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"Wir brauchen keine Umfahrung!": Bürgerinfo zur Umfahrung Hagsfeld erhitzt die Gemüter
Karlsruhe
22.01.2020 20:43
Ein großes Projekt steht in den Startlöchern: In nur einem Monat soll der Karlsruher Gemeinderat entscheiden, ob bei den Stadtteilen Hagsfeld und Rintheim eine Brücke oder eine Unterführung gebaut wird. Die "Südumfahrung Hagsfeld" soll die Anwohner vom Durchgangsverkehr entlasten. Bevor die Gemeinderäte sich für eine Variante aussprechen, können sich die Bürger am Donnerstag, 23. Januar, über den Stand der Planungen informieren.

Nördlich von Karlsruhe liegen die beiden Stadtteile Hagsfeld und Rintheim. Obwohl parallel die Autobahn 5 in Nord-Süd-Richtung verläuft, herrscht dort viel Durchgangsverkehr. Vor allem auf der Haid-und-Neu-Straße mit ihren zahlreichen Ampeln staut sich der Verkehr zu Spitzenzeiten. Doch damit soll künftig Schluss sein.

Zu- und Abnahme der Verkehrsbelastung nach dem Bau der Südumfahrung Hagsfeld. Bild: Stadt Karlsruhe

Eine Umfahrung soll gebaut werden: Von der A5 über die Ackerflächen zwischen Hagsfeld und Rintheim hinweg bis auf die Haid-und-Neu-Straße, die als Landstraße 560 Richtung Norden verläuft. Dabei kommen dem Projekt die Schienen der Deutschen Bahn in die Quere. Das bedeutet: Entweder wird eine Brücke oder eine Unterführung - auch Trog genannt - notwendig sein.

Aus den Kreisen der Anwohner wurde Kritik laut. Sie fürchten unter anderem, dass die geplante Straße anstatt der Entlastung nur noch mehr Verkehr von der Autobahn in die Stadtteile zieht. "Wir Rintheimer brauchen die Straße nicht", sagt  auch Bürgervereins-Vorsitzender Helmut Rempp.

So könnte die Brückenlösung der Ortsumfahrung Hagsfeld aussehen. Bild: Mailänder Consult GmbH


Die Stadt Karlsruhe favorisiert die günstigere Brückenlösung - doch noch ist nichts in Stein gemeißelt. Welche Variante am Ende das Rennen machen wird, darüber entscheidet der Karlsruher Gemeinderat voraussichtlich am 18. Februar. Doch die Bürger sollen ebenfalls mit einbezogen werden: Am Donnerstag, 23. Januar, um 18 Uhr lädt die Stadt zur Informationsveranstaltung in den Rintheimer Stuben ein. ka-news.de wird vor Ort sein und berichten.  


Live-Ticker vom 23. Januar 2020

17.50 UhrLiveticker gestartet

Das Interesse der Bürger am Planungsstand der Umfahrung Hagsfeld ist groß. Der Saal in den Rintheimer Stuben ist bereits brechend voll. Rund 90 Personen haben auf den Stühlen Platz genommen, zahlreiche andere finden nur noch am Rand einen Stehplatz.

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18.08 UhrOB Mentrup begrüßt die Anwesenden

Oberbürgermeister Frank Mentrup ist eingetroffen und begrüßt neben den Bürgern auch einige anwesende Stadträte und Vertreter einiger Bürgervereine. "Wir haben in der letzten Bürgerversammlung schon viele Anregungen von Ihnen erhalten - vielen Dank dafür. Die Versammlung heute soll uns die Möglichkeit geben, dass Sie uns noch einmal eine Rückmeldung geben können", so der OB.

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18.21 Uhr UhrVerkehrsuntersuchung vorgestellt

Das Thema Verkehr erregt viele Anwesende. Als die Vertreterin des Tiefbauamts die mit der Umfahrung angestrebte Verkehrsentlastung anspricht, lachen einige Bürger im Publikum auf, andere schütteln die Köpfe. Der Satz: "Den Zahlen der Verkehrsuntersuchung wird selten geglaubt - obwohl sie stimmen", ruft erneut fassungsloses Gelächter hervor.

