Einsatzkräfte der Karlsruher Feuerwehr beim Verlegen einer großen Schlauchleitung für die Hochleistungspumpe
Einsatzkräfte der Karlsruher Feuerwehr beim Verlegen einer großen Schlauchleitung für die Hochleistungspumpe.
Bild: Branddirektion Karlsruhe
Karlsruher Rettungskräfte berichten vom Einsatz in Hochwassergebieten: "Wir standen bis zum Kragen im Schlamm"
Karlsruhe
19.07.2021 16:18
Wassermassen, Tote und zerstörte Existenzen. Das Hochwasser hat die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen so hart getroffen, dass sogar das Land Baden-Württemberg aktiv wurde und Einsatzkräfte in die betroffenen Gebiete schickte. Darunter: die Feuerwehr Karlsruhe mit ihren Abteilungen in Neureut und Knielingen, aber auch die Karlsruher Johanniter-Unfall-Hilfe. Was sie dort in den Katastrophengebieten erlebt haben, sprengt alle Vorstellungskraft.

Während in Karlsruhe das Hochwasser langsam aber sicher weiter sinkt, werden in den betroffenen Ortschaften in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen immer mehr die Schneisen der Verwüstung erkenntlich: Tote im zweistelligen Bereich, zerstörte Infrastruktur, Obdachlosigkeit. 

Eines dieser Gebiete ist der Ort Sinzig, eine verbandsfreie Stadt am Mittelrhein im Landkreis Ahrweiler, idyllisch gelegen, an der Ahrmündung. Doch genau die Ahr ist es auch, die durch die enormen Regenfälle so stark anschwoll und katastrophale Schäden anrichtete. Hilfe musste her und die kam unter anderem auch aus Karlsruhe. Markus Pulm, Pressesprecher der Feuerwehrleitstelle und der Feuerwehr Karlsruhe, war mit 39 Einsatzkräften vor Ort.

Die Karlsruher Feuerwehr in Sinzig bei der Arbeit im Schlamm. Bild: Branddirektion Karlsruhe

Zerstörte Infrastruktur in Sinzig

"Normalerweise kann man die Ahr sogar zu Fuß überqueren. Doch durch den Regen ist sie auf 50 Meter Breite und fünf bis acht Meter Tiefe angestiegen", so Pulm gegenüber ka-news.de.

"Die ganze Infrastruktur ist kaputt, Brücken durchgebrochen. Das sind Dimensionen, die man so vorher nicht gekannt hat. Ich habe sowas zuvor noch nicht gesehen. Wir standen bis zum Kragen im Schlamm und haben uns um zwei Uhr morgens noch mit dem Schlauch abgespritzt."

Eine Brücke in Sinzig - ein Container ist an ihren Pfeilern stecken geblieben. Bild: Branddirektion Karlsruhe

Das führe wiederum zu Problemen mit der Stromversorgung und dem Abwasser. "Die dortige Kläranlage war überschwemmt. Wir haben dann Dixie-Klos aufgestellt und die Betroffenen in Notunterkünfte gebracht".

Doch auch Zuspruch und moralische Unterstützung seien bei den Kräften an der Tagesordnung gewesen. "Wir haben versucht die Leute zu beruhigen, viele haben geweint", erzählt Pulm weiter. "Aber die Leute waren sehr dankbar dafür, dass jemand für sie da war." 

Karlsruher Johanniter betreuen evakuierte Menschen im Hotel

Ebenfalls im Einsatz war das vierköpfige Team rund um Rainer Schulz der Karlsruher Johanniter-Unfall-Hilfe. Allerdings nicht in Rheinland-Pfalz, sondern im nordrhein-westfälischen Erfstadt-Blessem. Ihre Hauptaufgabe bestand vor allem in der psychosozialen Betreuung von 56 Menschen, die zuvor evakuiert und anschließend in einem naheliegendem Hotel in Köln untergebracht worden waren. 

Rainer Schulz, Psychologe und ehrenamtlicher Rettungshundeführer bei den Karlsruher Johannitern
Rainer Schulz, Psychologe und ehrenamtlicher Rettungshundeführer bei den Karlsruher Johannitern. Bild: privat

Schulz, selbst Psychologe und Psychotherapeut, schätzt den Zustand der Betroffenen jedoch als ziemlich gefasst ein. "Es herrscht zwar große Ratlosigkeit, aber kein akutes Elend", sagt er gegenüber ka-news.de.

Doch auch an den Helfern seien die zum Teil zwölfstündigen Arbeitsschichten nicht spurlos vorbeigegangen, wie Schulz erzählt: "Emotional war das für uns weniger schlimm, aber körperlich doch sehr anstrengend."

Weiterer Einsatz soll folgen - zumindest seitens der Feuerwehr

Auch jetzt, knapp drei Tage nach ihrem Aufbruch am vergangenen Freitag, ist die Arbeit noch längst nicht erledigt. Deswegen wird die Karlsruher Feuerwehr voraussichtlich erneut nach Sinzig ausrücken müssen, obwohl die Kräfte erst am Sonntagabend wieder zu Hause angekommen sind.

Mit dem Schlauch vom Schlamm befreit - auch für die Karlsruher Rettungskräfte eine neue Erfahrung. Bild: Branddirektion Karlsruhe

"Wir haben es im Vergleich zu anderen Orten noch vergleichsweise gut gehabt, wir haben auch keine Leichen gesehen. Uns sind schlimme Dinge erspart geblieben, aber bis die Kanalisation wieder funktioniert und alles soweit wieder normal läuft, wird es Monate dauern. Wenn nicht sogar Jahre", sagt Markus Pulm.

Für die Karlsruher Johanniter-Unfall-Hilfe hingegen war das der wohl letzte Einsatz. Denn am Sonntagabend konnten Schulz und sein Team das Hotel bereits wieder verlassen und an die Stadt übergeben. 

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