Fettes Brot auf Das Fest 2016
Das Fest bringt überregional bekannte Bands wie Fettes Brot auf die Bühne nach Karlsruhe.
Bild: VoWa
Sind Umweltschutz und Festival ein Widerspruch? Das Fest in Karlsruhe versucht ihn zu lösen - mithilfe der Besucher
Karlsruhe
14.07.2019 17:30
Ein Festival mit bis zu 250.000 Besuchern - das belastet Natur und Umwelt mit CO2, Abfall und Lärm. Dass die Belastungen allerdings kompensiert werden können, zeigt Das Fest in Karlsruhe, das stark auf Umweltschutz setzt. Dafür räumt es Jahr für Jahr internationale Preise für Nachhaltigkeit ab. Wie macht es das? Was unternehmen die Veranstalter, um Natur und Umwelt vor und während der großen Party in der Klotze zu schützen?

Ob der Kaffee am Morgen, die Bäume im Garten oder das neue Personalmanagement der Chefin: All das kann "nachhaltig" sein. Der Begriff ist in aller Munde - und auch Das Fest in Karlsruhe wirbt mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Doch welche konkreten Maßnahmen verbergen sich dahinter?

"Green n Clean Award"

Seit 2009 wird dem Fest jährlich der "Green n Clean Award" des europäischen Festivalverbandes  anerkannt. Und noch eine Auszeichnung kann sich das Fest auf die Fahnen schreiben: Den "A Greener Festival Award" haben sie 2018 zum vierten Mal in Folge abgeräumt.

Sebastian Wahl (Mitte) mit dem "A Greener Festival Award"
Sebastian Wahl (Mitte) mit dem "A Greener Festival Award" Bild: KARLSRUHE EVENT GmbH

"Wir  sind  davon  überzeugt,  dass  man  nur  wirklich  Feste  feiern  kann,  wenn  man  dies  nachhaltig  und  bewusst  tut,  mit   Rücksicht  auf  die  Umwelt.  Feiern  auf  Raubbau  wird  im  Kater  enden", sagte Philipp Schätzle, Sprecher der Karlsruher Marketing und Event GmbH (KME), die Das Fest auf die Beine stellt, im vergangenen Jahr. 

Doch: Dass bei einem solch großen Festival mit bis zu 250.000 Besuchern die Umwelt belastet wird, ist ein offenes Geheimnis. Anreise, Essen, Getränke, Müll - all das treibt den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Höhe. Wie groß die Menge des insgesamt ausgestoßenen CO2 ist, lässt sich schwer sagen. Allerdings können für einzelne Bereiche die Werte geschätzt werden.

Programmhefte verursachen über 12 Tonnen CO2 

Auf den ersten Blick erscheint die Zahl dabei erschreckend groß: Alleine 12.877 Kilogramm CO2 werden ausgestoßen, um die bunten und rund 140 Seiten starken Programmhefte für Das Fest zu drucken. Dennoch - und es wirkt dabei wie ein Widerspruch - tragen die Hefte den Stempel "klimaneutral". 

Bunte Programmhefte: Der Druck geht zu Lasten der Umwelt. Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Klimaneutralität - dahinter verbirgt sich der Gedanke, dass alle CO2-Emissionen an anderer Stelle wieder eingespart werden. Denn ein Ausstoß von Kohlenstoffdioxid kann so gut wie nie komplett vermieden werden. Damit die Umwelt dennoch nicht belastet wird, ist allerdings wichtig, dass genau dieser an anderer Stelle wieder ausgeglichen - also kompensiert - wird. 

Windräder in Taiwan drehen sich für "Das Fest"

Und genau das macht Das Fest: Für die über 12 Tonnen CO2, die der Druck der Programmhefte verursacht, wird ein Projekt unterstützt, das im Gegenzug diese Emissionen wieder einspart - allerdings nicht bei uns, sondern auf der anderen Seite der Welt, genauer gesagt in Taiwan. Dort produzieren Windräder Ökostrom und sparen im fernen Osten das CO2 ein, dass wir mit den Programmheften - im übertragenen Sinne - in der Hand halten.

Es ist mit 65 Windturbinen der größte Windpark seiner Art in Taiwan. Über 450 Tausend Tonnen Kohlenstoffdioxid spart der Park laut dem Klimaschutzunternehmen Arktik, über das der CO2-Ausgleich läuft, im Jahr ein.

Viele Menschen sind bei Das Fest in der Günther-Klotz-Anlage unterwegs. Was können sie tun, um die Grünfläche zu schützen? Bild: Uli Deck/Archivbild

Doch nicht nur zehntausende Kilometer entfernt, auch hier bei uns kann so einiges für Klima und Natur getan werden. Ein wichtiger Punkt, um die Umwelt nicht zu belasten, ist die Art der Anreise: Besucher können ihre Fest-Tickets auch als KVV-Fahrkarte nutzen oder direkt mit dem Fahrrad anreisen. Dafür werden zusätzliche Fahrradparkplätze ausgewiesen.

Umweltfreundlich anreisen: Mit Fahrrad und Bahn

Zur umweltfreundlichen Anreise trägt das Karlsruher Festival wohl vor allem durch eines bei: Kurze Anfahrtswege. "Viel Verkehrsstau gibt es nicht, weil wir die Karten zu 90 Prozent in der Region verkaufen", sagt KME-Geschäftsführer Martin Wacker im Gespräch mit ka-news.de. Auch viele der engagierten Künstler und Bands stammen aus der Region. Doch gibt es auch Ausreißer, wie beispielsweise die Sonntags-Headliner PxP Allstars, die für ihren Auftritt extra aus Berlin anreisen werden. 

Fest-Chef Martin Wacker (l.) und Sänger Fetsum von den PxP Allstars. Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Seit 2019 wird es darüber hinaus noch eine kleine Neuerung in Sachen Umweltschutz geben: Das Fest verzichtet im Hügelbereich auf die auf Festivals allseits bekannten Chemie-Toiletten und setzt stattdessen auf  nachhaltigere Komposttoiletten - die "Ö-Klos ". Mit Maßnahmen wie diesen soll das Feiern in der Klotze so auch in Zukunft mit gutem Gewissen möglich sein.

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 
Mehr zum Thema:
Das Fest Karlsruhe: Programm, Line-up, Tickets und alle Neuigkeiten und Gerüchte immer aktuell auf ka-news.de
Wann? 19. bis 21. Juli 2019
Wo? Karlsruhe - Günther-Klotz-Anlage
Tickets? 10 Euro pro Tag für Hügelbereich
Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
51 Kommentare