Auch bei einem Corona-Schnelltest ist ein Abstrich erforderlich. Ist das Virus in der Probe enthalten, reagieren dessen Eiweißbestandteile mit dem Teststreifen.
Bild: Marijan Murat/dpa
Die Jagd auf den Corona-Test: Wie und wo kann ich mich in Karlsruhe testen lassen - und warum ist das nicht immer kostenlos?
Karlsruhe
10.03.2021 20:40
Testen, testen, testen. Unter anderem so soll die Corona-Pandemie eingedämmt werden und in Zukunft die schrittweise Rückkehr zu einem normalen Alltag wieder möglich sein. Jeder Bundesbürger soll das Recht auf einen kostenlosen Corona-Selbsttest pro Woche erhalten. Doch wie genau soll diese breit angelegte Teststrategie umgesetzt werden? Und wo können sich die Karlsruher auf das Corona-Virus testen lassen?

Lockdown-Verlängerung, aber mit Lockerungen. Das beschlossen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder bei der jüngsten Corona-Videoschalte in der vergangenen Woche. Fünf Öffnungsschritte, welche abhängig von der jeweiligen Inzidenz der Region sind, wurden beschlossen. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Corona-Tests - viele Corona-Tests.

Deshalb soll seit 8. März jeder Bürger einen kostenlosen Antigen-Schnelltest pro Woche angeboten bekommen. Ergänzt wird das Angebot durch im Handel erwerbbare Selbsttests, die Privatpersonen jederzeit durchführen können. ka-news.de stellt die verschiedenen Testarten vor und verrät euch, wo man einen Test bekommen kann. 

Diese Testarten gibt es

Doch wie unterscheiden sich die Corona-Testarten genau? Das Bundesgesundheitsministerium differenziert auf seiner Website zwischen PCR-Test, Antigen-Schnelltest und Selbsttest.

  • PCR-Test
    PCR (polymerase chain reaction) Tests sind laut Bundesgesundheitsministerium der "Goldstandard" unter den Corona-Tests. Die Probenentnahme erfolgt durch medizinisches Personal – die Auswertung durch Labore.
  • Antigen-Schnelltest
    Antigen-Schnelltests für Sars-Cov-2 funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie Schwangerschaftstests. "Durchgeführt werden können sie nur durch geschultes Personal – dafür wird - ähnlich wie beim PCR-Test - ein Nasen- oder Rachenabstrich gemacht. Die Auswertung erfolgt im Gegensatz zum PCR-Test aber direkt vor Ort", so das Ministerium auf seiner Website. Diese Art von Test soll seit 8. März jedem Bürger kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Durchgeführt werden die Tests dabei in der Apotheke oder in Testzentren.
  • Selbsttests
    Selbsttests (auch "Wohnzimmertests" genannt) sind zur Anwendung durch Privatpersonen zu Hause bestimmt, können also ohne Fachpersonal durchgeführt werden. Dafür muss die Probenentnahme und -auswertung entsprechend einfach sein. Der Test kann zum Beispiel mit einem Nasenabstrich oder mit Speichel erfolgen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte überprüft zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut Qualität und Aussagekraft der Tests.

Besonders in die beiden letzteren Testarten setzen Bund und Länder nun ihre Hoffnungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Doch dabei sind die Test-Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen, denn: Beide Varianten gelten als nicht voll zuverlässig.

So warnt das Bundesgesundheitsministerium vor einer erhöhten Fehlerrate der Wohnzimmertests, die nun im Handel oder in Apotheken erhältlich sind. Sie könnten vor allem "zusätzliche Sicherheit in konkreten Situationen im Alltag geben – etwa bei einem privaten Besuch oder perspektivisch vor einem Theater- oder Kinobesuch". 

Antigen-Schnelltests wiederum, die oft in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Schulen zum Einsatz kommen, sind dabei schon aussagekräftiger, dennoch gilt hier: Fällt der Test positiv aus, muss das Ergebnis unbedingt durch einen PCR-Test bestätigt werden. Das gleiche gilt für die Wohnzimmertests.

Ein Corona-Test.
Ein Corona-Test. Bild: Thomas Frey/dpa

Wo bekomme ich einen Selbsttest in Karlsruhe?

Diese Selbsttests für zu Hause  können seit Samstag im Handel zunächst nur bei Aldi erworben werden. Die Drogerien dm, Rossmann und Müller wollen bald genau wie andere Supermärkte nachziehen.

Die Selbsttests in der Aldi-Filiale waren sofort ausverkauft.
Die Selbsttests in der Aldi-Filiale waren sofort ausverkauft. Bild: Christophe Gateau/dpa

Die Selbsttests von Aldi waren am vergangenen Samstag schnell vergriffen. Der Discounter zeigt sich überrascht über die Nachfrage der knapp 25 Euro teuren Schnelltests. Auch Lidl, die ihre Tests zunächst nur über den Online-Shop verkaufen, reagierte ähnlich auf die hohe Nachfrage. 

 Wie und wo komme ich an einen Antigen-Schnelltest?

Während die Selbsttests einfach in Supermärkten erhältlich sind, muss für die nun geplante verstärkte Durchführung der Antigen-Schnelltests ein größerer logistischer Aufwand betrieben werden, denn es müssen Testzentren eingerichtet werden.

