Unwetter über Karlsruhe, in der Vergangenheit blieb es über Karlsruhe trotz vieler Warnungen eher ruhig am Himmel.
Bild: Paul needham
Unwetter um Karlsruhe: Viele Warnungen und selten was dahinter - warum so ungenau?
Karlsruhe
12.06.2018 07:00
Seit Tagen warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) immer wieder vor schweren Unwettern und Gewittern. Auch in Karlsruhe wurde die Tage häufig vor Blitz, Donner und Starkregen gewarnt - doch selten trat die Prognose ein. Während es in einigen Regionen, auch im Südwesten, ordentlich gekracht hat und es zu starken Verwüstungen und Unwetterschäden kam, blieb die Fächerstadt verschont. Viel Warnung und selten Unwetter - woran liegt die "ungenaue" Vorhersage?

 Seit einigen Wochen gibt es immer wieder zahlreiche Unwetterwarnungen - allein im Juni waren es knapp zwei Dutzend für Karlsruhe. Ausgegeben werden die amtlichen Wetterwarnungen für den Stadt- und Landkreis vom Deutschen Wetterdienstes (DWD). Er warnt vor Extremwetterlagen, die zu einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit werden könnten.

Was sind amtliche Unwetterwarnungen?

In Unwetterwarnungen beschreiben die Meteorologen die Eckdaten des erwarteten Extremwetters, in Form von Uhrzeit, Datum und der Wetterstärke. Hinzu kommen noch eine beachtliche Anzahl an Wetterwarnungen, die ausgegeben werden, wenn die Stärke des Gewitters nicht ganz so groß eingeschätzt wird.

Wetter-Experte Bernhard Mühr ist Diplommeteorologe. Hier hat er ein Gewitter Ende Mai nahe Karlsruhe fotografiert. Bild: Dipl.-Met. Bernhard Mühr

Die Experten warnen darin außerdem vor der Gefahr bei Blitzeinschlägen, Schäden an Gebäuden, entwurzelten Bäumen oder abstürzenden Dachziegeln, Ästen oder anderen Gegenstränden. Auch vor überfluteten Kellern, Straßen und Bächen wird gewarnt.

Wie genau sind die Vorhersagen?

Gut für alle Karlsruher: Bei fast allen Warnungen kam es nicht zu der von den Meteorologen des DWD angekündigten Extremwetterlagen. Doch es stellt sich die Frage, wie genau und zuverlässig die Warnungen des Wetterdienstes für einzelne lokale Bereiche, wie Karlsruhe sind. 

In der Zentrale des DWD prüfen Meteorologen Wettervorhersagen für die kommenden Tage. Je näher ein Unwetter kommt, desto genauer fällt die Prognose aus und die sechs Regionalzentren in Deutschland (im Südwesten Stuttgart) können bis zu zwölf Stunden vor Eintreffen der erwarteten Wetterlage Warnungen für den Landkreis raus geben.  

Wie warnt der DWD vor Unwettern?

"Natürlich stimmt die Vorhersage immer, würden wir nur allzu gerne an dieser Stelle berichten", schreibt der Wetterdienst auf seiner Homepage. Dem ist trotz modernster Messtechnik und hochauflösender Satelliten-Bildern aber nicht so. "Es liegt in der Natur der Wettervorhersage, sogar eher selten exakt richtig zu liegen", heißt es beim DWD.

Ungenauigkeiten: Einzelne Stationen messen für ganze Kreise

Ein wesentlicher Teil der DWD-Vorhersagen sind die Wetter-Warnungen und werden in der Regel für Landkreise ausgegeben. "Wir warnen davor, dass irgendwo in einem Landkreis ein meteorologisches Ereignis eintritt, welches potentiell eine gewisse Gefahr darstellt", so der Wetterdienst.

