Gerüste, Hebebühnen und Kabel: Die Sanierung der Europahalle ist in vollem Gange.
Bild: Thomas Riedel
ka-news.de macht den Baustellen-Rundgang: So geht die Sanierung der Europahalle voran
Karlsruhe
17.08.2021 06:00
Großveranstaltungen sah die Europahalle in Karlsruhe schon seit sieben Jahren nicht mehr. Aus Brandschutzgründen durften bisher nur maximal 200 Besucher eingelassen werden. Mit einer gründlichen Brandschutzsanierung solle sich das aber künftig ändern: Ab 2023 sollen wieder bis zu 4.800 Personen Platz finden können. Im Juni haben die Bauarbeiten begonnen. Wie sieht es aktuell auf der Baustelle aus? ka-news.de hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

 "Aufgrund einiger Mängel beim Brandschutz, war es seit 2014 nur möglich, bis zu 200 Personen in die Europahalle einzulassen - als Versammlungsstätte war sie untersagt", berichtet Ulrike Siede vom Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe. Schon  2019 entschied sich der Gemeinderat zu einer Brandschutzsanierung der Halle, die im Juni dieses Jahres begonnen wurde.

Ulrike Siede vom Hochbauamt im Gespräch mit ka-news.de-Volontär Lars Notararigo. Bild: Thomas Riedel

"Wenn die Sanierung abgeschlossen ist, können wir das Volumen der Halle wieder etwas effizienter nutzen und bis zu 4.800 Personen einlassen", erklärt sie. Das sei natürlich ein Vielfaches der zuvor gestatten 200 Gäste, auch wenn die ursprüngliche Kapazität der Europahalle noch immer nicht wiederhergestellt sei. Um das zu erreichen, seien drei Maßnahmen nötig:

  1. Die Einrichtung neuer Rettungswege
  2. Eine "Abschnittsbildung", bestimmte Flächen werden im Brandfall abgeriegelt um die Ausbreitung zu hemmen
  3. Maßnahmen zur Rauchableitung.
Drei Baumaßnahmen, die sowohl auf die Haupt-, als auch auf die Nebenhallen angewandt werden sollen.
Auch in den Nebenhallen sollen die Sanierungsmaßnahmen angewandt werden. Bild: Thomas Riedel

Als erstes Problem müssten die Rettungswege angegangen werden, denn: Bisher stimmten diese nicht mit den aktuellen Sicherheitsauflagen überein, so Siede. Einige davon führten beispielsweise nicht unmittelbar ins Freie, was durch die Rauchbildung im Brandfall zu einer erhöhten Gefährdung führen könne.

Bisher wurden die Besucher im Notfall über vermittelnde Fluchttunnel in Freie geleitet.
Viele Zuschauer mussten bisher mittelbar über den Eingangsbereich evakuiert werden. Bild: Thomas Riedel

"Diese Probleme werden mit der Baumaßnahme behoben. Mit dem neugebauten Fluchttunnel auf der Westseite und der Lieferrampe auf der Südostseite, die ebenfalls als Fluchtweg genutzt werden kann, haben wir an allen vier Ecken der Halle direkte Notausgänge. Alle Fluchttüren werden sich automatisch öffnen."

Bald werden direkt von der Sportlerebene aus Fluchtmöglichkeiten für Sportler und Zuschauer geboten. Bild: Thomas Riedel

Der Hauptfluchtweg verlaufe dabei noch immer unter der Empore entlang.  Andere Abschnitte würden dabei im Brandfall verriegelt werden um die Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Dies diene der sogenannten "Abschnittsbildung" gegen die Ausbreitung der Flammen - der zweiten Maßnahme im Sanierungsprozess.

Man stelle sich vor der Weg hinaus wäre durch Essenswägen blockiert - das wäre doch eher unvorteilhaft.
Auf der rechten Seite des Foyers, bei der Garderobe, soll ein Brandschutzvorhang fallen, sobald ein Feuer gemeldet wird. Auch das diene der Abschnittsbildung. Bild: Thomas Riedel

Im Zusammenhang der Abschnittebildung plane man auch auch, bestimmte Areale einem bestimmten Zweck zuzuführen. Ein Beispiel: Das Catering.

