Entwurf des neuen Stadions mit neuer Haupttribüne
Entwurf des neuen Stadions mit neuer Haupttribüne
Bild: AS&P
Stimmen zum "optimierten" Gutachten - Investor will nicht in den Wildpark
Karlsruhe
11.02.2009 12:30
Neue Bewegung ins Standbild der Stadion-Debatte brachte nach längerem Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Am Dienstagabend legte er das Gutachten des Frankfurter Planungsbüros Albert Speer & Partner vor. Die Expertise war vom Gemeinderat angefordert worden, weil man sich von einer "Optimierungs"-Untersuchung versprach, endlich in der Planung eines umgebauten oder gänzlich neuen Stadions weiterzukommen.

Stadionneubau-Entwürfe am Wildpark 2009




Nun ist die "optimierte" Lösung da - das Stadion soll am alten Wildpark-Standort neu gebaut werden - und bittet die Wirtschaft an einen "Runden Tisch" (siehe auch: "Neue Variante fürs KSC-Stadion: Haupttribüne soll fallen"). Der soll die Finanzierungslücke schließen, die sich mit dem neuen Gutachten auftut. Vorgesehen waren rund 71 Millionen Euro, laut neuem Gutachten - in dem unter anderem der Abriss der 1993 renovierten Haupttribüne vorgesehen ist - werden es nun bis zu 110 Millionen Euro werden, anfallende Infrastrukturmaßnahmen sind dabei noch nicht inbegriffen.

Mehrbedarf an Parkplätzen wird die Kosten noch weiter in die Höhe treiben


Die CDU-Fraktion beurteilt die neu vorgelegten Pläne "grundsätzlich positiv", heißt es in einer Pressemitteilung. Jetzt müsse das Verfahren "zügig und zielgerichtet" vorangetrieben werden, um dem KSC zeitnah einen Vorschlag vorlegen zu können. Ingo Wellenreuter (MdB) setzt wiederum eigene Akzente. Im Gespräch mit ka-news sagte er: "Ich freue mich, dass wir endlich über eine neues Stadion reden und dass die verkorksten Umbaupläne mit dem neuen Gutachten vom Tisch sind."

Im selben Atemzug betont er die Bedeutung der Wahl des richtigen Standortes und bringt wieder das Gleisdreieck ins Spiel, das für "ein solches modernes Stadion hervorragend geeignet ist. Im Hinblick auf Umwelt-, Verkehrs-, Vermarktungs- und Parkplatzaspekte." Man müsse im Übrigen bedenken, dass bei den kalkulierten 110 Millionen Euro die Kosten für den Mehrbedarf an Parkplätzen bei 47.000 statt bisher rund 31.000 Zuschauern noch nicht inbegriffen sei. So kämen mindestens noch einmal 14,5 Millionen hinzu. Und bei solchen Kosten müsse man sich "wirklich gut überlegen, dass das Stadion am richtigen Standort steht und alle Probleme für nächsten Jahre und Jahrzehnte für Karlsruhe optimal löst".

Mit den Grünen kein Stadionneubau ohne Investoren aus der Wirtschaft

Die Grünen-Fraktion freut's und sie sieht sich in ihrer bisherigen Linie bestätigt. Im Gespräch mit ka-news sagte Andreas Ruthardt, sportpolitischer Sprecher der Grünen: "Es zeigt, was eh klar war: Am Wildpark ist ein modernes Stadion möglich. Auskünfte selbst ernannter Stadionexperten, dass nur außerhalb des Hardtwaldes ein modernes Stadion möglich wäre, sind im Detail widerlegt worden." Das wichtigste auch nach diesem neuen Gutachten sei allerdings, dass man weiterhin schaue, ob in der Stadionmiete noch Potenzial liegt, so dass es jenseits der Miete der Stadt noch Raum für Dritte aus der Wirtschaft gibt.

Angesichts der neuen Kostenlage sei das mehr denn je sinnvoll. Denn eines sei klar, so Ruthardt weiter: "Es geht nicht, dass 80 beziehungsweise jetzt 110 Millionen Euro in komplett städtischer Verantwortung realisiert werden." Spannend am "Runden Tisch" Ende Februar sei die Frage: "Gibt es eine Chance, einen Investor mit ins Boot zu holen?" Wenn nicht, macht Ruthardt unmissverständlich klar, werde es von den Grünen keine Stimmen für die 110-Millionen-Lösung geben.

