Kommunaler Orndungsdionste KOD
Bild: TMC|Carmele Fotografie
ka-news auf Streife mit dem KOD: "Es gibt kaum noch etwas, das uns schockieren kann"
Karlsruhe
14.05.2019 18:25
Für Recht und Sicherheit sorgen in Karlsruhe nicht nur die Beamten der Polizei, sondern auch die Einsatzkräfte des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD). Vor allem am Wochenende laufen sie Streife durch die Innenstadt, bis 2 Uhr in der Nacht sind Hagen Bluck und sein Team zwischen dem Kronenplatz und dem "Euro" unterwegs. Ein Abend mit dem KOD.

Kurz nach 21 Uhr sind wir am vereinbarten Treffpunkt, Hagen Bluck, Dienstgruppenleiter beim Kommunalen Ordnungsdienst, nimmt uns vor dem Rathaus in Empfang. An diesem Freitagabend möchte sich auch Albert Käuflein, Bürgermeister der Stadt Karlsruhe, ein Bild von der Arbeit der Polizeibehörde machen. Ebenfalls mit dabei ist Björn Weiße, er ist der Leiter des Ordnungsamtes (OA), bei dem der KOD angesiedelt ist.

Hinter vielen Einsätzen steht ein Schicksal

Schon wenige Minuten später kommt es zum ersten Einsatz. In der Volksbank am Marktplatz liegt ein Mann auf dem Boden, eingekauert in einen Schlafsack. "Es gab eine Beschwerde, dass sich hier jemand aufhält", erklärt Hagen Bluck gegenüber ka-news. Gabi Simon und Christian Kappesser streifen sich blauen Einweghandschuhe über und betreten den Bankvorraum. "Ist alles ok bei Ihnen?", fragen die beiden den Mann und wecken ihn auf. "Nichts ist ok, ich habe Schmerzen im Bein", sagt er.

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Bild: TMC|Carmele Fotografie

Die zwei Beamten sprechen mit ihm, fragen, ob er weitere Hilfe benötige, denn hier in der Bank könne er nicht bleiben. Gabi Simon notiert die Personalien des Mannes aus Karlsruhe. Dann können ihn die zwei dazu überreden, im Wohnheim für alleinstehende Männer in der Rüppurrer Straße einen Platz für die Nacht zu finden. Etwa zehn Minuten dauert diese erste Episode des Abends - und ich beneide die Beamten des KOD nicht. Vor allem, wenn hinter dem Einsatz ein Schicksal steckt. 

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Der Obdachlose wird für die Nacht zu einer Einrichtung gebracht. Bild: TMC|Carmele Fotografie

"Wenn wir etwas sehen, kümmern wir uns"

"Da muss man abschalten können", sagt Gabi Simons. "Wir besprechen immer nach Schichtende den Abend, was uns passiert ist und was wir erlebt haben - denn manchmal sind wir während des Einsatzes so voller Adrenalin, das muss man verarbeiten", ergänz Christian Kappesser.

Ein paar Meter weiter steht eine Gruppe Jugendlicher, es wird lauter. Die KOD-Mitarbeiter eilen los. "Ja, wir machen ja schon leiser", sagt einer der jungen Männer. "Die waren einfach nur laut, mehr nicht, aber das haben wir erst genau gesehen, als wir direkt daneben waren", sagt Bluck. 

Dann fällt ihnen ein Mädchen auf, das auf dem Boden kauert, den Kopf vornüber gebeugt. "Angeblich ein Asthmaanfall sagen ihre Freunde, wir kümmern uns jetzt um sie", erklärt Hagen Bluck. "Auch das gehört zu den Aufgaben, denn wir könnten das Mädchen ja nicht sitzen lassen", so Björn Weiße im Gespräch mit ka-news. Ein Sanitäterteam wurde angefordert, die treffen auch zügig ein und nehmen die junge Frau mit. Später wird sich herausstellen, dass sie erst 16 Jahre alt ist und stark alkoholisiert war. Daher mussten ihre Eltern von der Polizei verständigt werden. 

