Nach dem Tornado
Hambrücken
24.07.2006 12:00
Der Tornado brachte Hambrücken bundesweit in die Schlagzeilen
(Foto: pr)
Es ist eine traurige Berühmtheit, welche die Gemeinde Hambrücken im nördlichen Landkreis Karlsruhe am Wochenende erlangte: zahlreiche Medien in ganz Deutschland berichteten über den tornadoähnlichen Sturm, der durch den Ort fegte (ka-news berichtete) und eine mehrere Hundert Meter breite Schneise der Verwüstung hinterließ: Dächer abdeckte, Bäume und Strommasten abknickte, Fahrzeuge beschädigte und Keller unter Wasser setzte.

Wenn auch die Zerstörungen schließlich weniger katastrophal ausfielen als zunächst befürchtet worden war: das Ausmaß der Schäden ist erheblich. Eine detaillierte Schadensbilanz sei zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht möglich, so Anton Gramlich, Sprecher der Karlsruher Polizei, auf ka-news-Anfrage. Zurzeit seien die Fachleute, vor allem Versicherungsexperten, vor Ort, um das Ausmaß der Schäden zu sichten und zu bestimmen.

"Sämtliche Straßenzüge waren mit Dachziegeln übersät"

"Die Situation stellt sich wesentlich entspannter dar als noch am Samstag", berichtet Hambrückens Bürgermeister Thomas Ackermann gegenüber ka-news. "Wir gehen davon aus, dass zirka 100 Häuser beschädigt wurden." Das Ausmaß der Schäden bewege sich allerdings in einem überschaubaren Rahmen. In den meisten Fällen wurden Dächer teilweise abgedeckt. "Der Tornado hat hier keine Familien obdachlos gemacht", so Ackermann. Firmen und Handwerker seien aktuell dabei, die restlichen Dächer abzudichten und zu reparieren.

Die sichtbaren Spuren im Ort selbst seien zum großen Teil beseitigt, konstatiert Ackermann, "auch deshalb, weil die Einsatzkräfte sehr gut und gebündelt gearbeitet haben und weil viele Bürger bereitwillig Nachbarschaftshilfe geleistet haben". Am vergangenen Samstagabend, kurz nach dem Wirbelwind, sah es da noch ganz anders aus: Insbesondere am südwestlichen Ortsrand hätte der Tornado gewütet, erzählt Ackermann, "sämtliche Straßenzüge in diesem Bereich waren übersät mit Dachziegeln. So etwas habe ich überhaupt noch nie gesehen", fügt der Bürgermeister an.

Waldstück bleibt vorerst weiträumig abgesperrt

Weniger "entspannt" ist die Lage hingegen im Bereich des Hambrücker Vogelparks. "Hier stellt sich die Situation ganz drastisch dar", betont Ackermann. Der Tornado habe dort heftigst gewütet und große Zerstörungen angerichtet. "Die Grillhütte ist platt", sagt der Bürgermeister lakonisch. Viele Freizeiteinrichtungen des Erholungsparks, wie Minigolfanlage oder Spielplatz, seien massiv zerstört. Die Anlagen sind Vereinseigentum. "Auf den Verein kommt jetzt eine Kostenlawine zu, das ist ein großes Problem. Darüber muss jetzt gesprochen werden", merkt Ackermann an. Ein unangenehmes, wenn auch kein unerwartetes Phänomen sei der Tourismus der Schaulustigen zu den Stätten der Verwüstung, meint Ackermann abschließend.

Auch zwei Tage nach dem Tornado warnt die Polizei davor, das betroffenen Waldgebiet zu betreten. Das Gelände rund um den Hambrücker Vogelpark sei immer noch weiträumig abgesperrt, weil Bäume umzustürzen oder abgebrochene Äste herabzufallen drohten. Die Forstbehörden seien dort zurzeit weiterhin mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Dabei werde geprüft, welche Wege bereits für Waldbesucher freigegeben werden können.

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:
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