Newport bietet sich als Investor an - aber nicht für alle Fälle


Ob ein Investor ins Boot steigt, ist in der Tat eine offene Frage. Denn derjenige, der sich in der Diskussion bislang ins Spiel gebracht hatte, macht bei einem Umbau des Stadions im alten Wildpark nicht mit. Newport Hamburg hat sich hier schon früh unzweideutig festgelegt. Holger Siegmund-Schultze, Mitglied der Geschäftsführung, sagte im Gespräch mit ka-news: "Wir wollen nach wie vor das Gleisdreieck. Der Standort Wildpark ist für uns nicht attraktiv genug." Die Lage mitten im Wald mache Mehreinnahmen durch Werbepartner und sonstige Synergieeffekte über den Ticketverkauf hinausgehend schwierig.

"Wir als Unternehmen können im Wildpark nicht investieren, das können wir so nicht verantworten." Dass man grundsätzlich allerdings "entgegen anders lautender Gerüchte" durchaus ein potenter "richtiger" Investor sei, darüber bestehe kein Zweifel, fügt Siegmund-Schultze hinzu. "Für das Gleisdreieck stehen wir bereit. Die Finanzen sind einwandfrei geklärt, das würden wir nach wie vor machen. Wir sind ein Vollblut-Investor." Im Übrigen dürfe man nicht vergessen, dass bei aller Aufregung um das optimierte Gutachten die Rechnung nicht ohne den KSC gemacht werden könne. Selbst wenn der Gemeinderatsbeschluss für einen Neubau im Wildpark eindeutig sein sollte, könne der Verein sein Veto einlegen: "Dann sind wir wieder dabei. Also: Wir sind noch nicht aus dem Rennen. Im Gegenteil."

Standort Gleisdreieck hätte "Leuchtturmeffekt" für Karlsruhe

Lüppo Cramer von der Karlsruher Alternativen Liste (KAL) gibt sich salomonisch. Das neue Gutachten zeige die bisher optimale Lösung für den Wildpark. "Aber meine Fraktion war immer dafür, dass wir ans Gleisdreieck gehen." Bisher sei diese Variante immer durch die Kostenfrage erschwert gewesen, aber mit dem optimierten Gutachten sei man inzwischen auch bei 110 Millionen Euro gelandet.

Und da sei man doch der Meinung, ob es nicht eine Überlegung wert sei, "diese Summe besser am Gleisdreieck zu investieren und ein neues Stadion mit einer viel besseren Architektur zu bauen. Ein Stadion, dass dann aufgrund seiner Lage an der Nord-Süd-Achse der Autobahn echten 'Leuchtturmcharakter' hätte und jedem, der Richtung Fächerstadt fährt, zeigt: Ah, hier bin ich Karlsruhe." Letztlich gehe es bei der ganzen Debatte nicht darum, dass einer gewinnt oder verliert, sondern "dass man als Partner überlegt: was ist das Beste für die Stadt und für den Verein?"

Der KSC ist am Zug

Von der SPD-Gemeinderatsfraktion zeigte sich der Geschäftsführer Florian Furtak überrascht, dass der Umbau des Stadions vom Tisch ist und der Neubau empfohlen wird. Man werde sich parteiintern am kommenden Montag zusammensetzen müssen, um die eigene Linie für die Gemeindesratsabstimmung festzulegen. Nach seiner Einschätzung sei die große Frage nun, wie die 20 bis 30 Millionen Mehrkosten aufgefangen werden könnten.

"Wenn das Investoren und Firmen machen - prima, dann kann man das gut schultern, wenn sich keine Investoren für den Stadionneubau im Wildpark finden, was wohl zu befürchten ist, muss das ganze zusätzlich über die Fächer-GmbH finanziert werden, diese also Schulden machen." Und das sei nun einmal nur denkbar, wenn der KSC mehr Miete bezahlt. Für Furtak im Grunde eine Anstandsfrage:"Wenn der KSC ein besseres, größeres, moderneres Stadion will als bisher, wo er dann ja auch mehr Einnahmen erziehlt, ist es nur recht und billig, wenn er auch mehr Miete bezahlt."

Ansonsten sei alles zu offen wie zuvor: Die Stadt werde mit den neuen Zahlen nun neue Vorlagen machen, dann gehe es in den Gemeinderat. Dies aber wohl erst im April, so Furtak, und dann sei der KSC wieder am Zug. "Sowohl am Tisch als auch auf dem Platz", fügt Furtak listig hinzu.

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