Eingestürzter Stall
(Symbolbild)
Bild: Fricke/News5
Wenn das Wetter verrücktspielt: Extreme Wetterlagen könnten in Karlsruhe auch in Zukunft zum Problem werden
Karlsruhe
09.01.2019 18:25
Schneechaos, Stürme, Hochwasser, Hitzewellen: Auf der ganzen Welt müssen Städte und Regionen immer wieder mit Wetterextremen kämpfen. Auch Karlsruhe litt im vergangenen Jahr unter einem ungewöhnlich langen und heißen Sommer. Ob die Fächerstadt in Folge des Klimawandels künftig mit weiteren Extremwetterlagen rechnen muss und welche gravierenden Folgen die Erderwärmung für das Karlsruher Wetter haben könnte - ka-news hat nachgeforscht.

Schwere Stürme oder klirrende Kälte - extreme Wetterlagen sind kein Phänomen ferner Länder, auch in Deutschland werden sie immer wieder zum Problem. So leidet aktuell Bayern unter einem starken Wintereinbruch, während über Karlsruhe gerade Sturmtief "Benjamin" zieht.

Warnung
Straßensperrung: Meteorologen erwarten in Österreich weitere Schneemassen und damit eine Verschärfung der Lawinengefahr. Foto: Erwin Scheriau/Keystone/APA Bild: dpa

Auch 2018 war in meteorologischer Hinsicht ein Rekordjahr: Die Region rund um Karlsruhe schwitzte sich durch einen sehr langen und trockenen Sommer und mit durchschnittlich 10,4 Grad überbot das Land Baden-Württemberg den vieljährigen Temperaturmittelwert um 2,3 Grad. Die Sonnenstunden stiegen von 1.607 im langjährigen Mittel auf 2.005 Stunden an. Das geht aus einer Statistik des Deutschen Wetterdienstes (dwd) hervor.

Extremwetter in Karlsruhe kein unbekanntes Phänomen

Ob Extremwetterlagen - also Wetterereignisse, die stark von einem langjährigen Mittelwert abweichen - in der Fächerstadt künftig zur Normalität werden, ist laut Diplom-Meteorologe Bernhard Mühr nicht absehbar. "Extreme Wetterereignisse gab es schon immer und wird es auch immer geben", erklärt er im Gespräch mit ka-news.

Meteorologe Bernhard Mühr. Bild: Bernhard Mühr

So sei beispielsweise der Februar 1956 mit permanenten minus 20 Grad der kälteste jemals gemessene Winter in Karlsruhe gewesen. Auch ein Jahr mit einem Rekordwert von 50 Zentimetern Schnee habe die Fächerstadt schon einmal erlebt. Und: "Das kann auch immer mal wieder passieren!", erklärt Mühr.

Zukünftige Wetterextreme noch nicht vorhersehbar

Denn auch wenn es aufgrund des Klimawandels grundsätzlich immer wärmer werde, gebe es laut dem Wetterexperten keinen Grund dafür, dass künftige Winter nicht auch wieder mit richtig kalten Temperaturen aufwarten könnten. "Es kommt immer darauf an, woher die Luft kommt und wie lange sie zu uns gelangt", so Mühr gegenüber ka-news.

Das heißt: Haben die Luftmassen ihr Ursprungsgebiet im Südwesten über dem Atlantik, ziehe eher milde, warme, und feuchte Luft nach Karlsruhe. "Liegt aber ein Hochdruckgebiet über Skandinavien, kann die Luft im Winter aus Norden oder Nordosten sehr niedrige Temperaturen mit sich führen", meint Mühr.

Könnten Wetterextreme in Zukunft zur Normalität werden? (Symbolbild) Bild: Dipl.-Met. Bernhard Mühr

Ob und wie sich die großräumigen Strömungsverhältnisse in Zukunft aber genau ändern und ob das in weiteren Wetterextremen resultiert, bleibt nach Aussage des Wetterexperten abzuwarten. "Das ist noch Gegenstand intensiver Forschung", erklärt er.

Wird es in Karlsruhe bald so warm wie im Südpazifik?

Einen möglichen Ausblick darauf, in welche Richtung sich das Wetter in Karlsruhe in Zukunft entwickeln könnte, gibt eine Studie der Tagesschau aber schon heute. Demnach könnte es in Karlsruhe im Jahr 2080 - geht man von einer Erderwärmung von 4,2 Grad aus - im wärmsten Monat des Jahres durchschnittlich 29,7 Grad geben. Damit wäre es in der Fächerstadt so heiß wie momentan in Nuku´alofa, der Hauptstadt des südpazifischen Königreiches Tonga.

 

Temperaturentwicklung Karlsruhe
So heiß könnte bis zum Ende des Jahrhunderts werden. Bild: Nasa Nex/Tagesschau

Doch bei der Klimakonferenz 2015 in Paris haben die Staaten beschlossen, die weltweite Erwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. In diesem Fall wären die Auswirkungen nicht ganz so gravierend: Würde das Klimaziel erreicht werden und die Erde sich nur um 1,8 Grad erwärmen, wäre es in der Fächerstadt im wärmsten Sommermonat des Jahres 2080 so warm wie heute in Banja Luka (Bosnien und Herzegowina), also 27,8 Grad.

Erderwärmung sorgt für trockeneres Klima

Nach Angaben der Studie der Tagesschau könnte sich der Temperaturanstieg auch negativ auf die Niederschlagsmenge auswirken: Lag diese im Zeitraum von 1990 bis 2005 in Karlsruhe noch bei jährlich 742 Litern pro Quadratmeter, wären es in rund 60 Jahren bei einem Temperaturanstieg von mehr als vier Grad nur noch 649 Liter.

Sollte das Klimaziel erreicht werden können und die Temperatur sich "nur" auf 1,8 Grad erwärmen, wären es immerhin noch 731 Liter pro Quadratmeter. 

Mehr zum Thema

Nach dem Sommer 2018: Wie will sich Karlsruhe gegen künftige Hitzewellen rüsten?

Wetter-Schadensbilanz 2018: Extreme Hitze und Überflutungen in Baden-Württemberg

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:
Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
118 Kommentare