"Essens- und Getränkeausgaben sollen zukünftig während der Veranstaltung von unterhalb der Emporen aus vonstattengehen, die Treppen nach oben werden abgebrochen und an ihre Stellen treten Essensstände", so Siede. Der Grund: "Die Essenswägen standen früher nicht selten unabgetrennt im Bereich der Fluchtwege." Ein solcher Umstand solle mit der Zentralisierung der Essensausgabe behoben werden.

Der Karl-Wolf-Saal: Früher Foyer, bald Knotenpunkt der Essensausgabe.
Der Karl-Wolf-Saal: Früher Mehrzweckhalle, bald Knotenpunkt der Essensausgabe. Bild: Thomas Riedel

Auch der Verkauf von Merchandising und Getränken werde auf den Bereich unter der Empore begrenzt werden. "Abgesehen vom Areal unter der Empore wird das gastronomische Angebot hauptsächlich im Karl-Wolf-Saal, der Mehrzweckhalle neben dem Foyer, stattfinden."

Zuschauern soll dieser Blickwinkel künftig verschlossen bleiben. Bild: Thomas Riedel

Doch wenn die Treppen zur Empore nun abgebrochen werden, was passiert dann mit der dortigen Zuschauertribüne? Klar ist schon jetzt: "Für Zuschauer wird die Empore künftig also nicht mehr zugänglich sein, auch wenn die Reporter- und Sprechertribünen erhalten bleiben", so Siede.

Wo früher ein Weg hinaufführte, werden bald Essens- und Getränkeausgaben zu finden sein. Bild: Thomas Riedel

Der dritte Punkt zum Brandschutz besteht darin, neben dem Feuer auch dem Rauch entgegenzuwirken. Gerade die Rauchableitung sei ein gewichtiger Faktor im Zuge der Brandschutzsanierung.

Der Rauch müsse problemlos über das Dach abziehen können. Bild: Thomas Riedel

"Zu diesem Zweck werden die sicherheitstechnischen Gerätschaften an der Decke weitläufig erneuert werden. Wir planen eine flächendeckende Brandmeldeanlage in der gesamten Halle. Außerdem sollen über 160 neu eingebaute Dachfenster dazu dienen, den Rauch ins Freie zu leiten", berichtet Siede. 

Die Decke bekommt eine völlig neue Elektronik (nur die Deckenstrahlplatten zu Heizung bleiben erhalten).
Die Mehrheit der der Deckenelektronik wird erneuert. Nur die Deckenstrahlplatten zur Heizung sollen bleiben. Bild: Thomas Riedel

Im Zuge der Brandschutzsanierungen wolle man noch einige weitere Maßnahmen vornehmen: "Wir haben eine Schadstoffsanierung gestartet um gesundheitsgefährdende Substanzen zu entfernen", so Ulrike Siede.

"Erst wenn wir damit fertig sind, geht es richtig los mit der Demontage im Innenbereich. Durch die Erneuerung der Dachfenster wird die Halle natürlich auch energieeffizienter. Außerdem wird der Tartanboden auf der Sportfläche erneuert."

Die Grüne Fläche werde erneuert und modernisiert. Außerdem werde eine zusätzliche mobile Tribüne hinzugefügt. Die rote Rundbahn und die reguläre Tribüne bleiben aber wie sie sind. Bild: Thomas Riedel

60 Prozent dieser Sanierungsleistungen seien mittlerweile beauftragt und bereits in Arbeit. Corona sei dabei bisher kaum ein Hindernis gewesen. "Trotz coronabedingter Lieferschwierigkeiten konnten wir unsere Planung und Koordination bisher weitestgehend problemlos einhalten", sagt Siede.

Die Planung teilt die Stadt unter den verschiedensten Ämtern und Firmen auf.
Sportlicher Zeitplan: Schon 2023 sollen die ersten Sportfans in die Europahalle zurückkehren. Bild: Thomas Riedel

Auch die Finanzierung laufe noch immer im vorgesehenen Budget der dreißig Millionen Euro. Außerdem hat der Bund dem Projekt zusätzliche Mittel von drei Millionen bewilligt. Man sei also optimistisch, dass die Sanierung bis 2023 vollendet werden könne - ohne den Kosten-Etat zu sprengen.

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Bau der Europahalle
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