Thilo Richter FameLab
Thilo Richter nimmt zum ersten Mal am Wissenschaftswettbewerb FameLab teil.
Bild: Melissa Betsch
Von Nudeln und Carbonfasern: Thilo Richter ist Teilnehmer bei FameLab - "Ich möchte zeigen, dass es sich lohnt, an solchen Themen zu forschen"
Karlsruhe
10.03.2019 14:00
Preisfrage: Was haben Pasta und Leichtbautechnik gemeinsam? Mit diesem Vergleich will KIT-Doktorand Thilo Richter die Jury und das Publikum am Mittwoch beim internationalen Wissenschaftswettbewerb FameLab in Karlsruhe überzeugen. ka-news hat mit ihm über Nudeln, Carbonfasern und seine Teilnahme am Wettbewerb gesprochen.

Wissenschaftliche Vorträge - mit diesen Wörtern verbinden viele Menschen staubtrockene Präsentationen und unverständliches Fachlatein. Beim Wissenschaftswettbewerb FameLab, der am Mittwoch, 13. März, im Karlsruher Tollhaus stattfindet, geht es aber genau um das Gegenteil. Hier müssen wissenschaftliche Themen so prägnant und spannend wie möglich erklärt werden. Der Kniff: Die Kandidaten - Forscher aus ganz Baden-Württemberg - haben dafür nur drei Minuten Zeit. 

Einer der Kandidaten ist Thilo Richter, Doktorand am KIT. Warum hat er sich zur Teilnahme an FameLab entschieden? "Mein Professor hatte die Idee, ein Mitglied aus unserer Forschungsgruppe beim Wettbewerb mitmachen zu lassen", meint Richter im Gespräch mit ka-news. "Ich habe mir dann ein paar Videos der ehemaligen Teilnehmer auf Youtube angeschaut und fand das toll. Daraufhin habe ich mich gemeldet."

Thilo Richter im Gespräch mit ka-news-Redakteurin Melissa Betsch. Bild: Leonie Wiegel

Überzeugen möchte er das Publikum am Wettbewerb mit seinem Forschungsprojekt, an der er zur Zeit mit zwölf anderen Wissenschaftlern arbeitet. Zusammen beschäftigen sie sich mit der Optimierung der Fertigung extrem leichter und stabiler Kunststoffe. Hierfür erforschen Thilo Richter und sein Team die Eigenschaften langer und kurzer Carbonfasern. Doch was heißt das genau?

Wenn Fasern zu Nudeln werden

"Man stelle sich einen Nudelauflauf vor, der aus langen und kurzen Nudeln besteht", erklärt der Doktorand. "Die langen Nudeln stellen dabei die langen Carbonfasern dar, die kurzen Nudeln die kurzen Fasern. Die langen Nudeln, nehmen wir beispielsweise Spaghetti, können extrem gute mechanische Eigenschaften wie Steifigkeit aufweisen", sagt der Karlsruher Forscher. 

"Allerdings haben sie Nachteile in der Fertigung aufgrund langer Herstellungszeiten oder weil sie in ihrer Konstruktionsfreiheit eingeschränkt sind. Die kurzen Nudeln, beispielsweise Fusilli, sind leichter zu verarbeiten, rufen im Bauteil am Ende aber nicht die gleichen strukturmechanischen Eigenschaften hervor wie die langen Fasern." 

Die "Nudeln" in Nahaufnahme: Die kleinen weißen Striche stellen die kurzen Fasern dar. Diese umschließen die sehr stabilen langen Fasern (schwarz). Bild: Leonie Wiegel

Diese Kombination sogenannter Faserverbundkunststoffe verschiedener Eigenschaften könne dann beispielsweise im Fahrzeugbau angewendet werden: Die langen Fasern sollen die Karosserie und damit den Fahrer im Falle eines Unfalls besonders gut schützen und die kurzen Fasern den Aufprall abfedern. Wie bei einem Nudelauflauf aber auch hier besonders wichtig: Das richtige Mischverhältnis der "Zutaten", also der Anteile an langen und kurzen Fasern sowie des "Füllmaterials", das diese zusammenhält.

Die Suche nach dem perfekten "Rezept"

Das ist laut Thilo Richter bisher auch von anderen Forschern noch nicht gefunden worden. "Mein Ziel ist es daher, quasi ein festes 'Rezept' für die richtige Zusammensetzung zu finden, ein Vorgehen, wie man es auch auf andere Produkte anwenden kann", sagt er im Gespräch mit ka-news.

Thilo Richter nimmt zum ersten Mal am Wissenschaftswettbewerb FameLab teil. Bild: Melissa Betsch

Wie in einer Großküche sei jeder seiner zwölf Kollegen dabei für einen anderen Part der "Rezeptentwicklung" zuständig. Bis die abgeschlossen ist, wird es aber wohl noch dauern: Bisher existiert die "perfekte" Kunststoffverbindung nur als Prototyp. 

Begeisterung für das eigene Thema ist essentiell

Wie will der Doktorand sein - für einen Laien doch recht kompliziertes - Forschungsthema bei dem Wissenschaftswettbewerb am Mittwoch vorstellen? "Vielleicht greife ich auf das Beispiel mit den Nudeln zurück und bringe einen Auflauf mit", schmunzelt Richter. Vor allem Spaß an der Sache und Begeisterung für das eigene Thema sind für ihn entscheidend für einen gelungenen Auftritt auf der großen Bühne. 

Nudeln Unverpackt
(Symbolbild) Bild: (Martin Schutt)

Damit möchte er vor allem junge Menschen stärker für die Wissenschaft begeistern, denn: "Wenn man gar nicht weiß, um was es geht, warum sollte man sich dafür interessieren oder es fördern wollen? Ich bin der Meinung, dass es viel mehr solcher Formate geben sollte, die komplizierte Forschungsthemen in die Gesellschaft tragen", erläutert er gegenüber ka-news.

Ob er gewinnt oder nicht, das ist für Thilo Richter dabei aber nur zweitrangig. "Ich möchte zeigen, dass es sich lohnt, an solchen Themen zu forschen und der Gesellschaft damit etwas Gutes zu tun", erklärt er abschließend.

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