Bürgermeistern Luczak-Schwarz Majolika
Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz bei der Pressekonferenz im Rathaus zur Zukunft der majolika.
Bild: Anya Barros
"Majolika erlebt nun einen Aufbruch": Bürgermeisterin Luczak-Schwarz freut sich über möglichen Investor für angeschlagene Keramik-Manufaktur
Karlsruhe
08.11.2018 10:31
Es könnte ein Neustart für die Staatliche Majolika Keramik Manufaktur werden, zumindest wenn es nach der Stadt Karlsruhe und der Majolika Stiftung geht. Denn nach Jahren der städtischen Finanzspritzen hat sich nun ein möglicher Investor gefunden: Die Zeller Keramik Manufaktur aus Zell am Harmersbach, unweit von Offenburg entfernt.

Seit 2011 die Majolika Karlsruhe kurz vor dem Aus stand und eine Stiftung für den Erhalt gegründet wurde, kam die Keramikmanufaktur nicht aus den Schlagzeilen raus. Immer ging es um das Thema der Finanzierung und der Zuschüsse seitens der Stadt Karlsruhe. "Die Majolika ist ein Teil der Stadtgeschichte, das merkt man bei den emotionalen Debatten im Gemeinderat", eröffnet Wirtschaftsbürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz die Pressekonferenz.

Majolika Karlsruhe Pressekonferenz
Bild: Anya Barros

"Bisher war es uns nie ganz gelungen, ein nachhaltiges und zukunftsorientiertes Konzept zu erarbeiten", so die Bürgermeisterin weiter. Das scheint sich nun geändert zu haben und die Zukunft der Majolika wieder gesichert zu sein.

Mehr Mitarbeiter in Karlsruhe könnten eingestellt werden

Der Investor, der sich nun für die Staatliche Majolika samt Gelände am Ahaweg interessiert, hat reichlich Erfahrung in Sachen Keramik: die Zeller Keramik Manufaktur aus dem Schwarzwald. "Es ergaben sich Gespräche mit Ralf Müller, dem Geschäftsführer und da entwickelte sich die Idee, ob nicht eine Neuausrichtung der Majolika mit ihm denkbar wäre", so Luczak-Schwarz weiter.

Bürgermeistern Luczak-Schwarz Majolika
Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz bei der Pressekonferenz im Rathaus zur Zukunft der majolika. Bild: Anya Barros

Für die Zeller Keramik Manufaktur wäre die Majolika eine Chance, sich zu vergrößern, denn die Nachfrage nach Gebrauchskeramik aus Zell am Harmersbach ist nach wie vor hoch. "In Karlsruhe gibt es teilweise ungenutzte Kapazitäten, warum also nicht zusammenarbeiten", sagt Ulf Tietge, Pressesprecher der Zeller Keramik Manufaktur, bei dem Pressetermin am Mittwoch. Rund 60 Mitarbeiter gibt es am Standort Zell, die Zahl der Mitarbeiter könnte auch in Karlsruhe erhöht werden.

Produktion Keramik Hahn und Henne
Seit über 100 Jahren wird in Zell am Harmersbach die Serie "Hahn und Henne" produziert. Bald könnte auch in der Karlsruher Majolika diese Gebrauchskeramik hergestellt werden. Bild: Zeller Keramik

Siebenstelliger Betrag allein für Sanierung fällig

Die Traditionsmanufaktur die schon seit 1794 besteht und für ihr Design "Hahn & Henne" bekannt ist, hat nicht nur Interesse, bei der Majolika GmbH einzusteigen, sie vielleicht auch zu kaufen, sondern auch am Grundstück und dem Gebäude im Karlsruher Hardtwald. "Wir müssen das Gebäude allerdings ertüchtigen, es gibt einen Sanierungsbedarf, der ist siebenstellig, davon gehen wir aus", so der Unternehmenssprecher weiter. Über die genauen Kosten und den Kaufpreis kann zur Zeit allerdings nur spekuliert werden. 

Majolika Karlsruhe Pressekonferenz
Ulf Tietge, Unternehmenssprecher der Zeller Keramik Manufaktur, bei der Pressekonferenz. Bild: Anya Barros

Auch ob die Majolika GmbH überhaupt verkauft wird, oder die Schwarzwälder Keramikmanufaktur nur Teile als Gesellschafter übernimmt, steht noch in den Sternen. "Erst am 20. und 21. November, wenn das Thema im Gemeinderat diskutiert wird, dann können wir in die weiteren Gespräche gehen und Details ausarbeiten", so Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz gegenüber ka-news. Einen genauen Fahrplan, wann und wie Ralf Müller als Investor einsteigen wird, gibt es also noch nicht. "Doch damit erlebt die Majolika nun einen Aufbruch", so Luczak-Schwarz weiter.

Der Innenhof der Majolika Karlsruhe. (Archivbild) Bild: Paul Needham

Marke Majolika soll erhalten bleiben

Sicher ist aber schon jetzt, das betonen Unternehmenssprecher Ulf Tietge und Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz, dass die Namensrechte und die Marke Majolika als solche erhalten bleiben soll. "Nur weil wir in Karlsruhe investieren, machen wir nicht unter jede Tasse das Logo aus Zell!" Auch soll der Name nicht über Lizenzen weiter verwertet werden. 

Was in der Staatlichen Majolika produziert wird, kann auch gekauft werden. (Archivbild) Bild: Paul Needham

Viele Ideen um die Majolika anzukurbeln

Im Hardtwald soll mit dem Einstieg des privaten Investors Ralf Müller ein Keramikzentrum entstehen, das einmalig in Süddeutschland ist. Dafür gibt es auch schon erste Ideen: Eine gläserne Produktion, "um das Unternehmen nahbar zu machen und die Wertschätzung hinter der Handarbeit zu erhöhen", so Unternehmenssprecher Tietge weiter. So soll die Übernahme der Majolika GmbH ein Plus für die touristischen Erlebnisse in der Fächerstadt sein. 

Mit Vasen aus dem 3D-Drucker geht die Majolika in die Zukunft. (Symbolbild) Bild: Reiff

Noch ist die GmbH in Hand der Majolika Stiftung, die auch nach einem Invest oder einer Übernahme bestehen bleibt. Sie soll sich, so die Idee der Stadt, weiterhin um den künstlerischen Teil der Majolika kümmern. Dazu bekommt die Stiftung weiterhin Geld von der Stadt - 300.000 Euro jährlich sind dafür im kommenden Doppelhaushalt vorgesehen. Dieser Betrag könnte dann jedoch schrittweise reduziert werden. 


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