Markus Wagner mit dem entlaufenen Hund.
Markus Wagner mit dem entlaufenen Hund.
Bild: Markus Wagner
Karlsruher Tierretter empört: Er wollte den Hund von der Südtangente retten - doch die Polizei verbot es ihm
Karlsruhe
28.02.2021 14:57
Rund eine Woche ist es her, dass ein entlaufener Hund auf der Karlsruher Südtangente für ein kleines Verkehrschaos sorgte. Den eingesetzten Polizisten beim Einfangen des Tieres helfen wollte Markus Wagner von der Tier-Taxi-Zentrale aus Stutensee. Doch die Polizei lehnte die Unterstützung des Tierretters ab - auf Kosten der Gesundheit des Hundes, wie Wagner selbst meint. Er wünscht sich nun eine bessere Zusammenarbeit mit der Polizei - um Tieren in Karlsruhe in Zukunft schneller helfen zu können.

Am Donnerstagabend, 18. Februar, sorgte ein entlaufener Hund für einen großen Polizeieinsatz auf der Karlsruher Südtangente: Zwischen 18 Uhr und zirka 20.45 Uhr versuchten die Beamten der Karlsruher Polizei - mithilfe von mehreren Streifenwagen und einem Helikopter mit Wärmebildkamera - das entlaufene Tier einzufangen. Vergeblich, der Hund konnte durch ein Loch in einer Lärmschutzwand flüchten. 

Entlaufenem Hund geht es gut

"Mittlerweile konnten wir den Hund aber finden und es geht ihm auch den Umständen entsprechend gut", berichtet Markus Wagner von der Tier-Taxi-Zentrale aus Stutensee, im Gespräch mit ka-news.de. "Am Sonntagabend konnten wir den Hund in der Nähe der Südtangente einfangen." Bis es aber soweit war, musste der Tierretter einiges an Mühe auf sich nehmen. 

Gerettet: Im Kofferraum der gerettete Hund. Davor ein Bezugshund der den Ausreißer aufspürte.
Gerettet: Im Kofferraum der gerettete Hund. Davor ein Bezugshund der den Ausreißer aufspürte. Bild: Markus Wagner

"Als wir im Laufe des Freitags keine Sichtungsmeldung bekommen haben, wurden Suchhunde eingesetzt, diese führten uns dann zum Karlsruher Zoo", so Wagner. Mit einer Sondergenehmigung durften die Tierretter ihre Suche dort fortsetzen, leider ohne Ergebnis. Erst nachdem die Polizei am Sonntagnachmittag eine erneute Sichtungsmeldung über den Hund erhielt, konnte er schließlich am späten Abend eingefangen werden.

Auch wenn der Tierretter froh über das verspätete Happy End ist: Seiner Ansicht nach hätte es gar nicht so weit kommen müssen, hätte die Polizei während des eigentlichen Einsatzes auf der Südtangente anders reagiert. "Bei allem Respekt, aber das Verhalten der Polizei war der Situation nicht angemessen." 

Tierretter darf nicht helfen

Der Tierexperte ist überzeugt, er hätte den entlaufenen Hund schon am Donnerstag auf der Südtangente einfangen können. "Da bin ich mir zu 100 Prozent sicher - spätestens, als er dann im Edeltrudtunnel war." Doch es gab ein Problem: Die Polizei lehnte seine Unterstützung ab.

Zwei Autos der Tier-Taxi-Zentrale aus Stutensee.
Zwei Autos der Tier-Taxi-Zentrale aus Stutensee. Bild: Markus Wagner

"Ich war zufällig mit meinem Auto und Werkzeug vor Ort und habe meine Hilfe angeboten, ein Polizist  sagte mir aber, dass meine Hilfe nicht benötigt wird", erklärt Wagner. Der angebliche Grund: 150 Euro, die die Rettung gekostet hätte und die die Polizei nicht tragen wollte. Eine Erklärung, die Wagner sauer aufstößt.

"Erstens geht es hier um ein verletztes Tier, da spielt Geld weniger eine Rolle. Zweitens hätte der Hundebesitzer für die Kosten aufkommen müssen. Die Polizei hätte auf keinen Fall eine Rechnung erhalten", sagt der 38-Jährige gegenüber ka-news.de. Und: "Die Polizei wollte eine 150 Euro-Rechnung vermeiden, setzt im Laufe des Abends aber vier Streifenwagen und später sogar einen Hubschrauber ein. Wo ist da die Logik?", meint Wagner.

Die gesperrte Südtangente.
Die gesperrte Südtangente. Bild: Markus Wagner

Hinzu komme: "Was hätte die Polizei gemacht, wenn sie den Hund gefangen hätte? Es hieß, der Hund sei schwer verletzt. Wer hätte ihn medizinisch versorgt und vor allem wie?", so Wagner. Der Tierretter ist laut eigenen Angaben seit vier Jahren bei der Tier-Taxi-Zentrale und erfahren und geschult - auch im Umgang mit verletzt Tieren.

"Das hätte alles nicht sein müssen"

Auch im weiteren Verlauf der fast vier Tage dauernden Suche wirft Wagner der Polizei massive Verfehlungen vor, etwa am Fundtag selbst. So hätte bis dahin selbst der Besitzer des Hundes "sogar den Auftrag gegeben, sein Haustier zu fangen. Als wir aber bei der Polizei nachfragten, wo sich der Hund denn genau befände, wurde uns nicht geholfen."

Markus Wagner mit einer geretteten Gans.
Markus Wagner mit einer geretteten Gans. Bild: Markus Wagner

Der Grund: Erneut die Kostenfrage sowie die Aussage, es sei Aufgabe der Polizei, das Tier einzufangen, so schildert Markus Wagner. Erst nach mehrmaligem Nachfragen seien die Beamten bereit gewesen, den Standort des Hundes preiszugeben. "Das war um 20 Uhr und um 21 Uhr konnten wir ihn dann einfangen." Die tagelange Suchaktion auf Kosten der Gesundheit des Tieres - "das hätte alles nicht sein müssen", meint Wagner.

Es kommt darauf an, wo Hilfe benötigt wird

Doch was sagt die Karlsruher Polizei zu den Vorwürfen? Auf Nachfrage von ka-news.de hält sich das Polizeipräsidium bedeckt, verweist lediglich auf die bekannten Fakten rund um den Vorfall auf der Südtangente und erklärt, "dass es bei der Tierrettung darauf ankommt, wo genau Hilfe benötigt wird, ob im Stadt- oder im Landkreis".

"Hier entscheidet dann die jeweilige Zuständigkeit über mögliche angeforderte Hilfe." Zudem seien Mitglieder der Hundestaffel vor Ort gewesen, die viel Erfahrung im Umgang mit Hunden hätten, so ein Sprecher zu ka-news.de.

Für Markus Wagner ein schwacher Trost. Er will nun gegen die beteiligten Beamten Beschwerden einlegen und wünscht sich für die Zukunft wieder mehr Kooperationsbereitschaft seitens der Behörden. "Früher hat das alles deutlich besser funktioniert und wir wurden oft angefordert, auch von der Polizei. Doch mittlerweile ist es deutlich weniger geworden."

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