Die SPD-Fraktion um Sibel Uysal sorgt sich um den Sportunterricht an Karlsruher Schulen.
Die SPD-Fraktion um Sibel Uysal sorgt sich um den Sportunterricht an Karlsruher Schulen.
Bild: --- (Bündnis Kinder- und Jugendreha e.V.)/SPD Karlsruhe
Stadträte sind sich einig: Die Stadt muss schneller bei der Hallensituation handeln
Karlsruhe
23.11.2021 17:00
Völkerball, Leichtathletik, Turnen oder ganz klassisch auch Fußball. Der Sportunterricht in der Schule vermittelt sowohl sportliche als auch soziale Kompetenzen. Allerdings wird für einen adäquaten Unterricht auch ausreichend Platz benötigt und hier drückt in der Fächerstadt aktuell der Schuh. In Karlsruhe herrscht Sporthallenmangel. So sehr, dass aktuell viele Schüler auf den wöchentlichen Sportunterricht verzichten müssen. Ein Unding wie die Sibel Uysal von der SPD-Fraktion findet.

16:32Gemeinderat ist sich einig

Von einer Abstimmung wurde abgesehen, da sämtliche Redner dem Antrag zustimmen. "Wir handeln in dieser Hinsicht einfach nicht. Und wenn wir die Standards ständig senken, werden wir es auch nicht schaffen, in absehbarer Zeit mehr Sporthallen zur Verfügung zu stellen."

Detlef Hofmann spricht für die CDU-Fraktion.
Bild: Lars Notararigo

"Der Antrag der SPD spricht mir aus dem Herzen", fügt Stadtrat Karl-Heinz Jooß von der FDP. "Das große Problem sehe ich beim Bauen. Es wird viel getan, aber einfach keine neuen Hallen gebaut", so der freie Demokrat. Kritikpunkte die auch Oberbürgermeister Frank Mentrup anerkennt.

<p><strong>Name: </strong>Karl-Heinz Jooß (FDP)<br />
<strong>Listenplatz</strong>: 4 (13.532 Stimmen) <br />
<strong>aktuelle Tätigkeit:</strong> Bäckermeister<br />
<strong>Keine Angaben.</strong> </p>
Karl-Heinz Jooß (FDP). Bild: ps

"Dass es ein Defizit beim Schulsport gibt ist durchaus bekannt. Aber die in diesem Antrag erhobenen Vorwürfe kann ich so nicht unterschreiben. Die Stadt selbst hegt großes Interesse daran, das Problem mit dem Schulsport zu lösen." Damit fährt der OB zum nächsten Tagesordnungspunkt fort.

Der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz.
Der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD). Bild: Uli Deck/dpa/Archivbild

15:30Gemeinderatssitzung startet

Die Sporthallen-Situation in Karlsruhe "ist, seit vielen Jahren generell schon sehr angespannt", schreibt die Gemeinderatsfraktion der SPD in einem Antrag, den sie mit in die kommende Plenarsitzung am Dienstag, 23. November, mitnimmt. Wie angespannt die Situation tatsächlich ist, zeigte zuletzt das Beispiel der Sophie-Scholl-Realschule in Oberreut.

SPD möchte die Situation verbessern

"Die Sporthallenpolitik der Stadt Karlsruhe der letzten zehn Jahre ist ein Desaster und unsere Kinder dürfen es ausbaden", hieß es von der Elternbeiratsvorsitzenden Maria Jandrey gegenüber ka-news.de. Die SPD möchte diesen Zustand nun ändern und stellt folgende drei Forderungen an die Stadtverwaltung: 

  1. Die Stadtverwaltung trägt dafür Sorge, dass bei den von Schließung beziehungsweise Sanierung betroffenen Schulsporthallen möglichst innerhalb der Quartiere eine Ausweichlösung gefunden wird.
  2. Lehrpersonal, Eltern und Schüler werden rechtzeitig über die Situation informiert.
  3. Die Stadt bemüht sich um Schulsportgemeinschaften zwischen Schulen und Sportvereinen, um im Notfall außerunterrichtlichen Schulsport anbieten zu können.
Ein Pauschenpferd steht in der Sporthalle einer Schule.
Ein Pauschenpferd steht in der Sporthalle einer Schule. Bild: Sebastian Kahnert/zb/dpa

Die Hallensituation habe sich vereinzelt sogar so weit verschärft, dass an manchen Schulen kein Sportunterricht mehr stattfinden könne. "Für Schüler, die schon seit Pandemiebeginn so gut wie keinen Sportunterricht mehr hatten ist das Unzumutbar", schreibt die Fraktion in ihrem Antrag.

Die Stadt habe als Schulträger dafür zu sorgen, dass entsprechende Ausweichhallen zur Verfügung stünden. "Wir fordern daher die Verwaltung auf, den Sportunterricht für alle Schulen in Karlsruhe sicherzustellen", heißt es weiter.

"Kein Sportunterreicht nach Bildungsplan"

"Mit unserem Antrag wollen wir vor allem nochmals auf die unzufriedene und angespannte Situation aufmerksam machen. Schulsport kann nicht stattfinden und es gibt keine Ausweichmöglichkeiten", sagt SPD-Stadträtin Sibel Uysal im Gespräch mit ka-news.de. Uysal ist selbst Lehrerin an der Sophie-Scholl-Realschule und erlebt fast täglich, welche Schwierigkeiten die aktuelle Hallensituation für Lehrkräfte und Schüler mitbringt.

