Die FDP-Fraktion des Karlsruher Gemeinderates fordert von der KVV die Wiedereinführung des Vierertickets.
Die FDP-Fraktion des Karlsruher Gemeinderates fordert von der KVV die Wiedereinführung des Vierertickets.
Bild: Carmele|TMC-Fotografie/Thomas Riedel
Keine Viererkarten in der Fächerstadt: Karlsruher FDP-Fraktion fordert Rückkehr des Kombi-Tickets
Karlsruhe
18.10.2021 06:00
Einmal an den Automaten und vier Karten auf einmal kaufen. Das war einmal. Denn seit August sind die Viererkarten des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) Geschichte. Zum Unmut vieler Bürger, wie die FDP-Fraktion festgestellt haben will. Sie fordert deshalb die Wiedereinführung der Tickets. Der KVV hält von dieser Idee aber wenig und moniert die geringe Nachfrage.

Seit August hat der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) die sogenannten Vierertickets endgültig aus dem Verkehr gezogen – aus wirtschaftlichen Gründen, wie es heißt. Als Folge müssen die Kunden seitdem wieder auf Einzelfahrscheine und Tagestickets umsteigen.

Eigentlich sollten Inhaber des Karlsruher Passes unter 25 in Sachen ÖPNV-Nutzung weiter entlastet werden. Wenn es nach der Stadt geht, wird daraus nun doch nichts.
Eigentlich sollten Inhaber des Karlsruher Passes unter 25 in Sachen ÖPNV-Nutzung weiter entlastet werden. Wenn es nach der Stadt geht, wird daraus nun doch nichts. Bild: Paul Gärtner / KVV

Die Folge sind laut der FDP zahlreiche Beschwerden aus der Bevölkerung, weshalb die Liberalen vom KVV ein Umdenken fordern und eine Wiedereinführung des Kombi-Tickets auf den Weg bringen wollen. Die KVV arbeitet derzeit nach eigenen Aussagen bereits an neuen Alternativ-Modellen

Die Viererkarten waren im Hinblick auf die Nutzerfreundlichkeit und die Erleichterung bezüglich eines einmaligen Ganges an den Schalter bei den Bürgern immer sehr beliebt", heißt es in einer Pressemitteilung der FDP-Fraktion. Seit August gehört dies allerdings der Vergangenheit an Denn der  KVV hat endgültig alle Vierertickets aus seinem Angebot genommen.

“Grundgedanken der Nutzerfreundlichkeit achten“

"Mit der jetzigen Regelung sind die Fahrgäste gezwungen, verhältnismäßig teurere Einzelkarten oder Tagestickets zu erwerben. Dies kommt einer versteckten Preiserhöhung gleich", kritisieren die Freien Demokraten. Die Fraktion moniert auch, dass beim Kauf der Tickets an den Fahrscheinautomaten in den Bahnen und Bussen eine sofortige Entwertung stattfindet und diese nicht individuell zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt werden können.

Thomas H. Hock (FDP)
Thomas H. Hock (FDP) Bild: Tim Carmele | TMC Fotografie

"Unsere Forderung einer Wiedereinführung der Vierertickets im KVV basiert insbesondere auf dem Grundgedanken der Nutzerfreundlichkeit der Angebote des öffentlichen Nahverkehrs für alle Menschen. Nicht jeder kann mit den Abwicklungs- und Bezahlsystemen übers Smartphone, wie es die Stadtverwaltung möchte, umgehen", erklärt Thomas Hock von der FDP-Fraktion.

FDP: Attraktivität des ÖPNV wird beeinflusst

Dies betreffe insbesondere ältere Bürger, die mit ihren entsprechenden Handys gar nicht die Möglichkeit dazu haben oder auf fremde Hilfe angewiesen seien. Die FDP sieht dadurch die Attraktivität des ÖPNV massiv beeinträchtigt.

