Behindertengerechter Bodenbelag in der Innenstadt
Beate von Malottki, Ulrike Wernert und Elke Wagner (v.l.) vom Beirat für Menschen mit Behinderung.
Bild: Anya Barros
Neue Bodenbeläge auf dem Marktplatz und warum diese Frauen damit nicht einverstanden sind
Karlsruhe
09.07.2018 07:05
Mit dem Bau der Kombilösung soll und wird sich das Stadtbild in Karlsruhe völlig verändern. Nicht nur, dass die Bahnen in den Tunneln unter der Erde verschwinden. Auch die Optik der Innenstadt bekommt ein Facelift. Der neue Bodenbelag mag zwar gut aussehen, doch für sehbehinderte Menschen ist er nur bedingt geeignet.

Noch sieht die Kaiserstraße mehr oder weniger so aus, wie die Karlsruher es schon seit Jahren gewohnt sind. Auch der Marktplatz, der gerade unter einer neuen, provisorischen Oberfläche verschwunden ist, wird bald nicht mehr langweilig grau aussehen. Ein neuer Bodenbelag soll nach Ende der Bauarbeiten verlegt werden. Seit gut einem Jahr liegt an der Ecke zur Kreuzstraße dieser Musterbelag. Doch Ulrike Wernert, Beate von Malottki und Elka Wagner sind damit nicht einverstanden.

Behindertengerechter Bodenbelag in der Innenstadt
Beate von Malottki, Ulrike Wernert und Elke Wagner (v.l.) vom Beirat für Menschen mit Behinderung. Bild: Anya Barros


Für die drei Frauen bietet der ausgesuchte Belag "zu wenig Kontrast". Malottki und Wagner sitzen im Behindertenbeirat der Stadt Karlsruhe. Außerdem sind sie blind beziehungsweise stark sehbehindert. Für Sehbehinderte sei der neue Belag in der Innenstadt allerdings nur bedingt geeignet.

Es gibt zwar eine taktile Leitlinie, aber die bietet keinen visuellen Kontrast. "Die Fläche ist für Menschen mit einer Sehbehinderung nicht barrierefrei nutzbar, es ist keine visuelle Orientierung möglich", klagen die Vertreter des Beirates. Heißt konkret: Für sehbehinderte, die noch ein Restsehvermögen haben, sieht die Leitlinie an der Musterfläche aus wie ein grauer Einheitsbrei. 

Bodenbelag Kaiserstraße 4
Bild: Eric Dewald

Schwarze oder weiße Linie stört Ästhetik

Doch warum ist schon diese Musterfläche so falsch geplant? "Wir wissen nicht, ob das Architekturbüro das schlichtweg nicht wusste", sagen Wernert, von Malottki und Wagner bei einem vor-Ort-Termin mit ka-news. Denn kontrastreiche Leitlinien sind nicht zwingend vorgeschrieben, sondern nur eine Empfehlung. Doch für sehbehinderte Menschen sind sie eine große Hilfe. Daher haben die drei Frauen in den letzten Wochen und Monaten ordentlich Lobby-Arbeit betrieben, dass die Stadt kontrastreiche Leitlinien verlegen lässt - was aus ästhetischen Gründen wohl nicht vorgesehen war, wie man an der Musterfläche erkennen konnte.

Jedoch ist die Leitlinie wichtig für sehbehinderte Menschen, nicht nur um sich zu orientieren. "Ich weiß ja, an den taktilen Leitlinien bin ich sicher, wenn ich ihnen folge, denn da sollte mir nichts im Weg stehen", beschreibt Elke Wagner die Funktion. 

Die Überzeugungsarbeit zahlt sich aus

Der Vorschlag des Beirats für Menschen mit Behinderung war daher, das taktile Blindenleitsystem in einen dunklen Stein einzufräsen. "Der böte dann gegenüber dem geplanten hellen Belag in der Kaiserstraße und auf dem Marktplatz einen ausreichenden Kontrast", so der Beirat gegenüber ka-news. "Auch der Ästhetik würde eine solche Lösung nicht im Wege stehen!" Dieser Vorschlag wurde nun auch im zuständigen Planungsausschuss, der noch im Juni tagte, beschlossen. 

Behindertengerechter Bodenbelag in der Innenstadt
Mit dem Blindenstock über die taktile Leitlinie. Die Rillen sind in den Stein gefräst, das erleichtert die Orientierung. Bild: Anya Barros

Der Erfolg ist Elke Wagner, Beate von Malottki und Ulrike Wernert ein großer Schritt in die richtige Richtung. "Wir stoßen mit unserer Arbeit nicht immer auf taube Ohren, aber das war ein jahrelanger Streitpunkt", erklärt Ulrike Wernert, Behindertenbeauftragte der Stadt. "Das war jetzt ein schönes Gefühl, dass es jetzt geklappt hat!"

Ab Sommer 2019 wird zunächst der Marktplatz seine neue Gestalt annehmen, rund 7 Millionen Euro wird der neue Bodenbelag kosten. "Wir werden das natürlich im Auge behalten und am Ball bleiben", sagt Beate von Malottki abschließend. 

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