Alfred Lüthin Kleingarten
Alfred Lüthin, Vorsitzender des Bezirksverbands der Gartenfreunde Karlsruhe.
Bild: privat
Schrebergärten im Trend: "Die Zeiten, als Kleingärten für Spießer standen, sind seit 10 oder 15 Jahren vorbei"
Karlsruhe
12.09.2018 07:05
Eine Gartenhütte, ein kleines Gemüsebeet und am besten noch einen Gartenzwerg im Englischen Rasen stehen haben - das ist für viele der Inbegriff von Spießigkeit, wenn sie das Wort Kleingartenverein hören. Doch ein Kleingarten ist viel mehr als das. Was aus der Not heraus entstand, ist heute wieder voll im Trend.

Die Idee hinter einem Kleingarten - oder Schrebergarten, wie er auch genannt wird - ist simpel: Die Menschen, die in großen Wohnkomplexen in der Stadt wohnen haben ein Stückchen Land und nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sich so die Bürger selbst versorgen.

Gärten entlang des Narzissenweges. Bild: Tim Carmele

So geschehen auch in Karlsruhe: Bis heute gibt es viele Kleingärten in der Fächerstadt: Insgesamt über 9.000 Parzellen stehen für die Naherholung zur Verfügung. Etwa 7.400 Gartenparzellen von 78 Vereinen betreut der Bezirksverband der Gartenfreunde Karlsruhe. Zusätzlich gibt es bei der Bahnlandwirtschaft etwa 1.500 Parzellen und von der Stadt Karlsruhe selbst nochmal zirka 800 Kleingärten. "Die sind aber eher einzelverpachtet und nicht in einer Vereinsstruktur", erklärt Alfred Lüthin. 

Kleingärten am Technologiepark
Kleingärten am Technologiepark in Karlsruhe. Bild: ka-Reporter: Peter Eich

Und es könnten noch viel mehr sein - denn die Gärten sind beliebt wie noch nie. Etwa 1.000 Interessenten lassen sich jährlich auf die Warteliste der 78 Kleingartenvereine in der Fächerstadt setzen. "Wir könnten also noch 1.000 bis 1.100 Parzellen mehr anlegen und verpachten, so groß ist die Nachfrage aktuell", sagt Alfred Lüthin, Vorsitzender des Bezirksverbands der Gartenfreunde Karlsruhe. 

Alfred Lüthin Kleingarten
Alfred Lüthin, Vorsitzender des Bezirksverbands der Gartenfreunde Karlsruhe. Bild: privat

In einigen Fällen müssen Interessenten mehrere Jahre auf eine Parzelle in ihrem Wunschkleingartenverein warten. "Die Gärten, die aktuell im Internet ausgeschrieben sind, sind sofort verfügbar, dann haben die Vereine gerade niemanden auf der Warteliste stehen", erklärt Lüthin gegenüber ka-news weiter. Vielleicht weil die Lage nicht ganz so überzeugend ist oder der Garten nicht den Vorstellungen des zukünftigen Gärtners entspricht.

Mehrere Jahre Wartezeit für eine Parzelle

Wer also eine Parzelle in einem Kleingartenverein übernehmen möchte, braucht mitunter Geduld. Denn die Länge der Warteliste ist von Verein zu Verein unterschiedlich lang. "Es gibt Kolonien, da dauert es zwei bis drei Jahre, bis die Leute an einen Garten kommen. Daher haben wir auch diesen hohen Bedarf an über 1.000 Parzellen", so Alfred Lüthin weiter. Vor allem junge Menschen und Familien mit Kindern entdecken den Schrebergarten wieder für sich. 

Noch sind die Tomaten nicht reif. Immer mehr Karlsruher entdecken den Garten für den Anbau von Obst und Gemüse. Bild: Tim Carmele

"Die Zeiten, als Kleingärten für Spießer standen, sind seit 10 oder 15 Jahren vorbei", sagt der Gartenfreund. Das sei ein bundesweiter Trend. "Die jungen Eltern bauen wieder verstärkt Obst und Gemüse an, denn da wissen sie, wo es herkommt, ob es gespritzt wurde oder nicht", so Lüthin gegenüber ka-news.

Eigenes Obst und Gemüse aus dem Kleingarten im Trend

"Der Kleingarten wird wieder zum Ursprung der Selbstversorger, und das nicht wie nach dem Krieg aus der Not heraus", so Lüthin weiter. "Außerdem können Kinder hier spielend die Natur erfahren und mit dem Kreislauf der Natur vertraut gemacht werden!" 

Wer wohl den größten Kürbis hat? Bild: Tim Carmele

Aber auch in Sachen Integration helfen Kleingartenvereine: "Von Hartz-4-Empfängern bis zum Professor ist in den Schrebergärten alles dabei, aus aller Herren Länder", sagt Alfred Lüthin. "Wir sind Multikulti, wir durchmischen die Anlagen, so dass sich beispielsweise kein rein russisches Eckchen bildet, und der Alltag zeigt, wir sind deswegen ein großer Integrationsfaktor!" 

Wer sich bewirbt und Zusage erhält, muss Ablöse zahlen

Doch bevor man zum frischgebackenen Gartenbesitzer wird, sollten sich Interessenten darüber Gedanken mache, wo ihr zukünftiger Garten denn liegen soll. "Die meisten wollen ihren Garten in der Nähe der Wohnung, damit man hinradeln kann. Dort tragen sich die Bewerber auf eine Liste ein", erklärt Alfred Lüthin weiter. Die potentiellen Gärtner müssen sich dann in einer Sprechstunde vorstellen, verschiedene Formulare ausfüllen und dann heißt es warten.

Der Kleingarten - ein Ort der Ruhe und Erholung. Bild: Tim Carmele

"Wenn dann eine Parzelle frei wird kommt der Anruf, der Garten kann besichtigt werden und wenn er dann zusagt, dann geht es noch um die Ablöse." Die Summe richtet sich nach den Bauten und dem Zustand des Gartens. In Karlsruhe fangen manche schon bei knapp 500 Euro an, andere gehen hoch auf bis zu 5.000 Euro.

Trotz dieser hohen Summen bleibt die Nachfrage ungebrochen. "Wir haben im Schnitt 1.000 Bewerber im Jahr, die in allen Karlsruher Kleingartenvereinen auf der Warteliste stehen. Das Interesse an einem eigenen Garten ist nach wie vor riesig", sagt Alfred Lüthin.

Das zeigt sich auch darin, dass 2005 der letzte Kleingartenverein, Steinäcker, angelegt wurde. "Wir hoffen, dass noch weitere Gärten angelegt werden, das sollten auch die Stadtplaner berücksichtigen", fordert Alfred Lüthin. Der Bedarf ist schon seit Jahren da, und wird es, so hofft der Gartenfreund, auch in Zukunft bleiben. 


Kleingartenvereine in Karlsruhe

Kleingartenanlage in der Weststadt Kleingartenanlage in der Weststadt Kleingartenanlage in der Weststadt Kleingartenanlage in der Weststadt

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