September 1980: Blick vom Bahnübergang in die Karlsruher Straße mit LKW-Omnibus- und PKW-Verkehr
September 1980: Blick vom Bahnübergang in die Karlsruher Straße mit LKW-Omnibus- und PKW-Verkehr
Bild: Stadtarchiv Karlsruhe/8/BA Schlesiger 1980 - Bildarchiv Schlesiger 1980
Südumfahrung Hagsfeld: Was bisher (nicht) geschah ...
Karlsruhe
27.03.2017 07:00
Die Karlsruher Stadtteile Hagsfeld und Rintheim stöhnen unter der Verkehrsbelastung. Schon seit Jahren versucht die Stadt, das Problem anzugehen - kommt aber keinen entscheidenden Schritt weiter. Eine Entlastung für die Betroffenen ist noch immer nicht in Sicht. Ein Blick in die Geschichte der Südumfahrung.

Die Diskussion um eine Verkehrsentlastung für Hagsfeld ist eng mit den Planungen der Nordtangente und der zweiten Rheinbrücke verwoben: Erste Debatten um eine Verkehrsachse im Norden von Karlsruhe begannen bereits in den 1920er Jahren. Zunächst wurde sie als Nordtangente in die Verkehrsplanungen aufgenommen. In den 1980er Jahren wurde der Plan einer Nordtangente quer durch den Hardtwald verworfen, der Gemeinderat brachte die "Hängebauchlösung" über bestehende Straßen ins Spiel.

Im Verlauf der der Debatte wurde die Nordtangente in Abschnitte unterteilt: Nordtangente-Ost (zwischen B10 bei Grötzingen und Theodor-Heuss-Allee) und Nordtangente-West (zwischen Linkenheimer Landstraße und geplanter zweiter Rheinbrücke). Weiterhin in einen mittleren Abschnitt, der Ost und West verbinden sollte: Die sogenannte Hängebauchlösung (Theodor-Heuss-Allee, Adenauerring und Linkenheimer Landstraße).

2003

2003 tut sich etwas in Sachen Nordtangente: Einige Abschnitte des Verkehrsprojekts durch den Hardtwald werden mit "vordringlichem Bedarf" in den Bundesverkehrswegeplan eingestellt. Damit erklärt sich der Bund bereit, das Geld für das Projekt zur Verfügung zu stellen. Zudem werden weitere Mittel für den östlichen Abschnitt der A5 und der B10 eingestellt. Noch immer gibt es aber auch Widerstand gegen den Vorschlag. 

2005

Der Bundesrechnungshof empfiehlt dem Bundesverkehrsministerium, den Bau seiner Abschnitte an der Nordtangente so lange einzustellen, bis sich die Stadt verpflichtet, ihren Abschnitt zu bauen. 

2007-2008

Der Abschnitt Nordtangente-Ost wird fertiggestellt: Der Autobahnanschluss Karlsruhe-Nord wird an die Elfmorgenbruchstraße angebunden. 2008 erfolgt der Anschluss der B10 - eine Weiterführung bis zur Haid-und -Neu-Straße gibt es nicht. Die Diskussion um eine Südumfahrung Hagsfeld gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig befeuert ein Plan des Regierungspräsidiums die Debatte um eine zweite Rheinbrücke und mögliche Auswirkungen auf die Nordtangenten-Planung: Der Plan sieht vor, die zweite Rheinbrücke an die B36 anzuschließen. Der Bund lehnt diese Planung ab.

Alle Informationen rund um die zweite Rheinbrücke finden Sie im ka-news-Dossier: www.ka-news.de/zweite-rheinbruecke-karlsruhe./

2009

Der Karlsruher Gemeinderat entscheidet, den Mittelabschnitt der Nordtangente - die sogenannte Hängebauchlösung mit Abstecher über den Adenauerring - nicht zu bauen. Es ist ein vorläufiger Schlusspunkt unter der Diskussion über eine Nordtangente. "Konsens beim Ostabschnitt war die Stadtumfahrung Hagsfeld mit Ausbau zwischen Elfmorgenbruchstraße und Haid-und-Neu-Straße", heißt in der Karlsruher Stadtzeitung.

2011

Die Entscheidung des Gemeinderats, die "Hängebauchlösung" aufzugeben, hat Folgen. Es wird bekannt, dass das Bundesverkehrsministerium keine Nordtangente in Karlsruhe mehr bauen möchte. Im Bericht "Leistungsfähige Rheinquerung" hatte der Bundesrechnungshof den Bau einer Nordtangente als Fehlinvestition bezeichnet. Damit ist für Karlsruhe keine Finanzierung mehr zu erwarten. Die Stadt stellt einen Antrag zur Aufnahme der Südumfahrung in das Gemeindefinanzierungsgesetz (GVFG)-Programm.