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Spontaner Einsatzm eine Streife der Polzeibehörde wurde auf ein seltsames Verhalten Jugendlicher aufmerksam, eine junge Frau erlitt einen asmathischenn Anfall. Bild: TMC|Carmele Fotografie

Wir machen uns auf den Weg zum Friedrichsplatz, schon wird der nächste Verstoß festgestellt. Ein Radfahrer ist ohne Licht unterwegs. Der Mann steigt ab und schiebt sein Fahrrad weiter. "Das gab nur eine mündliche Verwarnung, kann aber auch bis zu 20 Euro kosten", erklärt Gabi Simon. Der Friedrichsplatz vor dem Naturkundemuseum selbst ist ruhig - dafür liegt an diesem Abend umso mehr Müll herum.

Sauberkeit führt zu mehr Sicherheit

"Das geben wir an die Kollegen von der Straßenreinigung weiter", erklärt das KOD-Team. "Auch die Sauberkeit hat etwas mit dem eigenen Gefühl von Sicherheit zu tun und dann halten sich die Menschen gerne an einem Platz auf", weiß Bürgermeister Albert Käuflein. 

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Vermüllung auf dem Friedrichsplatz zieht die Aufmerksamkeit der Polizeibehörde auf sich. Bild: TMC|Carmele Fotografie

Das Einsatzteam vom KOD geht weiter in Richtung Ludwigsplatz, hier treffen wir unterwegs auf zwei weitere Radfahrer, die ohne Licht unterwegs sind. Zwei junge Passanten, das höre ich im Vorbeigehen, wundern sich, dass es für Radeln ohne Licht eine Verwarnung gibt. Dabei ist das ein wichtiger Sicherheitsaspekt - sehen und gesehen werden in der Dunkelheit. Der Ludwigsplatz ist zwar belebt, aber es ist ruhig, hier gibt es nichts Auffälliges. Also folgen wir Hagen Bluck und seinen Mitarbeitern zum Europaplatz. 

Mittlerweile ist es 22.20 Uhr, die ersten Partygänger sind schon unterwegs und glücklicherweise noch friedlich. Vor einem Schnellrestaurant werden Gabi Simon und Christian Kappesser auf zwei Männer aufmerksam, die sie sofort wegschicken.

(Symbolbild) Bild: Tim Carmele

Warum, wollen wir wissen. "Die sind uns schon bekannt. Einer von ihnen hatte seinen Schal quer auf den Weg gelegt und bremst so die Leute aus, deswegen haben wir jetzt einen mündlichen Platzverweis erteilt", sagt Gabi Simon und ihr Kollege ergänzt: "Das ist 'Belästigung der Allgemeinheit' und so ein Verhalten wollen wir verhindern!" Wo die beiden Männer sich nun den Passanten in den Weg legen werden? Für den Moment scheint das egal zu sein - Hauptsache nicht hier. 

"Der Euro war lange ruhig, jetzt wird wieder gedealt"

Lange Zeit war es am "Euro" ruhig, sagen Albert Käuflein und Björn Weiße, das lag an der großen Baustelle für die Kombilösung. Doch nun etabliere sich wieder die Drogenszene. "Hier wird nachweislich gedealt", so der Leiter des Ordnungsamtes, Björn Weiße. Einer der Gründe, warum sich die Karlsruher am Europaplatz so unwohl fühlen und der KOD hier regelmäßig Streife läuft. "Wir versuchen da einfach Präsenz zu zeigen", so Weiße weiter. 

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Gemeinsamer Abschluss der Streife auf dem Europaplatz. Bild: TMC|Carmele Fotografie

Als Leiter des OA ist er selbst regelmäßig bei den Kollegen draußen unterwegs. "Ein Bericht, den ich am nächsten Tag bekomme, spiegelt nicht das wider, was wirklich passiert ist", sagt Björn Weiße. "Das Karlsruhe bei Nacht ist anders als das Karlsruhe bei Tag!"

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Die Polizeibehörde hat die gleichen Befugnisse wie die Landespolizei. Bild: TMC|Carmele Fotografie

Was er erlebt, schockiert ihn kaum noch, eher erzeuge es ein Kopfschütteln. So geht es auch Gabi Simon, Christian Kappesser und Hagen Bluck. Doch schon am nächsten Abend werden die drei und die anderen Teams vom KOD wieder ihre Runden durch die Innenstadt drehen und für ein bisschen mehr Sicherheit in Karlsruhe sorgen. 


Auf Streife mit dem KOD

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