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Bild: Paul Needham
Finanzspritze genehmigt: 150.000 Euro für Karlsruher Majolika
Karlsruhe
28.07.2020 15:33
Traditionsreich, stadtbekannt - und finanziell klamm: Der Karlsruher Keramikmanufaktur Majolika fehlt Geld. Die Lösung könnte eine Finanzspritze von 150.000 Euro aus der Stadtkasse sein. Darüber soll am Dienstag der Gemeinderat entscheiden.

Vom herkömmlichen Trinkbecher über Vasen aus dem 3D-Keramikdrucker bis hin zu Kunstwerken in den Kombilösungs-Haltestellen - seit 1901 stellt die Majolika am Karlsruher Ahaweg hinter dem Schloss Keramikprodukte her.

Majolika macht kaum noch Gewinn

Doch in den vergangenen Jahren sah es schlecht aus für die Majolika: Weniger Umsatz und weniger Projekte brachten das Keramikstudio finanziell ins Schlingern. Wie es jetzt mit der Majolika weitergehen könnte, hat die Stadt in einer Beschlussvorlage an den Gemeinderat am Dienstag skizziert.

Eine Lösung wäre, die Majolika-Stiftung vom Staat zu trennen und das Studio in die Hände eines privaten Unternehmens zu geben. Ralf Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Zeller Keramik Manufaktur in Zell am Harmersbach und der "Dorotheenhütte" Glashütte Wolfach, stehe demnach seit 2018 in Gesprächen mit der Stadt Karlsruhe.

Wird die Manufaktur in private Hände gegeben?

Wird er die angeschlagene Manufaktur kaufen? "Herr Müller bekundete großes Interesse am Erwerb der Majolika Manufaktur GmbH mit dem Ziel, seine Keramikproduktion in das Produktionsgebäude der Majolika zu verlagern", erklärt die Stadt.

(Archivbild) Bild: Paul Needham

"Er hat das Ziel, dort eine 'gläserne' Manufaktur aufzubauen sowie gemeinsam mit dem Badischen Landesmuseum, der Hochschule für Gestaltung, der Kunstakademie sowie weiteren Kultureinrichtungen ein Areal mit auch touristischer Attraktivität zu entwickeln." 

Gemeinderat entscheidet über erneutes Förderpaket

Die andere Möglichkeit wäre, ein weiteres Förderpaket von der Stadt zu erhalten. Mehr als 300.000 Euro flossen seit 2011 jährlich bisher in die Majolika. Im Haushaltsplan 2021 sollen nun erneut Zuschussmittel in Höhe von 150.000 Euro bereitgestellt werden - wenn der Gemeinderat am Dienstag zustimmt.

Der Karlsruher Gemeinderat (Archivbild). Bild: rmv

Aktualisierung, 16.30 Uhr

Die Stadträte waren sich fast einig: Mit nur drei Gegenstimmen  wurde die Beschlussvorlage zu einer Bezuschussung der Majolika mit 150.000 Euro angenommen. Der Änderungsantrag der FDP, der Majolika auch bis zum Ende der Corona-Krise die komplette Miete zu erlassen, wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt.

Stadträtin Renate Rastätter von den Grünen schlägt vor, die Majolika von einer GmbH in eine gemeinnützige gGmbH umzuwandeln, da so das Problem der fehlenden Einnahmen zunächst gelindert werden könnte.

Stadträtin Elke Ernemann von der SPD hat sich zur Debatte mit ihren Amtskollegen mit Zeitungsmaterial der vergangenen Jahre eingedeckt, in denen Jahr um Jahr das Ende der Majolika prophezeit wurde. "Trotzdem ist diese Karlsruher Institution niemals untergegangen", sagt sie. "Und jetzt, da die Majolika ein neues Konzept vorzeigt, kann es nur bergauf gehen."

Elke Ernemann (SPD) Bild: Tim Carmele | TMC Fotografie

Die Linke stimmte der Beschlussvorlage ebenfalls zu: "Wir lieben diese Anlage", meint Stadträtin Karin Binder. Eine mögliche Nutzung für die Örtlichkeiten wäre auch als Austragungsort von Kunst- und Kulturevents - eine bis dato komplett neue Einnahmequelle für das Gelände im Hardtwald.

Anders sieht das die CDU-Fraktion: Sie drängt zur Investorenlösung. Nur somit könne man den Fortbestand der Manufaktur sichern. "Seit Jahren hängt sie am Tropf des städtischen Zuschusses. Wir sind der Überzeugung, dass sie finanziell auf eigenen Beinen stehen muss", heißt es in einer Pressemeldung der Fraktion.

Wichtig sei es, dass der Gesprächsfaden zwischen dem Stiftungsrat und dem Investor nicht abreißt. "Wenn es persönliche Unstimmigkeiten geben sollte, dürfen sie nicht zu Lasten der Majolika gehen. So viel Professionalität dürfen wir erwarten", so Fraktionsvorsitzender Tilman Pfannkuch.

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