2014

Die Nordtangente wird nicht in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufgenommen. Das Landesverkehrsministerium meldet nur die zweite Rheinbrücke mit Anbindung an die B36 an. Im Karlsruher Gemeinderat befasst man sich im April mit der Umfahrung Hagsfeld: Die Stadträte geben grünes Licht für eine zweispurige Südumfahrung.

Die Mehrheit der Stadträte spricht sich für die sogenannte Variante 1b aus und erteilt den drei anderen Ideen damit eine Absage. Die vom Karlsruher Gemeinderat abgesegnete Variante sieht eine Umfahrung mit einer zweispurigen Fahrbahn ohne Standstreifen vor. Kostenpunkt: 65 Millionen Euro - wie das finanziert werden soll, bleibt erst einmal offen. Die Stadtverwaltung soll im Anschluss an die Entscheidung die Variante 1b weiter ausarbeiten und einen entsprechenden Finanzierungsvorschlag für die nächsten Haushaltsjahre vorlegen. 

Die Variante 1b entspricht in der Linienführung und in der Tiefenlage der Variante 1a (s. Skizze). Bild: (Stadt Karlsruhe)

2015

Im Jahr 2015 gibt es einen gehörigen Dämpfer für das Projekt Umfahrung Hagsfeld. Es steht fest: Der Bau der Südumfahrung könnte sich deutlich verzögern. Die Umsetzung der vom Karlsruher Gemeinderat beschlossenen "Variante 1b" ist laut Gutachten eines externen Rechtsanwaltsbüros nicht mit dem aktuell gültigen Bebauungsplan aus dem Jahr 1994 vereinbar. 

Abweichungen gebe es insbesondere beim Kreisverkehr an der Elfmorgenbruchstraße, dem Geh- und Radweg an der nördlichen Straßenseite sowie bei den Lärmschutzwall an der Haid-und-Neu-Straße, so die Gutachter. Jetzt muss ein Planfeststellungsverfahren her, mit dem Baurecht geschaffen werden soll. Dazu muss das Thema nochmal in den Gemeinderat.

Die Stadt favorisiert zu diesem Zeitpunkt weiterhin die Variante 1b. Scheitert sie damit im Gemeinderat, müssen alle Planungen aber wieder auf Anfang. Und was ist mit der Nordtangente? Der Vorschlag der CDU-Gemeinderatsfraktion, über das Millionenprojekt Nordtangente in einem Bürgerentscheid abstimmen zu lassen, wird verworfen. 

Für die Hagsfelder geht das Jahr 2015 mit der Erkenntnis zu Ende, dass sie auch weiter auf eine Entlastung warten müssen. Die Entscheidung wird nach mehreren Änderungsanträgen vonseiten der Stadträte auf Januar 2016 vertagt

2016

Im Januar einigt sich der Karlsruher Gemeinderat darauf, ein Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Zudem entscheiden sich die Stadträte dafür, den Antrag für einen Autobahnanschluss bei Weingarten dem Regionalverband Mittlerer Oberrhein zu übergeben. Die Chancen stehen aus Sicht der Stadt aber nicht gut, den Bund von dieser Idee zu überzeugen. 

Allein für das neue Verfahren muss mit einer Planungszeit von 4,5 Jahren gerechnet werden. Welche Variante umgesetzt werden soll, steht noch immer nicht fest. In der Zwischenzeit erhofft sich die Stadt durch Parkmarkierungen eine Entlastung des Karlsruher Stadtteils. 

Eine weitere Enttäuschung gibt es in diesem Jahr auch in Sachen Nordtangente: Der Bund entscheidet, das Projekt aus seiner Planung für den Bundesverkehrswegeplan zu streichen. Das Millionenprojekt steht damit vor dem Aus.

2017

Und wieder alles auf Anfang: Die Stadt will zu Beginn des Jahres 2017 zwar einen Schritt in Richtung Baustart machen - allerdings liegt dieser weit in der Zukunft. Die Stadt lässt die Umfahrung neu planen. Insgesamt sollen vier verschiedene Entwürfe vorgestellt werden. Bei den Entwürfen handelt es sich um die Varianten 1a und 1b, allerdings inklusive Anschluss an den Technologiepark (TPK). Einen Kostenvoranschlag für den TPK-Anschluss gibt es bislang noch nicht. 

Für alle Varianten wird ein Bericht angefertigt werden. Für diesen Planungsauftrag will die Stadt rund 320.000 Euro in die Hand nehmen. Die Anwohner in Hagsfeld und Rintheim werden sich somit noch weiter gedulden müssen. 

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