Oliver Broschak und seine Kollegin Sandra Hock kontrollieren einen bulgarischen Lkw-Fahrer und sein Fahrzeug.
Bild: Ingo Rothermund
Polizei-Großkontrolle in Berghausen: Beamten überprüfen Lkw-Verbot - doch das ist nicht das Hauptproblem
Karlsruhe
21.05.2020 06:00
Seit 2015 gilt auf den Straßen der Gemeinde Berghausen im Pfinztal ein Durchfahrtsverbot für Lkw, zu groß war die tägliche Verkehrslast für den Ort. Damit das Verbot auch eingehalten wird, hat die Verkehrspolizei Karlsruhe gemeinsam mit dem Revier aus Durlach am Mittwochmittag in Berghausen zwölf Lkw einer Kontrolle unterzogen. Dabei hat sich aber gezeigt: Das Durchfahrtsverbot ist nicht das größte Problem.

Die B293, die durch Pfinztal-Berghausen führt, ist seit jeher ein Sorgenkind: Ein seit Jahren hohes Verkehrsaufkommen hat auch die Lärm- und Schadstoffbelastung stetig zunehmen lassen. Verschärft wird die Situation noch zudem durch einen hohen Anteil an Schwerlastverkehr. Um den zu verringern, wurde im Jahr 2015 ein Durchfahrtsverbot verhängt: Lkw über zwölf Tonnen dürfen nicht mehr durch Berghausen fahren, außer sie haben eine Ausnahmegenehmigung. 

"Wir wollen das Bestmögliche für die Pfinztaler erreichen"

Unter anderem diese hat die Polizei am Mittwoch in einer dreistündigen Kontrollaktion geprüft. "Wir wollen das Bestmögliche für die Pfinztaler, die sehr unter der Verkehrslast leiden, erreichen", so Martin Plate, Leiter der Verkehrspolizei Karlsruhe.

Aber nicht nur das Durchfahrtsverbot, auch auf technische Mängel, die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten sowie die Ladungssicherung haben die 15 bis 20 Beamten an diesem Tag ein geschultes Auge. Bereits kurz nach Beginn der Kontrolle ziehen die Polizisten einen bulgarischen Lkw heraus. Beamte auf Motorrädern eskortieren ihn zum Parkplatz der Kulturhalle in Berghausen, wo die Kontrolle stattfindet.

Ein Polizeibeamter auf einem Motorrad bringt einen Lkw-Fahrer zur Kontrolle auf dem Parkplatz der Kulturhalle Berghausen. Bild: Ingo Rothermund

Die Beamten kontrollieren zuerst den digitalen Fahrtenschreiber. "Da können wir ablesen, ob die Lkw-Fahrer die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten eingehalten haben", sagt der Polizeibeamte Oliver Broschak im Gespräch mit ka-news.de. Die maximale tägliche Lenkzeit beträgt neun Stunden. "Zwei Mal in der Woche dürfen die Fahrer zehn Stunden am Tag hinter dem Steuer sitzen", so Broschak. 

Lenkzeiten zwei Mal missachtet

Und tatsächlich: Zwei Mal hat der Bulgare die Lenkzeiten missachtet. "Es handelt sich hierbei zwar nur um wenige Minuten, dennoch wird hierbei ein Bußgeld von jeweils 30 Euro fällig", sagt Oliver Broschak. 

Oliver Broschak überprüft mithilfe eines digitalen Systems die Lenk- und Ruhezeiten des Fahrers. Bild: Ingo Rothermund

Als nächstes geht es an die Kontrolle der Ladungssicherung: Ohne Diskussion öffnet der bulgarische Lkw-Fahrer die Tür seines Anhängers und lässt die Beamten einen Blick hineinwerfen. Diese haben nichts zu beanstanden: "Alles soweit gesichert", sagt Polizist Broschak zu seiner Kollegin Sandra Hock. 

Polizeibeamter Oliver Broschak mit prüfendem Blick auf die zu transportierende Ware. Bild: Ingo Rothermund

Im Anschluss wird das Fahrzeug weiter auf mögliche technische Mängel überprüft. Mithilfe einer kleinen Taschenlampe leuchtet der Polizist unter anderem die Räder und die Bremsen aus - auch hier  alles in Ordnung, eine Ausnahmegenehmigung für die Durchfahrt durch Berghausen ist ebenfalls vorhanden. Der Bulgare darf seine Fahrt fortsetzen. "Für eine intensive Kontrolle eines Fahrzeugs benötigen wir im Schnitt rund 40 Minuten", sagt Martin Plate, Leiter der Verkehrspolizei.

Oliver Broschak und seine Kollegin Sandra Hock bei der Überprüfung des Lkw. Bild: Ingo Rothermund

"Fahrzeuge sind eine Gefahr für sich und andere"

Auch wenn bei diesem konkreten Fall keine gravierenden technischen Mängel festgestellt worden sind - das ist laut Plate leider nicht die Regel. Besonders abgefahrene Reifen oder Bremsen müssen die Beamten immer wieder feststellen.

"Mit solchen Mängeln sind die Fahrzeuge nicht nur eine Gefahr für sich selbst, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer", sagt er gegenüber ka-news.de. "Viele Fahrzeuge bringen wir in eine Werkstatt, um die Mängel zu beseitigen. Es kommt auch nicht selten vor, dass Fahrzeuge komplett stillgelegt werden müssen", sagt der Leiter der Verkehrspolizei.

Technische Mängel öfter zu beanstanden als Verstoß gegen Durchfahrtsverbot

Das spiegelt auch die Bilanz der Kontrolle am Mittwoch wider. Zwölf Lkw haben die Polizisten in drei Stunden überprüft. Bei dreien davon musste die Ladungssicherung beanstandet werden und an sechs Fahrzeugen wurden technische Mängel festgestellt. Ein Sattelzug musste nach Durchführung eines Gutachtens stillgelegt werden, da sich der Stoßdämpfer eines Rades bereits von der Achse gelöst hatte. Neun Fahrer müssen mit einem Bußgeld rechnen, da sie während der Fahrt telefoniert haben oder nicht angeschnallt waren.

Leiter der Verkehrspolizei Karlsruhe. Bild: Ingo Rothermund

Ein Verstoß gegen das bestehende Durchfahrtsverbot war hingegen nur ein Mal zu verzeichnen - dem Fahrer droht nun ein Bußgeld von bis zu 100 Euro. "Es wird nur selten ein Vergehen gegen das Durchfahrtsverbot festgestellt. Der überwiegende Teil der Fahrer hat eine Berechtigung, die Bundesstraße zu befahren", sagt Martin Plate. Dennoch: "Wir kontrollieren auch weiterhin und nehmen die Sorgen und Nöte der Bürger ernst." 

Umfahrung Berghausen kommt

Um eine dauerhafte Lösung für das erhöhte Verkehrsaufkommen zu finden, soll Berghausen - wie auch der Nachbarort Jöhlingen - mit einer Ortsumfahrung entlastet werden. Das Planfeststellungsverfahren soll voraussichtlich noch im Jahr 2020 eingeleitet werden. Kostenpunkt für das Bauvorhaben: 22,2 Millionen Euro.


Polizeikontrolle Berghausen


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