein Sprecher des Verbandes mit.

  • Diese Versicherungen sind Mitglieder der PKV (manche in mehreren Niederlassungen)
    Allianz
    Alte Oldenburger
    ARAG
    AXA
    Barmenia
    Versicherungskammer Bayern
    Concordia
    Die Continentale
    Debeka
    DEVK
    DKV
    Envivas
    Ergo
    FAMK
    Generali
    Gothaer
    Hallesche
    Hansemerkur
    HUK
    Inter
    KUK
    Liga
    LKH
    LVM
    Mecklenburgische
    Münchener Verein
    Nürnberger
    Ottonova
    VGH
    R+V
    Signal Iduna
    Sono
    St. Martinus
    SDK
    UKV
    Universa
    VRK
    Vigo
    Württembergische

Weitere Kommentare, ob der Impfstatus die Krankenversicherungstarife zukünftig beeinflussen könnte, wollte die PKV nicht abgeben. Die R+V selbst, ebenfalls Mitglied des Verbandes, führe ebenfalls keine Absichten, die Idee einer Beitragserhöhung für Ungeimpfte konsequent zu verfolgen. Rollingers Aussage sei viel mehr als "Anstoß zu einer breiteren Debatte gedacht". Eine Debatte, die jedoch viele - auch gesetzliche Krankenversicherungen bereits erreicht hat.

Um neben den Privatversicherungen auch diese gesetzlichen Krankenkassen nicht außer Acht zu lassen, wendet sich ka-news.de zusätzlich an die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) Baden-Württemberg, die auch für Karlsruhe zuständig ist. Wie sieht sie die Möglichkeit einer Beitragserhöhung für Versicherte ohne Corona-Impfung?

"Das Solidaritätsprinzip ist ein hohes Gut"

"Sondertarife, die sich an spezifischen Krankheiten oder Risikofaktoren orientieren, erscheinen mir nicht sinnvoll", lautet ein Statement von Johannes Bauernfeind, dem Vorstandsvorsitzenden der AOK Baden-Württemberg. "Das Solidarprinzip ist bei einer gesetzlichen Krankenversicherung ein hohes Gut. Im Krankheitsfall übernimmt die Solidargemeinschaft der Beitragszahler die Kosten unabhängig vom individuellen Risiko oder Lebensstil."

Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.
Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Bild: AOK Baden-Württemberg

Das gelte sowohl für die Behandlung einer Covid-Erkrankung als auch für die Behandlung anderer Krankheiten. "Aus diesem Grund diskutieren wir auch nicht über Sondertarife für Raucher oder Freizeitsportler mit erhöhten Unfallrisiken", erklärt Bauernfeind. Gleichzeitig betont der Vorstandsvorsitzende, dass "die Impfung ist der einzige erfolgversprechende Weg aus der Corona-Pandemie ist."

Eine Spritze wird vor den Schriftzug «Impfung» gehalten.
(Symbolbild) Bild: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

Wer sich impfen lasse, der "schützt sich und andere und übernimmt damit gesellschaftliche Verantwortung. Wer sich impfen lassen könnte und es dennoch nicht tut, gefährdet nicht nur sich, sondern auch sein Umfeld und entzieht sich somit dieser gesellschaftlichen Verantwortung", meint Bauernfeind weiterhin.   

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