Autos parken dicht an dicht. (Symbolbild)
Autos parken dicht an dicht. (Symbolbild)
Bild: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
Bye-Bye Auto-Parkplätze? Grüne wollen mehr Abstellraum für Fahrräder in städtischen Wohngebieten
Karlsruhe
10.06.2021 06:00
Fünf bis zehn Prozent der Pkw-Parkplätze im innerstädtischen Wohngebiet sollen zukünftig in Fahrrad-Stellplätze umgewandelt werden, zumindest wenn es nach der Gemeinderatsfraktion der Grünen geht. Auch die Karlsruher Stadtverwaltung arbeitet derzeit an Projekten, die genau dieses Thema behandeln. Andere Fraktionen gehen derweil auf die Barrikaden.

Die Fraktion der Grünen im Karlsruher Gemeinderat schlägt in einem Antrag vor, in innerstädtischen Wohngebieten fünf bis zehn Prozent der Pkw-Parkplätze bis Ende 2023 in Stellflächen für Fahrräder umzuwandeln. 

Gehwege würden durch Fahrräder zu schmal werden

In vielen Stadtgebieten seien die Bürger dazu gezwungen, ihre Fahrräder auf den Gehwegen abzustellen, weil es nicht genügend Stellplätze für Fahrräder gibt. Dies führt dazu, dass es auf den Gehwegen eng wird und die eigentlich geforderte Mindestbreite eines Gehweges von 1,60 Meter nicht mehr gegeben ist.

Dicht an dicht parkende Autos im Zentrum von Berlin.
Dicht an dicht parkende Autos im Zentrum von Berlin. Bild: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Wenn die Fahrräder dann von den Gehwegen schwinden und ordnungsgemäß parken, sei eine “komfortable Gehwegbreite” wieder gegeben. Das sei besonders für Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren oder auch Kinderwägen von Vorteil. 

Laut Berechnungen der Grünen passen ungefähr acht Fahrräder auf einen Pkw-Parkplatz. “Durch die Umverteilung von Fläche”, wie es in dem Antrag heißt, könne im öffentlichen Raum ein deutlicher Schritt zur Radverkehrsförderung in den Quartieren geschaffen werden. Gleichzeitig würde das aber auch bedeuten, dass die Autos aus den Parkplätzen in der Innenstadt schwinden müssten.

Wildes Fahrradparken
Wildes Fahrradparken Bild: Paul Needham

"Es besteht massiver Handlungsbedarf", sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen Aljoscha Löffler, während der Diskussion im Gemeinderat. Die bisherigen Bemühungen der Stadtverwaltungen habe man wahrgenommen, dennoch sei man der Überzeugung, dass ein großer Sprung gemacht werden müsse. Schließlich entspreche die Reduzierung der Kfz-Stellplätze im öffentlichen Raum auch den Zielen des Klimaschutzkonzeptes, welche unter anderem die Reduzierung des Individualverkehrs beinhalten.

"Weiterer Vorstoß den Auto-Fahrern das Leben schwer zu machen"

Viel Zustimmung erhalten die Grünen mit ihrem Antrag, aber nicht. "Wir sehen die Problematik bei Weitem nicht so hochrangig", meint Tilman Pfannkuch von der CDU. Einmal im Monat gebe es einen Antrag dieser Art seitens der Grünen-Fraktion, das sei überzogen. "Die eigentliche Zielrichtung dieses Antrages geht gegen den Autofahrer", ist sich Pfannkuch sicher. 

Tilman Pfannkuch, Fraktionsvorsitzender der CDU Karlsruhe
Tilman Pfannkuch, Fraktionsvorsitzender der CDU Karlsruhe Bild: Roland Fränkle

Die SPD lehnt den Vorschlag der Grünen grundsätzlich nicht ab, mahnt aber zur Geduld, die Grünen nicht haben. Denn die Fraktion spekuliert auf ein Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg, in dem ein Zuschuss von 90 Prozent der Kosten möglich sei, falls die Maßnahmen bis Ende 2023 abgeschlossen sind. 

Auch FDP-Stadtrat Heinz Jooß ist alles andere als begeistert von dem Antrag. Dass es zu wenig Fahrrad-Abstellplätze gebe, könne er so nicht bestätigen: "Ich habe für mein Fahrrad noch nie einen Parkplatz gesucht." Wenn zusätzliche Abstellplätze für Fahrräder geschaffen werden, solle man auch die Fahrradfahrer zur Kasse bitten. "Die Autofahrer zahlen schließlich Steuern, die Fahrradfahrer nicht."

Zu einer Abstimmung über den Antrag kam es aber nicht. Denn die Stadt Karlsruhe arbeitet derzeit an Projekten, die genau dieses Thema betreffen. Die Grünen nahmen die Antwort der Stadt zur Kenntnis. 

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