Schülerinnen und Schüler nehmen am Geografieunterricht mit Hilfe von Laptops und Tablets teil.
Schülerinnen und Schüler nehmen am Geografieunterricht mit Hilfe von Laptops und Tablets teil.
Bild: Marijan Murat/dpa/Archivbild
Nächstes Lern-Desaster: "Belwü" beendet Zusammenarbeit mit Schulen in Baden-Württemberg
Stuttgart
03.05.2021 15:45
Tausende Schulen in Baden-Württemberg sollen das Hochschulnetz des Landes (Belwü) verlassen. Davon sind nach Angaben von Belwü mehr als 2.000 Schulen betroffen. Diese müssen sich nun für ihre Webauftritte neue Anbieter suchen. Für Mailkonten und digitale Lernplattformen falle die Anbietersuche weg, diese sollen auf eine zentrale Plattform verlagert werden. Dies teilte Belwü den Schulträgern im Südwesten am Freitag in einem Schreiben mit, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Diese Änderung soll jedoch frühestens ab Oktober 2021 umgesetzt werden - bis dahin bleibt die Zusammenarbeit mit den Schulen bestehen.

17:51 Zusammenarbeit bleibt bestehen - bis zu einer endgültigen Lösung

Wie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg jetzt mitteilte, soll Belwü solange genutzt werden können, bis eine endgültige Lösung gefunden wird.

"Es wird an einer langfristigen Lösung für die Schulen gearbeitet. Bis diese steht, ist die Versorgung der Schulen mit IT-Leistungen über das Hochschulnetz sicher. Gemeinsam arbeiten Kultusministerium und Wissenschaftsministerium mit den kommunalen Spitzenverbänden an einer neuen Lösung für die Zukunft", heißt es.

Eltern fürchten, dass ihre Schulkinder wegen des geringeren Lernpensums in der Corona-Zeit am Ende des Schuljahrs nicht so schlau sind wie ihre Vorgänger.
(Symbolbild) Bild: Marijan Murat/dpa

BelWü soll demnach frühestens ab dem 1. Oktober 2021 bis zum 28. Februar 2023 "schrittweise und sukzessive das Hosting von Webauftritten einstellen". Das betrifft beispielsweise Homepages oder von den Schulen auf eigenem Webspace betriebene Dienste. So soll den Schulen eine entsprechende Vorlaufzeit ermöglicht werden.

015:45 Belwü will Zusammenarbeit mit über 2.000 Schulen beenden

Zur Begründung heißt es darin, es gebe "veränderte rechtliche Rahmenbedingungen". Zudem werde eine "langfristige Perspektive für einen gesicherten Betrieb" benötigt. Diese könne das Kultus- und Wissenschaftsministerium "aus verschiedenen Gründen nicht verlässlich dauerhaft erbringen."

Schülerinnen und Schüler nehmen am Geografieunterricht mit Hilfe von Laptops und Tablets teil.
Schülerinnen und Schüler nehmen am Geografieunterricht mit Hilfe von Laptops und Tablets teil. Bild: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Das Landeshochschulnetz nimmt demnach ab sofort keine neuen Schulen mehr auf und möchte mit Beginn im Oktober die bestehenden Auftritte der Schulen im Hochschulnetz einstellen, wie es heißt. Empfehlungen für alternative Dienstleister könne man aus Wettbewerbsgründen keine geben, so Belwü.

Der Philologenverband Baden-Württemberg übt scharfe Kritik.

Keine Äußerung vom Kultus- und Wissenschaftsministerium

Mitten im Corona-Lockdown und im digitalen Fernunterricht erfahren tausende Schulen, die den Internetanschluss, ihre Homepage, die Lehrer-Emailkonten und Moodle-Lernplattformen bei BelWü betreiben, dass diese jetzt sukzessive beendet werden sollten, teilte der Landesvorsitzende Ralf Scholl am Montag mit.

Es sei völlig unverständlich, dass zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Jahren eine bestehende Struktur abgerissen werde, ohne dass rechtzeitig ein funktionierender Ersatz bereitstehe. Der Verband forderte die Landesregierung am Montag auf, den Vertrag mit Belwü zu verlängern und in der Zwischenzeit eine landeseigene Lösung zu schaffen.

Ralf Scholl, Landesvorsitzender des Philologenverbands Baden-Württemberg (PhV).
Ralf Scholl, Landesvorsitzender des Philologenverbands Baden-Württemberg (PhV). Bild: Christoph Schmidt/dpa/Archivbild

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Timm Kern, teilte zu der Entscheidung mit, sie komme überraschend und zur Unzeit. Die Beweggründe blieben unklar und die Ministerien die Hinweise für den nunmehr notwendigen Anbieterwechsel der Schulen schuldig, so Kern.

Das Kultus- und das Wissenschaftsministerium haben sich auf Anfrage dazu zunächst nicht geäußert.

Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
1 Kommentare