Die geminderte Mehrwertsteuersatz gilt ab dem 1. Juli. Doch einige Discounter senken schon vorher ihre Preise.
Die geminderte Mehrwertsteuersatz gilt ab dem 1. Juli. Doch einige Discounter senken schon vorher ihre Preise.
Bild: Oliver Berg/dpa
Von 19 auf 16 Prozent: Am 1. Juli soll die Mehrwertsteuer sinken - ist das sinnvoll?
Berlin
29.06.2020 07:25
Strohfeuer, Wunderkerze - aus Sicht der Opposition wird die geplante Mehrwertsteuersenkung die Konsumfreude der Bürger nicht dauerhaft anheben. Bundestag und Bundesrat wollen das Konjunkturpaket mit dieser und anderen Maßnahmen jetzt beschließen.

Bundestag und Bundesrat wollen in Sondersitzungen das Konjunkturpaket verabschieden, das Konsum und Wirtschaft in der Corona-Krise wieder ankurbeln soll.

Es beinhaltet insbesondere die bis zum Jahresende begrenzte Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent und den Bonus von 300 Euro für jedes kindergeldberechtigte Kind. Die herabgesetzte Mehrwertsteuer von 7 Prozent soll bis zum Jahresende auf 5 Prozent gesenkt werden.

(Symbolbild) Bild: Steffen Kugler/dpa

Andere Erleichterungen oder Verbesserungen betreffen den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, den steuerlichen Verlustrücktrag, die Besteuerung der privaten Nutzung von Dienstwagen und die steuerliche Forschungszulage.

Zum 1. Juli soll die Mehrwertsteuer sinken

Zunächst wird am Vormittag der Bundestag zusammentreten, um das sogenannte zweite Corona-Steuerhilfegesetz abschließend zu beraten und zu beschließen. Ist dies geschehen, wird sich am Nachmittag der Bundesrat damit befassen. Die Sondersitzungen sind notwendig, damit die Senkung der Mehrwertsteuer zum 1. Juli in Kraft treten kann.

Die Mehrwertsteuersätze sinken am 1. Juli. Unternehmen sind aber nicht verpflichtet, diese Steuersenkung an ihre Kunden beim Einkaufen weiterzugeben. Bild: Fabian Sommer/dpa/dpa-tmn

Die Länderkammer will außerdem über den zweiten Nachtragshaushalt beraten, der zur Finanzierung des Konjunkturpakets erforderlich ist. Er sieht eine Erhöhung der Neuverschuldung um weitere 62,5 Milliarden Euro auf dann insgesamt rund 218,5 Milliarden Euro vor. So viele neue Schulden hat nie zuvor eine Bundesregierung aufgenommen.

Kritik an Steuersenkung: "Wunderkerze, die schnell abfackelt"

Aus Sicht der FDP wird die Mehrwertsteuersenkung den in der Corona-Krise eingebrochenen Konsum nicht nachhaltig ankurbeln. Die Regierung setze hier auf das Prinzip Hoffnung, sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Die 20 Milliarden Euro hätte man besser in eine dauerhafte Entlastung der Menschen und Unternehmen gesteckt, etwa durch die vollständige Abschaffung des Soli oder des sogenannten Mittelstandsbauchs."

Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier bei der Sondersitzung des Bundestags. Bild: Bernd Von Jutrczenka/dpa

Stattdessen werde ein Strohfeuer entzündet, das zum Jahreswechsel wie eine Steuererhöhung wirke, sagte Buschmann. "Der Konsum und die Begeisterung der Menschen werden sich stark in Grenzen halten. Auch die Händler profitieren nur bedingt, weil sie kurzfristig alle Preise neu auszeichnen und ihre Kassen umstellen müssen." Die Senkung der Mehrwertsteuer sei also vor allem ein teurer Bürokratieimpuls und werde nicht für den nötigen Neustart in Deutschland sorgen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz erwartet sich von der Senkung der Mehrwertsteuer dagegen eine steigende Konsumlaune. "Wir verbessern die Kaufkraft der Bürger", erläuterte der SPD-Politiker bei der ersten Beratung des Konjunkturpakets im Bundestag.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Bild: Annegret Hilse/Reuters-Pool/dpa

Die Steuersenkung solle diejenigen, die Anschaffungen wegen der Krise aufschieben wollten, vom Gegenteil überzeugen. Dass dies gelingt, bezweifelte damals auch der Finanzexperte der Linken, Fabio de Masi. Er bezeichnete das Paket als "Wunderkerze, die schnell abfackelt".

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