Anders als bei der Corona-Schutzimpfung werden die dezentral von den einzelnen Gemeinden eingerichtet und geführt. "Mit den Bürgermeisterämtern im Landkreis Karlsruhe besteht Übereinkunft, dass Schnelltestzentren nicht zentral beim Landkreis Karlsruhe, sondern dezentral in den Städten und Gemeinden eingerichtet werden. Manche Städte wie Ettlingen praktizieren das schon, aktuell gehen solche Zentren in Karlsdorf-Neuthard, Walzbachtal und Waldbronn in Betrieb", erklärt das Gesundheitsamt Karlsruhe auf ka-news.de-Anfrage. 

Bild: Thomas Riedel

Genaue Standorte seien aktuell aber noch nicht bekannt. "Wir gehen davon aus, dass wir gegen Ende der Woche einen Überblick haben und die genauen Orte mitteilen können. Hinzu kommen weitere Initiativen im Einzelhandel", so ein Sprecher des Gesundheitsamtes. 

Zusätzlich plant die Drogeriemarktkette dm die Einrichtung sogenannter Schnelltest-Zentren an 250 Standorten in Baden-Württemberg. "Die ersten Schnelltest-Zentren werden wir voraussichtlich in zwei Wochen öffnen", bestätigt dm-Geschäftsführer Christoph Werner gegenüber ka-news.de. An welchen Standorten genau ein Zentrum eingerichtet werden soll, stehe aktuell aber noch nicht fest.

Christoph Werner Bild: dm-drogeriemarkt
"In den Schnelltest-Zentren wird dann mittels eines Point-of-Care-Antigen-Schnelltests die Testung von geschulten Mitarbeitern sowie Fachkräften durchgeführt. Das Ergebnis erhält man dann auf sein Smartphone. Zudem wird ein Zertifikat ausgestellt, das als Nachweis eines negativen Ergebnisses dient", erklärt Werner gegenüber ka-news.de. 

Auch Apotheken bieten Test an

Bis dahin gibt es auch in einer Apotheke die Möglichkeit, sich testen zu lassen. Auf der Website der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg werden alle Apotheken, die ein Testangebot haben, angezeigt. Hier kann über Telefon und E-Mail auch direkt Kontakt mit der Apotheke des Vertrauens aufgenommen werden. In und um Karlsruhe nehmen insgesamt 21 Apotheken teil.

An diesen Standorten wird in Karlsruhe ein Corona-Test angeboten.
An diesen Standorten wird in Karlsruhe ein Corona-Test angeboten. Bild: Screenshot: Landesapothekerkammer Baden-Württemberg

Eine davon ist die Stadt-Apotheke in der Karlsruher Karlstraße. Laut Apothekerkammer können hier Test für Selbstzahler, für Grenzgänger und für Personal von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen in Baden-Württemberg durchgeführt werden.

Und das Angebot werde genutzt: "Zirka 20 Antigen-Schnelltests führen wir pro Woche auf Wunsch unserer Kunden durch, das Ergebnis ist dann für 48 Stunden gültig", sagt Peter Theilacker, Chef der Stadt Apotheke, im Gespräch mit ka-news.de.

Noch nicht alle Schnelltests sind kostenlos 

Doch es gibt ein Problem: Kostenlos ist der Service in der Karlstraße nicht. Damit in 15 Minuten ein Ergebnis vorliegt, müssen Kunden 39 Euro hinblättern - von dem von der Bundesregierung angepriesenen "ein kostenloser Schnelltest pro Woche" noch keine Spur.

Peter Theilacker bietet Schnelltests in seiner Apotheke an.
Peter Theilacker bietet Schnelltests in seiner Apotheke an. Bild: Theilacker

"Die Kosten will der Bund ja übernehmen, noch fehlen da aber die Organisation und Information, wie genau das ablaufen soll", sagt Theilacker. Und er scheint nicht der einzige Apotheker zu sein, der noch kein Konzept des Bundes bekommen hat, wie die Website der Apothekerkammer Baden-Württemberg verrät.

Meldung der Apotheken ist freiwillig

Bei der Filtermöglichkeit "Testangebote im Rahmen der Testverordnung des Bundes" - mit anderen Worten kostenlose Tests - reduziert sich das Suchergebnis. In Karlsruhe bieten aktuell (Stand Montag) 16 der 21 angezeigten Apotheken einen kostenlosen Antigen-Schnelltest an.

Hier gibt es kostenlose Corona-Schnelltests.
Hier gibt es kostenlose Corona-Schnelltests. Bild: Screenshot: Landesapothekerkammer Baden-Württemberg

Allerdings besteht die Möglichkeit, dass kleinere Apotheken auch Testmöglichkeiten anbieten, aber nicht auf der Website der Apothekerkammer angezeigt werden. "Die Meldung an uns geschieht auf freiwilliger Basis. Es kann also durchaus sein, dass noch mehr Apotheken Tests anbieten und nicht bei uns angezeigt werden", so eine Sprecherin der Apothekerkammer Baden-Württemberg gegenüber ka-news.de.

Neben der Apothekerkammer gibt allerdings auch die Kassenärztliche Vereinigung  Baden-Württemberg auf ihrer Website einen Überblick über die verschiedenen Corona-Anlaufstellen. Hier werden auf einer Karte Corona-Schwerpunktpraxen, Fieberambulanzen, Test- oder Abstrichzentren und Corona-Radiologie-Praxen angezeigt.

Hier gibt es Tests, aber nur nach Terminabsprache beziehungsweise am Abstrichzentrum in der Karlsruher Haid-und-Neu-Straße benötigt ein Patient eine gültige Überweisung des Hausarztes. 

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