Ende: Auf dem Markplatz läuft der Abbau des Christkindlesmarkt.
Ende: Auf dem Markplatz läuft der Abbau des Christkindlesmarkt.
Bild: Thomas Riedel
Wie Karlsruher Schausteller auf das Weihnachtsmarkt-Aus reagieren: "Es ist ein Schlag in die Magengrube"
Karlsruhe
07.12.2021 06:00
Planung, Aufbau, Vorfreude, zuerst 2G, dann 2G plus, jetzt das endgültige Aus. Der Karlsruher Christkindlesmarkt muss aufgrund der neuesten Corona-Regeln die Segel streichen. Für ungefähr zwei Wochen durften die Budenbesitzer Speis und Trank anbieten, seit Samstag ist damit Schluss. Der Abbau läuft und der Frust bei den Schaustellern ist groß, wie sie im Gespräch mit ka-news.de erklären.

Der Karlsruher Christkindlesmarkt ist Geschichte und die von der Pandemie ohnehin schon stark gebeutelte Schausteller-Branche muss den nächsten Tiefschlag einstecken. Seit Samstag werden die drei Märkte auf dem Markt-, Friedrichs-, und St- Stephansplatz abgebaut. ka-news.de war mit dabei und hat sich mit den Beschickern unterhalten.

Die Frage nach dem Wann?

"Es wurden im Laufe der vergangenen Woche  ja schon viele Andeutungen gemacht, dass der Weihnachtsmarkt aufgrund der Inzidenzen geschlossen wird. 'Wann' war natürlich die Frage. Und dass es dann auf einmal so schnell und so abrupt ging, das fand ich nicht gut und auch nicht in Ordnung. Es gab sehr viele Probleme mit Personal und mit Bestellungen, weil man sich nicht auf einen Endtermin festlegen konnte", sagt beispielsweise Kevin Krusig von der Glühweinpyramide.

Kevin Krusig
Kevin Krusig Bild: Thomas Riedel

Laut Krusig hätte sich ein weiterer Betrieb unter 2G plus-Bedingungen nicht rentiert. "Unser Betrieb braucht ganz einfach die Kunden. Für gewisse kleinere Familienbetriebe hätte es sich bestimmt gelohnt aber für uns jetzt nicht."

Wie es nun weitergeht, möchten wir wissen. "Ganz ehrlich, wir wissen es selbst nicht. Wir gehen jetzt gezwungenermaßen in die Winterpause und warten ab, ob und wann es Unterstützung vom Staat gibt, denn auch das wissen wir nicht. Es ist alles offen."

"Die Hilfen füllen mir nicht den Kühlschrank"

Ähnlich sieht es auch Angelo Eichel, Inhaber und Betreiber der Langoseria. "Für uns alle ist der Abbau ein Schlag in die Magengrube. Wir haben jeden Tag gehofft und das Nervenkostüm ist ziemlich dünn, weil jeden Tag hieß es 'wir wissen noch nichts, wir wissen noch nichts'", sagt er im Gespräch mit ka-news.de.

Angelo Eichel
Angelo Eichel Bild: Thomas Riedel

Erst am Freitagabend gegen 22 Uhr sei die endgültige Nachricht eingetroffen. "Leider Gottes müssen wir den Christkindlesmarkt beenden, was uns alle sehr trifft und uns auch wirklich wehtut. Unter diesem Konzept konnten wir die Schließung auch nicht nachvollziehen."

Für Eichel sei das 2G plus-Konzept das sicherste Konzept, welches man fahren könne. "Der Bund hat sogar beschlossen, dass Weihnachtsmärkte stattfinden dürfen. Unsere Karlsruher Politik ist auch immer hinter uns gestanden. Aber es nutzt nichts, wenn in Stuttgart die Aussage kommt, 'nein Weihnachtsmärkte sind schlecht.'"

Ähnlich wie Krusig steht auch Eichel vor einer ungewissen Zukunft. "Man fällt wieder in ein Loch der Ungewissheit. Man hat die Zahlungen natürlich trotzdem laufen, die Kredite gehen weiter, die Überbrückungshilfen sind teilweise ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber es füllt mir nicht den Kühlschrank. Für mich und meine Familie bringen die Hilfen halt wirklich nichts."

"Vorfreude war groß"

Wie groß die Sehnsucht und die Vorfreude auf einen Christkindlesmarkt war, erklärt Claudia Frank. Laut der Crêpes-Verkäuferin hätten sich alle Schausteller riesig gefreut und seien optimistisch gewesen. "Doch dann kam der Rückschlag", sagt sie.

Claudia Frank
Claudia Frank Bild: Thomas Riedel

"Alle haben jeden Tag gehofft und gebangt, dass es doch länger geht. Letzten Endes war es ja sonnenklar, dass wir dann schließen müssen, wenn man das alles so beobachtet mit Corona. Persönlich hoffe ich, dass es nicht noch mal zwei Jahre dauert bis zum nächsten Weihnachtsmarkt. Denn diese Umsatzausfälle sind gar nicht mehr aufzuholen. Das ist ein Drama für jeden Schausteller oder auch Veranstalter. Ich hoffe, nächstes Jahr gibt es nicht nur Parkversionen, aber ich vermute, dass es erst mal so bleibt."

"Wir sind immer noch erschüttert"

Erschüttert ist auch Tobias Hoffmann, Schriftführer des Schaustellerverbandes Karlsruhe und ebenfalls Inhaber einer Crêpes-Hütte. "Was soll ich sagen? Wir sind immer noch erschüttert, dass wir unseren Weihnachtsmarkt abbrechen mussten. Wir hatten einen laufenden Weihnachtsmarkt mit einem super Hygienekonzept, mit 2G plus. Wir mussten beobachten, dass die Leute wirklich in die Stadt gehen und dass die Besucher auch da wären. Das ist für uns ein Schlag in die Magengrube, es setzt einem psychisch sehr, sehr zu. Einem wird quasi verboten, seinen Beruf auszuüben das ist das große Problem und eine große Ungleichbehandlung."

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann Bild: Thomas Riedel

Hinzu komme laut Hoffmann, das sich alle Menschen frei in der Stadt ohne 2G bewegen dürften und die Schausteller trotzdem zum Abbauen gezwungen sind. Ein "to go-Lösung", wie im vergangenen Jahr wird es wohl nicht geben. "Wir hätten das alles ja auch to go anbieten können. Essen to go bleibt ja erlaubt. Wir könnten vielleicht ein Schlupfloch finden und noch etwas dagegen tun, aber die Zeit läuft uns eben auch davon."

Trotz des erneuten Rückschlags für Hoffmann und viele seiner Schausteller-Kollegen, die Freude für andere Kollegen bleibt. Denn der Handel- und Warenmarkt auf dem Marktplatz darf geöffnet bleiben. "Der Handel und Warenmarkt bleibt weiterhin erlaubt und ich freue mich natürlich für unsere Kollegen, die im vorderen Bereich des Marktplatzes weiterverkaufen dürfen aber trotzdem stößt bei mir vieles auf völliges Unverständnis."

Alle Bilder vom Abbau in der Galerie:


Der vorzeitige Abbau des Christkindlesmarktes


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