18.30 UhrBrücke oder Unterführung - die Vor- und Nachteile

Nun werden die Knotenpunkte Elfmorgenbruchstraße und Haid-und-Neu-Straße sowie die Querung der Bahntrasse beziehungsweise der Unterführung angesprochen. So biete der Knotenpunkt Elfmorgenbruchstraße beispielsweise gute Radweg- und Fußgängerbeziehungen. Beide Knotenpunkte bieten nach Angabe des Tiefbauamtes zur Spitzenstunde einen "zufriedenstellenden Verkehrsablauf".

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Die Vor- und Nachteile von Brücken- beziehungsweise Trogvariante kommen zur Sprache. Während die Brückenlösung zwar das Landschaftsbild beeinträchtige, sei sie aber die finanziell günstigere Variante. Sie ist mit 55 Millionen Euro beanschlagt, die Unterführung würde 70 Millionen Euro kosten.

18.45 UhrWie groß ist die Lärmbelastung?

Nun geht es um die Lärmimmissionen, die die Umfahrung hervorrufen würde. Tagsüber muss in Wohngebieten ein Grenzwert von 59 Dezibel eingehalten werden, nachts liegt die Grenze bei 49 Dezibel. "Für beide Varianten werden sowohl am Tag als auch in der Nacht die Grenzwerte eingehalten", so der Experte.

Eine Untersuchung habe zudem gezeigt, dass der Lärmpegel durch die Umfahrung nicht signifikant ansteigen werde. "Der Ist-Zustand ist also die Lärmquelle, nicht die Umfahrung", heißt es weiter, worauf die anwesenden Bürger erneut mit Kopfschütteln reagieren. Als mögliche Maßnahmen zur Lärmreduzierung werden Schallschutzwände oder ein lärmarmer Fahrbahnbelag vorgestellt, der auf der Haid-und-Neu-Straße aufgebracht werden könnte.

19 UhrDie Diskussion beginnt

Die technische Einführung ist nun beendet, die Diskussion beginnt. Helmut Rempp, Vorsitzender des Bürgervereins Rintheim hat nun das Wort. "Wir bedanken uns, dass es nun eine zweite Informationsveranstaltung für die Bürger in Rintheim gibt", erklärt er.

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Der Bürgerverein Rintheim präferiere die Troglösung, aber: "Wir fordern, dass wir mehr Lärmschutz bekommen, als zur Zeit vorgesehen ist. 59 Dezibel ist zu hoch", so Rempp. Zudem wünsche man sich mehr Begrünung auf beiden Seiten mit klimaangepassten Bäumen und Sträuchern, "um den Bürgern eine interessante Anlage zu gestalten".

19.06 Uhr"Wir brauchen keine Umfahrung!"

Die nächste Wortmeldung einer Zuhörerin bezieht sich auf die grundsätzliche Notwendigkeit einer Südumfahrung Hagsfeld beziehungsweise einer Nordumfahrung Rintheim. "Wir brauchen keine Nordumfahrung!", erklärt sie unter lautstarkem Applaus. Zudem kritisiert sie die vorgestellte Verkehrsuntersuchung, eine Umfahrung würde demnach keine signifikante Verkehrsentlastung bewirken.

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19.33 UhrOB Mentrup verteidigt die Umfahrung

OB Frank Mentrup entgegnet auf die Kritik zur Umfahrung Hagsfeld und erinnert an die vor Jahren an dieser Stelle geplante vierspurige Nordtangente, deren Auswirkungen noch viel größer gewesen wären als die der jetzt geplanten Umfahrung Hagsfeld.

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"Uns ging es darum eine Variante zu wählen, die die Auswirkungen so gering wie möglich hält. Diese Varianten ist das einzige, was wir Ihnen aktuell zu einer Entlastung Hagsfeld und einer Teilentlastung von Rintheim anbieten können. Ich habe aber auch für jeden Verständnis, der sagt das schadet mir mehr als es mir nutzt, das ist aber bei solchen großen Bauprojekten immer so. Ich bin aber auch recht stolz, weil wir 2016 beispielsweise noch Varianten diskutiert hatten, bei der der Kindergarten auf keinen Fall hätte erhalten werden können."

