Manfred Lucha, Landesminister für Soziales und Integration.
Manfred Lucha, Landesminister für Soziales und Integration.
Bild: Paul Needham
Tuberkulose in Bad Schönborn: Die Ansteckungsgefahr ist gebannt - Fragen und Antworten in der Übersicht
Karlsruhe
10.08.2019 15:20
Bei einem Schüler in Bad Schönborn wurde im Mai Tuberkulose festgestellt. 109 Menschen haben sich daraufhin mit dem Erreger infiziert. Zuständig für die Bekämpfung und Prävention der Krankheit ist das Gesundheitsamt in Karlsruhe. Warum nun keine Ansteckungsgefahr mehr besteht und die Zahl der Infizierten dennoch gestiegen ist – die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Tuberkulosefälle im Überblick.

Das Gesundheitsamt Karlsruhe, genauer gesagt die Abteilung Gesundheitsschutz, hatte in den letzten Wochen viel zu tun. Nach den Tuberkulosefällen an zwei Schulen in Bad Schönborn liefen bei der Behörde die Telefone heiß.

Am Dienstagmittag besuchte Manfred Lucha, Minister für Soziales Baden Württemberg, das Gesundheitsamt, um sich selbst ein Bild von der Arbeit zu machen. "Die Qualität und Strukturiertheit, mit der das Gesundheitsamt gehandelt hat, ist vorbildlich", so das Fazit des Ministers.

Manfred Lucha, Landesminister für Soziales und Integration.
Manfred Lucha, Landesminister für Soziales und Integration. Bild: Paul Needham

Erst vor rund einer Woche war die mediale Aufregung rund um den Fall erneut groß: Die Zahl der Infizierten stieg auf 109 Personen an. Bei einer Pressekonferenz informierten der Minister und das Gesundheitsamt über den aktuellen Sachstand. 

Was ist passiert?

In Bad Schönborn wurde Ende Mai bei einem Schüler der achten Klasse Tuberkulose festgestellt. In der Folge brach die Krankheit bei drei weiteren Schülern aus. Insgesamt haben sich 109 Personen mit der Krankheit infiziert. 

Bricht die Krankheit bei allen Infizierten aus?

"Es ist ganz wichtig zu verstehen: Infiziert zu sein bedeutet in keiner Weise, andere anstecken zu können", betont Ulrich Wagner, Leiter der Abteilung Gesundheitsschutz. Bei nur einem Bruchteil der Infizierten bricht die Tuberkulose tatsächlich aus. Erst dann, wenn die Erreger die Atemwege befallen, ist die Krankheit ansteckend.

Ulrich Wagner, Abteilungsleiter Gesundheitsschutz.
Vorne: Ulrich Wagner, Abteilungsleiter Gesundheitsschutz. Bild: Paul Needham

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr an den Schulen?

Da die insgesamt vier erkrankten Schüler erst dann wieder zum Unterricht zugelassen werden, wenn die Krankheit komplett angeklungen ist, bedeutet das: An den betroffenen Schulen, der Michael-Ende-Gemeinschaftsschule und der Franz-Josef-Kuhn Grundschule, gibt es kein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Nach den Sommerferien wird der Schulbetrieb regulär wieder aufgenommen.

Was bedeutet die Krankheit für die Infizierten?

"Das Risiko, dass nach einer Infektion die Krankheit auch tatsächlich ausbricht, ist in den ersten eineinhalb bis zwei Jahren erhöht", sagt Lucha. Dennoch bricht die Krankheit nur in den wenigsten Fällen aus. Die Krankheitserreger werden vom Körper "ummauert", bleiben dort vermutlich aber ein Leben lang.

Pressekonferenz zu den Tuberkulosefällen in Bad Schönborn. Bild: Paul Needham

"Wichtig ist deshalb die Beobachtung in der ersten Zeit. Wir achten streng darauf, dass alle Infizierten regelmäßig zur Kontrolle gehen", so Ulrich Wagner vom Gesundheitsschutz. Sollte sich eine der infizierten Personen weigern, zum Arzt zu gehen, wären ordnungsrechtliche Schritte denkbar. Dann könnten sie zu den Untersuchungen gezwungen werden. 

Wie viele Fälle gibt es in Karlsruhe pro Jahr?

In Karlsruhe gibt es laut Gesundheitsamt rund 50 bis 60 Fälle von Tuberkulose im Jahr. Das Ungewöhnliche an diesem Fall ist, dass der als erstes betroffene Schüler hochansteckend war und so sehr viele weitere Personen mit der Krankheit infizieren konnte. 

Wie wurde gegen die Tuberkulose vorgegangen?

Wird dem Gesundheitsamt ein Fall von Tuberkulose bekannt, werden sogenannte Umgebungsuntersuchungen durchgeführt. Dabei werden die Menschen, die mit der erkrankten Person in Kontakt waren, untersucht. "Die verwendeten Tests liefern eigentlich acht Wochen nach dem Erstkontakt verlässliche Ergebnisse", so das Gesundheitsamt.

Knut Bühler, erster Landesbeamter. Bild: Paul Needham

Dennoch wurde die Untersuchung in Bad Schönborn aufgrund der Besonderheit des Falls vorzeitig durchgeführt. Dabei wurde bei rund 50 Personen eine Infektion festgestellt. Um verlässliche Ergebnisse zu erhalten, wurden die Tests nach Ablauf der achtwöchigen Frist noch einmal wiederholt und ausgeweitet. Bei über 50 weiteren Personen wurde bei dieser zweiten Untersuchung der Erreger gefunden. 

"Es sah in der Folge jedoch so aus, als hätten sich Menschen neu infiziert und die Anzahl sei auf 109 Personen angestiegen", sagt Knut Bühler, erster Landesbeamter. In Wirklichkeit hätte allerdings kein neues Infektionsgeschehen stattgefunden. Denn seit der Junge aus der Schule genommen wurde, konnte sich dort niemand neu anstecken. Die "zusätzlichen" Fälle wurden lediglich erst bei dem zweiten Test erkannt.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.


Pressekonferenz Tuberkulose in Bad Schönborn

Peter Friebel, Amtsleiter Gesundheitsamt Karlsruhe. Peter Friebel, Amtsleiter Gesundheitsamt Karlsruhe. Manfred Lucha, Landesminister für Soziales und Integration. Manfred Lucha, Landesminister für Soziales und Integration.

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:
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