Schülersprecherin der Carl-Engler-Schule.
Kira Wöhrle, Schülersprecherin der Carl-Engler-Schule.
Bild: Wöhrle
Schüler packen Klimaschutz konkret an: "Wir wünschen uns eine klimaneutrale Schule"
Karlsruhe
15.03.2020 17:30
Die Fenster der Karlsruher Carl-Engler-Schule sind nicht dicht, ebenso das Dach. Die Folge: Die Heizung muss aufgedreht werden. Klimafreundlich ist das nicht, findet Schülerin Kira Wöhrle. Zusammen mit ihren Mitschülern hat sie daher eine Petition auf den Weg gebracht. Sie fordern von der Stadt Karlsruhe, die im vergangenen Jahr den Klimanotstand ausgesprochen hat, ihren Worten nun Taten folgen zu lassen und das Schulgebäude im Zeichen des Umweltschutzes zu sanieren.

Während sich überall auf der Welt Jugendliche der Bewegung "Fridays for Future" anschließen und für den Klimaschutz auf die Straße gehen, haben die Schüler der Carl-Engler-Schule in Karlsruhe Nägel mit Köpfen gemacht: Sie haben die Petition "Wir wünschen uns eine klimaneutrale Schule" ins Leben gerufen.

Der Name ist Programm: Sie fordern Oberbürgermeister Frank Mentrup und den Karlsruher Gemeinderat auf, ihr Schulgebäude umweltfreundlicher zu gestalten.

Die berufliche Carl-Engler-Schule im Westen der Stadt Karlsruhe Bild: Wöhrle

Die Carl-Engler-Schule im Westen der Stadt Karlsruhe ist eine berufliche Schule. Hier lernen künftige Zahntechniker und Laboranten ihr Handwerk und auch ein technisches Gymnasium ist angegliedert.  

Die Fenster sind undicht - es muss viel geheizt werden

Ihren Ursprung fand die Petition an Aktionstagen zum Klimaschutz im Dezember. Dabei war nicht nur trockene Theorie, sondern auch die Frage der politischen Einflussnahme Thema. Ob Briefe an Abgeordnete oder das Entwerfen von Flyern - die Möglichkeiten der konkreten Mitgestaltung standen im Mittelpunkt.

"Wie leben in einer Demokratie und wollen zeigen, dass wir uns als Schüler und junge Menschen für die Zukunft engagieren", so Schülersprecherin Kira Wöhrle. Unterstützt von der Schulleitung und den Lehrern haben die Schüler Anfang Januar die Unterschriftensammlung gestartet.

Ihr Ziel: Das Schulgebäude klimafreundlicher zu machen. "Am meisten sorgen wir uns um die Fenster, die nicht richtig schließen und schon sehr alt sind", sagt Kira Wöhrle gegenüber ka-news.de. Im Winter, wenn die kalte Luft von draußen in die Klassenzimmer zieht, gehe dadurch eine große Menge an Heizwärme verloren.

Die Flamme der Kerze am Fester verdeutlicht den Luftstrom und somit, wie wenig dicht die Fenster sind. Bild: Wöhrle

Schraubstöcke müssen Fenster geschlossen halten

Die Lösungen, um die Fenster dicht zu halten, sind mitunter kreativ. An einer Stelle muss ein Schraubstock herhalten, der eines der Fenster im Erdgeschoss an die Wand spannt. "Die Fotos lassen erkennen, dass das alltägliche Probleme bei uns sind", sagt Wöhrle.

Ein Schraubstock hält das Fenster dicht. Bild: Wöhrle

Um weitere Energie einzusparen, fordern die Schüler in ihrer Petition den Tausch alter Glühbirnen durch Energiesparlampen und LEDs. Bewegungssensoren sollen darüber hinaus den Stromverbrauch senken und dafür sorgen, dass die Brenndauer der Lampen bestmöglich an den Bedarf angepasst werden kann.