19.35 UhrBrücke wird favorisiert

Wie nun ein Vertreter der Stadt auf eine Nachfrage eines Bürgers mitteilt, werde die Brückenlösung von Seiten der Verwaltung favorisiert. "Grundsätzlich sind wir für beide Lösungen offen, sehen aber leichte Vorteile in der Brückenvariante, die wir so auch dem Gemeinderat vorschlagen wollen. Was der Gemeinderat daraus macht, muss man dann sehen."

19.55 Uhr UhrFragen zu Varianten

Mehrere Bürger treiben Fragen zu den beiden geplanten Varianten der Umfahrung um. So bittet eine Rintheimerin die Verwaltung, die Troglösung nicht ganz außer Acht zu lassen. "Hier könnten beispielsweise Grünbrücken installiert oder Bäume von umliegenden Schulen gepflanzt werden", ist ihr Vorschlag dazu.

Ein anderer Bürger richtet die Frage an die Stadt, aus welchem Grund man denn die Brücke als Vorzugsvariante empfehle. "Es gibt eine Abwägungsmatrix zu den Vor- und Nachteilen - dennoch kann sich der Gemeinderat trotz aller Vorteile immer noch gegen die Brückenlösung entscheiden", heißt es von Seiten des Rathauses.

20.15 UhrAuch Argumente für die Umfahrung

Ein weiterer Bürger spricht sich für die Umfahrung Hagsfeld aus. Der Grund: "Ich habe in den letzten Jahren eine Zunahme des Schleichverkehrs durch Rintheim wahrgenommen. Aus diesem Grund bin ich dafür, dass die Umfahrung gebaut wird", erklärt er.

Nicht nur die Lärmbelastung, auch die Luftverschmutzung wird in der Runde debattiert. Zustimmenden Applaus erntet eine Bürgerin mit ihrem Vorschlag, die Troglösung zu favorisieren, da dadurch die Luftverschmutzung geringer sei als bei einer Brücke.

20.30 UhrLiveticker beendet

Die Fragerunde ist beendet, Oberbürgermeister Frank Mentrup spricht das Schlusswort, dankt den Anwesenden und erläutert noch einmal das weitere Vorgehen des Planfeststellungsverfahrens. "Jetzt steht eine Entscheidung an und ich wünsche mir, dass wir auch in Zukunft bei künftigen Themen wieder gestaltend zusammenkommen.", so Mentrup abschließend. Wir beenden an dieser Stelle nun den Liveticker.


Bürgerinfo Umfahrung Hagsfeld 2020


Die Hintergründe der Umfahrung Hagsfeld: Ein (fast) endloses Projekt

Auf der Höhe der Stadtteile Hagsfeld und Rintheim exisiert bereits eine Abfahrt von der Autobahn, die "Anschlussstelle Karlsruhe Nord". Das Problem: Sie endet nach nur wenigen hundert Metern auf einer Straße ohne überörtliche Funktion. Es ist ein winziges Stück der einst geplanten Nordtangente.

Als das Projekt auf Eis gelegt wurde, wurde auch der weitere Bau der Straße gestoppt. Heute verteilt sich der Verkehr ab dieser Stelle und schlängelt sich unter anderem durch die Wohngebiete.

Seit sehr langer Zeit möchte die Stadt die Ausfahrt der Autobahn an dieser Stelle weiterführen, bis auf die Haid-und-Neu-Straße. Das Projekt trägt den Namen "Südumfahrung Hagsfeld". Mehrere Anläufe hat die Stadt bereits unternommen, doch im Jahr 2014 kam der Bebauungsplan dem Konzept in die Quere: Alles musste zurück auf Anfang.

Neue Pläne wurden erarbeitet, heute steht dem der Umfahrung ein neuer Meilenstein bevor. Im Februar könnte sich der Gemeinderat für eine Variante entscheiden: Entweder einer Brücke oder einer Unterführung. Das ist notwendig, um das Planfeststellungsverfahren einzuleiten.

Dann nimmt das Regierungspräsidium seine Arbeit auf und erteilt - im besten Falle - eine Genehmigung. In der Regel dauert ein solches Verfahren mehrere Jahre. Die ersten Bagger könnten womöglich erst Mitte der 2020er Jahre anrücken.

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