Bild: Thomas Riedel
Corona-Impfpanne im Karlsruher ZIZ: ka-news.de-Leserin will ihren Vater impfen lassen - und wird trotz Termin abgewiesen
Karlsruhe
11.03.2021 07:31
Andrea Marschall ist fassungslos: Im Karlsruher ZIZ soll ihr krebskranker Vater gegen Corona geimpft werden, doch er wird abgewiesen - trotz gültigem Termin. Der Grund: Er sei noch nicht impfberechtigt. Was ist da schiefgelaufen?

Eigentlich fängt die Geschichte, die ka-news.de-Leserin Andrea Marschall der Redaktion erzählt, recht harmlos an: Vor knapp drei Wochen will sie in Karlsruhe einen Impftermin für ihren Vater buchen. Dieser ist 74 Jahre alt und krebskrank, also der Impfgruppe mit "hoher Priorität" zugehörig, besser bekannt als Impfgruppe zwei.

Nach Angaben des Landes Baden-Württemberg darf sich diese Gruppe nach Paragraph drei der Corona-Virus Impfverordnung aber erst seit dieser Woche impfen lassen. Das ist insofern möglich, da der Astrazeneca-Impfstoff ab jetzt auch für über 64-jährige Personen zugelassen ist.

Dennoch: Zwei Wochen lang kämpft Marschall über die Vergabe-Hotline um einen Termin im ZIZ an der Messe Karlsruhe, und tatsächlich: Am vergangenen Donnerstag kann sie schließlich sogar gleich beide notwendigen Impftermine für ihren Vater buchen, erklärt sie.

Impfung noch vor dem offiziellen Impfstart?

Und: Der erste soll sogar schon am darauffolgenden Tag - am Freitag, 5. März - durchgeführt werden - also noch vor dem offiziellen Impfstart für Gruppe zwei. "Da haben sie mich sogar noch nach dem Alter von meinem Vater gefragt und trotzdem haben sie mir die Termine gebucht", erklärt Andrea Marschall gegenüber ka-new.de.

Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) stehen fürs Impfen 75.000 Haus- und Facharztpraxen in Deutschland bereit.
(Symbolbild) Bild: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Anschließend habe Marschall die Impfbestätigung erhalten und den Hausarzt aufgesucht. Dieser habe ihr dann eine dementsprechende Bescheinigung für ihren Vater ausstellen lassen, die seine Priorisierung noch einmal ersichtlich machen sollte - alles innerhalb von 24 Stunden. "Auf der Bescheinigung und in der Praxis wurde mir auch nochmal bestätigt, dass ab dem Freitag die zweite Gruppe geimpft werden kann."

"Ein Schlag ins Gesicht"

So weit, so gut - könnte man nun denken. Doch als Andrea Marschall mit ihrem Vater schließlich im ZIZ ankommt, folgt eine böse Überraschung: Bereits am Schalter werden die beiden abgewiesen. Der Grund: Die Impfgruppe zwei sei noch gar nicht dran. 

Für Andrea Marschall "ein Schlag ins Gesicht", wie sie im Gespräch mit ka-news.de aufgebracht erklärt. "Wenn das bis dahin alles gar nicht ginge, warum hat man mit mir dann gleich beide Termine am ZIZ ausgemacht?", fragt sie.

Dass der Termin möglicherweise an dem weit verbreiteten Problem eines fehlenden Impfstoffs gescheitert sein könnte, glaubt Marschall dabei nicht. "Auf meiner Impfbestätigung steht Biontech. Das heißt, der Impfstoff muss da gewesen sein." Wie kann es also zu einer solchen Impfpanne kommen? 

"Die Hotline hat einen Fehler begangen"

Mit dieser Frage wendet sich ka-news.de an die Stadt Karlsruhe. Die teilt mit: Nach ihren Informationen sei der Vater von Andrea Marschall zu dem Zeitpunkt wohl tatsächlich nicht impfberechtigt gewesen. Der Grund: Wegen der beschränkten Zulassung von Astrazeneca hätten einige Impfberechtigte, die eigentlich der Impfgruppe zwei angehören, aufrücken können - allerdings nur, sofern sie unter 65 Jahre alt waren.

"In diesem Zusammenhang kann es schon mal zu Missverständnissen kommen", erklärt auch Florian Mader, Pressereferent im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg. "Aber eine Terminbestätigung bedeutet nicht, dass die Person auch impfberechtigt ist. Das wird erst vor Ort am Impfzentrum geprüft."

Florian Mader, Pressereferent im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg Bild: Ministerium für Soziales und Integration

Als ka-news.de ihm den konkreten Fall von Andrea Marschall erklärt, räumt Mader allerdings einen Fehler seitens der Hotline-Mitarbeiter ein. "Tatsächlich hat die Hotline bei der Terminvergabe da einen Fehler begangen, wofür wir uns entschuldigen", so Mader. Aber: "Die Hotline ist primär dazu da, Termine zu vereinbaren, nicht, um die Impfberechtigung zu prüfen. Das sollte vorab geklärt sein."

Hausarzt hätte besser aufklären müssen

Aus diesem Grund sei wohl auch die Bestätigung des Arztes gegenüber Andrea Marschall falsch gewesen - oder zumindest missverständlich gegenüber der 53-Jährigen kommuniziert worden.

"Wir verweisen immer darauf, dass die Impfberechtigung im Zweifel mit dem Hausarzt abgeklärt werden muss. Allerdings hätte der in diesem Fall klar machen müssen, dass der 74-Jährige, trotz seiner Vorerkrankung, zu dem Zeitpunkt noch keine Impfberechtigung hatte", erklärt Mader im Gespräch mit ka-news.de. "Hätte er einen Termin ein paar Tage später bekommen, wäre das gar nicht ins Gewicht gefallen. Doch durch die Aktualisierung der Impfverordnung sollte sich das Problem ja inzwischen erledigt haben."

Die neue Corona-Impfverordnung sieht vor, dass Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen früher zum Zug kommen, wenn eine Arzt-Bescheinigung vorliegt.
(Symbolbild) Bild: Oliver Dietze/dpa

Für Andrea Marschall ist das allerdings nur ein schwacher Trost. Einen erneuten Versuch, durch die Zentrale einen Termin für ihren Vater zu bekommen, möchte sie nicht wagen. "Ich warte jetzt ab, bis er beim Hausarzt geimpft werden kann. Denn noch einmal so einen Schlag ins Gesicht zu bekommen, da ist mir das Risiko echt zu hoch. Für die älteren Menschen ist das schließlich auch ein emotionaler und physischer Akt."

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