Schüler als "Energiemanager"

"Die Sanierung des Schuldaches ist ein weiterer, wichtiger Punkt", so Schülersprecherin Wöhrle. Das Dach sei nicht gut isoliert, an einem Punkt dringe sogar der Regen durch. Das bestätigt die Schule auf Nachfrage von ka-news.de. 

Die Decken des Gebäudes sind ebenfalls sanierungsbedürftig. Bild: Wöhrle

Eine weitere Forderung der Schüler: Die bereits bestehende Solaranlage auf dem Schuldach - im Bild rot markiert - soll erweitert werden. Daneben könnte auf den freien Flächen der Dächer, grün gekennzeichnet, eine intensivere Begrünung umgesetzt werden.

Die bereits vorhandene Solaranlage ist rot markiert. Die Farbe Grün zeigt die Freiflächen auf den Dächern. Bild: Wöhrle

"Wir möchten natürlich nicht nur meckern und sagen, was alles besser gemacht werden kann - wir wollen selbst aktiv etwas dazu beitragen", sagt Wöhrle. So haben die Schüler unter anderem in jeder Klasse eine Person zum "Energiemanager" erklärt, der darauf achtet, Heizungen und Licht nach dem Unterricht herunterzufahren oder auszuschalten.

Wie viele Unterschriften muss die Petition erreichen?

Geht es um bauliche Aspekte des Gebäudes, stößt das Engagement allerdings an seine Grenzen. Denn: Träger der Schule ist die Stadt Karlsruhe. "Haben wir einen Sanierungsbedarf, müssen wir das der Verwaltung melden, die dann entscheidet", so die Schulverwaltung auf Nachfrage von ka-news.de. 

Hier setzt die Petition an. Ihr Ziel: Der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup und der Gemeinderat sollen sich mit den Forderungen der Schüler auseinandersetzen. Derzeit zählt die Petition auf der Online-Plattform "openpetition" knapp über 550 Unterschriften. Wie viele Unterstützer werden benötigt, damit sich die Stadt mit dem Anliegen befasst?

Mitte März zählt die Petition der Carl-Engler-Schule rund 500 Unterschriften. Bild: screenshot@openpetition.de

Laut Artikel 17 des Grundgesetzes hat jeder einzelne das Recht, sich mit Bitten und Beschwerden an die Volksvertretung zu wenden. Doch während auf Bundes- und Landesebene Petitionsausschüsse für die Anliegen der Bürger zuständig sind, besteht auf kommunaler Ebene kein solches Gremium. 

Wird die Petition erfolgreich sein?

Das bedeutet: Die Stadt selbst ist am Zug. "Auf kommunaler Ebene ist das Recht des Artikels 17 ebenfalls gewährleistet, insofern prüfen und beantworten wir jede an uns gerichtete Bitte und Beschwerde", teilt die Stadt Karlsruhe mit. 

(Symbolbild)
Die Stadt Karlsruhe ist gesetzlich verpflichtet, jede Beschwerde zu prüfen. (Symbolbild) Bild: Julia Wessinger

Möchten die Schüler mit ihrer Petition erwirken, dass sich der Gemeinderat mit dem Thema befasst, müssen sie einen sogenannten Einwohnerantrag stellen. Dafür gilt allerdings ein bestimmtes Quorum: Laut der Gemeindeordnung Baden-Württemberg müssten 1,5 Prozent der Karlsruher Bürger über 16 Jahre unterzeichnen - maximal allerdings 2.500 Personen. In der Fächerstadt wäre dieser Höchstsatz notwendig. 

"Wir möchten eine gesicherte Zukunft für uns, unsere Kinder und deren Kinder"

Für vier weitere Wochen ist die Petition der Schüler der Carl-Engler-Schule momentan angesetzt. "Prinzipiell es es möglich, dass die Laufzeit verlängert wird", sagt Schülersprecherin Kira Wöhle.

Ziel sei, dass die Unterschriftensammlung in konkreten Handlungen resultiere. "Denn genau darum geht es schließlich: Wir möchten eine gesicherte Zukunft für uns, unsere Kinder und deren Kinder."

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