(Symbolbild)
(Symbolbild) Bild: Eric Dewald

Die ganz oben angesiedelten sozial- und umweltpolitischen Ziele beim Thema Mobilität könne man nur mithilfe eines attraktiven und bürgerfreundlichen ÖPNVs erreichen, der auf die jeweiligen Bedürfnisse der Menschen eingehe und Vertrauen im öffentlichen Nahverkehr schaffe, ist man bei der FDP-Fraktion überzeugt.

Die FDP fordert deshalb vom Aufsichtsrat des KVV, sich nochmals mit der Ticket- und Preisgestaltung auseinander zu setzen und die Kundenbindung stärker zu fokussieren. Im Gemeinderat will man das Thema vorerst aber nicht auf den Tisch bringen.

"Wir als FDP-Fraktion sind hier noch in Abstimmung mit dem KVV und möchten diesem zunächst die Möglichkeit geben, in dieser Sache umzudenken. Ein attraktiver und bürgerfreundlicher ÖPNV ist schließlich die Voraussetzung, damit wir unsere sozial- und umweltpolitischen Ziele erreichen können", so Thomas Hock in einem Statement gegenüber ka-news.

Kosten für Viererkarte wirtschaftlich nicht mehr verhältnismäßig

Ob es dazu tatsächlich kommen wird, scheint fraglich. Die KVV hat nach eigener Aussage bei ihrer Entscheidung Nachfrage und wirtschaftliche Aspekte abgewogen. "Die Viererkarte war viele Jahre ein sehr zeitgemäßes Produkt für unsere Kunden. Diese wurde immer mit einem leichten Rabatt zu den Einzelfahrkarten angeboten. Wegen zu geringer Nachfrage wurde bereits die Viererkarte in den hohen Preisstufen vor vielen Jahren eingestellt", erklärt Nicolas Lutterbach, Sprecher der KVV gegenüber der Redaktion.

(Symbolbild)
(Symbolbild) Bild: Thomas Riedel

Auch die Viererkarten in den unteren Preisstufen hätte eine sehr geringe Nachfrage und verursachte gleichzeitig unverhältnismäßig hohe Vertriebskosten. Aus wirtschaftlicher Sicht war die Viererkarte gegenüber den Einzelfahrkarten für die KVV demnach nicht mehr darstellbar.

"Bei einer Viererkarte, die preisgleich oder sogar teurer als eine Einzelfahrkarte wäre, blieben die hohen vertrieblichen Kosten für dieses Produkt bestehen, obwohl die Kunden natürlich auf die Einzelfahrkarte wechseln würden, so Lutterbach weiter. Man habe sich daher "schweren Herzens" entschlossen, die Viererkarte nicht mehr anzubieten, um so die Möglichkeit zu schaffen, neuen, modernen Vertriebs- und Tarifangeboten Raum zu geben.

Bild: KVV

"Wir stehen aktuell kurz vor der Einführung eines E-Tarif Modells und auch die bereits in der Presse oft erwähnte Home Zone wird noch in diesem Winter kommen", kündigt der KVV-Sprecher an.

FDP sieht Diskrepanz zu Nachfrage-Mangel

Eine Erklärung die bei der FDP auf wenig Verständnis trifft. "Wir halten die Behauptung des KVV, die Viererkarten seien immer weniger nachgefragt, für höchst zweifelhaft“, erklärt Hock. Die FDP-Fraktion habe mit zahlreichen Kunden des KVV gesprochen und nach wie vor werde sehr häufig explizit nach den verhältnismäßig preisgünstigeren und individuell einsetzbaren Vierertickets bei den jeweiligen Verkaufsstellen gefragt. Einige Kioskbetreiber oder Ladenbesitzer könnten diese nicht abbrechende hohe Nachfrage ebenso bestätigen.

Der FDP-Stadtrat appelliert deshalb: "Die Rückmeldungen und Beschwerden aus der Bevölkerung sollten ernst genommen werden und dieses Thema deshalb nochmals aufgegriffen werden."

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