Problematisch dabei sei, dass viele solcher Ereignisse nur mit Beobachtungen an den Stationen gemessen werden können, also an bestimmten Punkten in einem Landkreis. Wird das Ereignis nun durch diese Messungen erfasst, muss das noch nicht automatisch heißen, dass das Ereignis im gesamten Landkreis eingetroffen ist. Für einige wenige Wetterereignisse gibt es allerdings flächendeckende Informationen, etwa durch Radarinformationen oder durch Blitzortungssysteme.

Vorhersage DWD
Bild: Deutscher Wetterdienst

Die Abbildung zeigt eine Grafik des DWD vor Gewitterwarnungen im Sommerhalbjahr 2014. Grundlage sind alle Warnungen vor Gewitter im Vergleich zu beobachteten Blitzen in einem Landkreis. Man erkennt für die Trefferrate überwiegend rötliche Farbtöne, was einer mittleren Rate von über 85 Prozent pro Landkreis entspricht.

"Um glaubhaft bleiben zu wollen, müssen aber auch immer die falschen Alarme in erträglichem Rahmen gehalten zu werden", so der DWD weiter. Der DWD weist darauf hin, dass sich Gewitterereignisse häufig sehr kurzfristig entwickeln und somit schwer vorhersehbar sind.

Außerdem: Windkraftanlagen können Messungen verfälschen

Der DWD spricht sich selbst sehr zuverlässigen und genauen Wettervorhersagen zu. Allerdings heißt es dort auch, dass Windkraftanlagen die Messergebnisse der empfindlichen Wetterradarstationen beeinträchtigen, indem sie die Niederschlagserfassung der Radare stören.

Windrad
Die momentan stillgelegte Windkraftanlage Orlach 6. Bild: Jan-Philipp Strobel

Auch ein möglicher Grund, warum Vorhersagen nicht punktuell genau zutreffen. Am Ende bleibt die Wetterlage immer auch ein Stück weit unberechenbar, da es sich beim Wetter um einen nicht-linearen Prozess handelt, der sich nicht an vorher getroffene Prozesse und Prognosen hält.

Ruhe in Karlsruhe, Unwetter am Flughafen Baden-Baden

Ein Beispiel wie sich Wetterlagen lokal und örtlich begrenzt verhalten, war am Sonntagabend zu sehen:  Während es in Teilen von Karlsruhe trotz Unwetterwarnung vergleichsweise ruhig blieb, kam es am nur rund 50 Kilometer entfernten Flughafen Karlsruhe Baden-Baden (FKB), unter anderem wegen lokalen Unwettern am Sonntagabend zu einigen Flugausfällen. Insgesamt vier Flüge wurden von den Fluggesellschaften gestrichen, so Sprecherin Elke Fleig gegenüber ka-news.

Baden-Airpark Vorfeld mit Ryanair-Maschine
(Symbolbild) Bild: Baden-Airpark

560 Passagiere waren von den Flugausfällen betroffen und saßen zeitweise fest. Für Gäste, die nicht heimfahren konnten oder in einem Hotel unter kamen, wurden Feldbetten im Terminal aufgestellt. Nicht zum ersten mal, dass die Wetterlage den Flugverkehr am Baden-Airpark beeinträchtigt. Schon in den vergangen Wochen sorgten Unwetter für Flugverspätungen vom und zum Baden-Airpark.

Während es in Karlsruhe am Montagnachmittag anfing zu regnen, hier aber noch nichts passiert ist, sah das ein paar Kilometer südwestlich ganz anders aus. Vor allem in der Gemeinde Malsch hat es am Abend heftig geregnet. Schon in der Nacht auf Montag bildete sich eine Gewitterzelle über dem Landkreis. In Linkenheim-Hochstetten liefen durch den Regen Keller voll und Straßen standen unter Wasser. 

Das ist nicht außergewöhnlich: Die Sommermonaten Mai, Juni, Juli sind ausgewiesene "Gewitter-Monate": Wenn aufsteigende, feucht-warme Luftmassen auf kältere Luft treffen, kann es zu einer Energieentladung in Form von Blitz und Donner kommen, oft begleitet von Starkregen oder Hagel. Soweit, so bekannt.

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