Sibel Uysal
Sibel Uysal Bild: SPD Karlsruhe

Die Sporthalle wurde 2016 aufgrund von Asbest geschlossen und soll 2023 wieder zur Verfügung stehen. "Die Halle war dann länger geschlossen, als ein Schüler auf der Realschule ist", meint Uysal. 

Neben der Sophie-Scholl-Realschule seien zusätzlich auch die Engelbert-Bohn- und Anne-Frank-Schule von der Problematik betroffen. "Hier kann aktuell kein Schulsport nach Bildungsplan stattfinden", so Uysal weiter. Alternativ könnten die Klassen ins Freie, aber nur wenn das Wetter mitspiele, ansonsten stehe die Aula oder Theorieunterricht zur Verfügung. Diese Varianten seien aber keine Lösung auf Dauer. "Es fehlt den Schülern an Bewegung und auch soziale Kompetenzen werden durch den Sport vermittelt."

"Aufgrund von Online-Unterricht und weil viele Vereine schließen mussten, hatten Kinder und Jugendliche wenig Möglichkeiten, sich zu bewegen. Dabei ist Sport essentiell für eine gute Entwicklung", meint die Stadträtin. Uysal macht im Gespräch klar: "Das Problem besteht nicht nur in Oberreut, sondern in ganz Karlsruhe. Unser Antrag soll eine Lösung für alle Schulen sein." Verschärft würde die Situation noch durch die Corona-Pandemie.

Was sagt die Stadt?

Die Verwaltung um Oberbürgermeister Frank Mentrup und Sportdezernent Martin Lenz hat bereits schriftlich auf den Antrag der SPD reagiert. Die Verwaltung erklärt, dass bei Schließungen oder Sanierung von Sporthallen versucht wird, den Sportunterricht im Stadtgebiet zu verlagern.

Bild: Stadt Karlsruhe

"Im Falle langer Wegzeiten können Schulbusse zum Einsatz kommen, was einen nicht unerheblichen Kostenaufwand verursacht. Ein kompletter Hallenersatz für die betroffenen Schulen ist nicht realisierbar, allerdings werden durch den Neubau der Sporthallen beim Schulzentrum Südwest und der Halle des SSC zusätzliche Ressourcen geschaffen", so die Stadt in ihrer Antwort. 

Laut eigener Angabe informiere die Stadt die Schulen frühzeitig über geplante Baumaßnahmen. "Bei unvorhergesehenen Verzögerungen im Bauablauf muss allerdings leider auch mit kurzfristigen Informationen gerechnet werden." Die weitere Kommunikation innerhalb der Schule an das Lehrpersonal oder die Eltern erfolge dann über die Schulleitung.

Mehr als 100 Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen

Auch Kooperationen zwischen Schulen und Sportvereinen - wie sie die SDP fordert - würde es bereits geben. Mit den Förderprogrammen "Kooperation Schule-Sportverein" und "Sport im Ganztag" fördere die Stadt bereits seit vielen Jahren erfolgreich die Kooperation zwischen Schulen und Vereinen.

Der Karlsruher Gemeinderat im Rathaus
Der Karlsruher Gemeinderat im Rathaus Bild: Verena Müller-Witt

"Im laufenden Schuljahr 2021/22 fördert die Stadt 102 Angebote unter Beteiligung von 47 Schulen und 35 Sportvereinen. Durch die jahrelange Förderung bestehen zwischen den Schulen und Sportvereinen auch über die aktuell geförderten Angebote hinaus in der Regel gute Kontakte", heißt es in der Antwort weiter.

Die Antwort der Bürgermeister ist für Uysal "nicht zufriedenstellend." Die SPD-Stadträtin hätte sich mehr einen Blick für das große Ganze gewünscht. "Es war schon immer klar wie viele Schulen wir haben und wie viel Schulunterricht benötigt wird. Schließlich ist der Sportunterricht eine Pflichtaufgabe die wie erfüllen müssen."

Uysal will schnelle und unbürokratische Lösungen

Zwar sei der Verwaltung die Problematik bewusst, wie Uysal berichtet, doch es brauche schnelle und unbürokratische Lösungen. "In Oberreut auf die Schule zu gehe und für den Sportunterricht in die Waldstadt gefahren zu werden, ist keine gute Lösung und auch nicht sinnvoll." 

Das Logo der SPD.
Das Logo der SPD. Bild: Christoph Schmidt/dpa/Archivbild

Die Fertigstellung der Rheinstrandhalle würde sich zwar unerwartet verzögern, würde die Situation aber zumindest ein wenig entspannen.  Weitere Lösungen seien - auch aufgrund der aktuellen Haushaltssituation - schwer zu finden oder zu realisieren.

Ob die Fraktion über ihren Antrag abstimmen lässt, lässt Uysal offen. "Wir sind gespannt wie sich die anderen Fraktionen äußern und wir werden unseren Standpunkt noch einmal verdeutlichen. Wir werden kurzfristig entscheiden ob wir abstimmen oder eine gemeinsame Lösung finden, mit der alle zufrieden sind. Es ist wichtig hier am Ball zu bleiben." 

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