Hasan Colak (m.) und sein Team von "Brüder gegen Gewalt".
Bild: Thomas Riedel
Die Karlsruher "Brüder gegen Gewalt": Hasan Colak und sein Team helfen Jugendlichen aus der Kriminalität
Karlsruhe
18.07.2021 11:50
Drogen, Gewalt, Alkohol und Mobbing: Die Versuchungen in der Jugendzeit sind allgegenwärtig. Für viele Jugendliche der Beginn eines oft immerwährenden Teufelskreises. Hasan Colak kennt diese Gefahren ganz genau, denn der 56-jährige Boxer ist schon seit Jahrzehnten in der Gewaltprävention tätig. Zusammen mit seinem Team des Vereins "Brüder gegen Gewalt" versucht er daher nun, Jugendlichen aus Karlsruhes Brennpunkten eine Perspektive weit weg von Drogen, Alkohol, Mobbing und Gewalt zu bieten.

Es ist ein verregneter Sonntagnachmittag und die düstere Stimmung am Karlsruher Rheinhafen, wo ka-news.de Hasan Colak trifft, passt ganz gut zu dem nun anstehenden Gesprächsthema. "Der Boxsport hat mich schon recht früh in eine Linie gebracht, die ich für Gewaltprävention nutzen wollte", sagt der ehemalige Boxer.

Hasan Colak ist selbst auf der Straße groß geworden - er kennt die Probleme der Jugendlichen. Bild: Thomas Riedel

Kurse im Polizeisportverein Karlsruhe und der Justizanstalt Rastatt

Hasan Colak lebt schon vierzig Jahre in Karlsruhe und ist in der Karlsruher Südstadt aufgewachsen. Der in Istanbul geborene gebürtige Türke hatte schon als Kind mit Sport begonnen und boxt seitdem mit Leidenschaft. Schon früh nutzt er seinen Sport für die Gewaltprävention: Mit dem Programm "Boxen gegen Gewalt" begann Colak im Polizeisportverein Karlsruhe mit Projekten an Schulen und Boxvereinen im Raum Karlsruhe. Unterstützt von Schulamt und der Stadtverwaltung wurden verschiedene Kurse angeboten.

Bild: Thomas Riedel

Auch in der Justizanstalt in Rastatt hatte der gelernte Friseur bereits Projekte. Schnell entwickelte sich für den Boxer eine Leidenschaft darin, jungen Menschen einen Halt durch Sport zu geben. Heute arbeitet Colak hauptsächlich in den Karlsruher Problemvierteln mit kriminellen und gewalttätigen Jugendlichen.

Vom Boxsport bis zum Musikvideo - die Arbeit im Verein ist vielfältig

"Wir gehen mit unserem Team in die Viertel und sprechen die Jugendlichen gezielt an, um Perspektiven aufzuzeigen. Nur noch mit Sport alleine ist das in der heutigen Zeit schwierig", sagt Hasan Colak. Das Team der "Brüder gegen Gewalt" bietet daher einiges an Ablenkung und Ausgleich zum Leben auf der Straße: Boxsport, Malen, Kanu-Fahren, Songs schreiben und Video-Clips produzieren sind nur einige Angebote, um die Jugend laut Colak auf dem richtigen Weg zu halten.

"Aktuell arbeite ich mit einem 7-jährigen und 13-jährigen Jungen zusammen. 'Boxen gegen Gewalt', dazu Musik und ein Videoclip. Dafür können sich die jungen Menschen durchaus begeistern und den Alltag sinnvoller gestalten", ist sich Colak sicher. Hasan Colak hat in seinem Treffpunkt dafür eigens ein kleines Tonstudio gebaut.

Bild: Thomas Riedel

Angst ist ein schlechter Begleiter

Angst, in die Gassen und Plätze von "brenzligen" Vierteln zu gehen, habe Hasan bei seiner Arbeit nicht: "Ich bin selbst auf der Straße aufgewachsen und verlasse mich auf meinen Instinkt. Es sind teilweise aggressive Töne bei der Kontaktaufnahme dabei" - auch körperlich wurde Hasan Colak nach eigenen Angaben schon angegangen. Aber er sagt: "Das musst du aushalten können."

Bild: Thomas Riedel

Beruhigend und mit viel Geduld stelle sich der 56-Jährige den Gesprächen und gewinne dadurch meist Aufmerksamkeit und Gehör. "'Einen Kampf verloren habe ich schon, aber ich lag niemals auf dem Boden' - das gilt es, den Jugendlichen mit auf den Weg zu geben."

Dabei steht ihm auch sein Team zur Seite. Ein Mitglied ist Ismail Obeidy. "Wir versuchen, die Jugendlichen vor dem Konsum von Drogen und Alkohol zu wahren und den Ausgleich dafür bei uns zu suchen", so Obeidy gegenüber ka-news.de.

Mit ihrem ersten Musikvideo, das das Team zusammen mit der Karlsruher Sängerin Naomi Walz aufgenommen hat, gelingt den "Brüdern gegen Gewalt" rund um Hasan sogar ein Stück Kunst. Dafür wolle der 56-Jährige noch viele junge Menschen aus der Fächerstadt begeistern - um zu zeigen, dass Gewalt und Drogen sich nicht lohnen.


Karlsruhes "Brüder gegen Gewalt"


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