Spatenstich mit Oberbürgermeister Frank Mentrup, Sylvia Felder (Regierungspräsidentin), Ascan Egerer (Geschäftsführer VBK) und Mario Rösner (Volkswohnung)
Bild: Hammer Photographie
"Knielingen 2.0" bekommt endlich seine Bahn-Anbindung: Warum hat das so lange gedauert?
Karlsruhe
02.05.2019 16:00
"Knielingen 2.0": Aus dem ehemaligen Militärgelände ist in den vergangenen zehn Jahren ein dicht besiedeltes Wohnquartier geworden. Bis zum Jahresende sollen dort rund 2.500 Menschen leben und arbeiten. Doch eines fehlt: eine Anbindung an das Karlsruher Straßenbahnnetz. Erst jetzt, wo das Neubaugebiet so gut wie fertig ist, starten die Bauarbeiten. Warum hat sich der Ausbau der Bahnstrecke so lange verzögert - und wann soll sie fertig sein?

Von einem ehemaligen Militärgelände hin zu einem modernen Wohnquartier: Der Norden des Stadtteils Knielingen hat sein Gesicht in den vergangenen zehn Jahren komplett verändert. Das neue Wohngebiet auf dem Gelände der alten US-Kaserne ist mittlerweile so gut wie fertiggestellt. Wohnhäuser, Büroflächen, ein Seniorenzentrum und eine Kita: "Knielingen 2.0" - wie das Neubaugebiet heißt - soll ein Stadtteil mit hoher Lebensqualität für Jung und Alt werden. Nur eines fehlt nach wie vor: Eine Straßenbahnlinie.

Endhaltestelle der Linie 2. Zukünftig wird die Bahn 1,5 Kilometer weiter fahren. Bild: Thomas Riedel

Rund 30 Jahre - so alt sind die ersten Pläne, das Gebiet an das Straßenbahnnetz anzuschließen. Schon in den 80er-Jahren kam die Idee auf, die Bahnlinie im Stadtteil Knielingen zu verlängern. Damals scheiterten die Pläne unter anderem an den Bedenken der amerikanischen Streitkräfte, die zu dieser Zeit noch in der Kaserne in Knielingen stationiert waren.

Das Wohngebiet ist fertig - doch wo ist die Straßenbahn?

Nach dem kalten Krieg, Mitte der 90er-Jahre, verließen die Amerikaner die Kaserne. Doch erst im Jahr 2010 wurden die Planungen für den neuen Streckenabschnitt der Bahn wieder konkret. Und so fehlte - selbst nach der intensiven Erschließung der Fläche als dicht besiedeltes Wohngebiet - von einem Ausbau der Straßenbahn lange Zeit jede Spur.

Noch fährt keine Straßenbahn durch Knielingen, nun war am vergangenen Montag endlich Spatenstich. Bild: Hammer Photographie

Das ändert sich nun: Ab Ende 2020 soll die Linie 2 nicht mehr - wie im Moment - hinter der Siemensallee wenden und zurück in den Karlsruher Osten fahren, sondern um 1,5 Kilometer verlängert werden. Mit insgesamt vier neuen Haltestellen wird die Straßenbahnlinie das neue Wohnquartier "Knielingen 2.0" an das städtische Schienennetz anschließen.

"Komfortable Anbindung in die Innenstadt"

"Mit der Verlängerung der Linie 2 bekommen die Anwohner eine komfortable, barrierefreie und direkte Anbindung an die Karlsruher Innenstadt", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup beim offiziellen Spatenstich am Montag, 29. April, auf dem grünen Mittelstreifen der Egon-Eiermann-Allee, auf dem in Zukunft die Schienen liegen werden. 

Spatenstich mit Oberbürgermeister Frank Mentrup, Sylvia Felder (Regierungspräsidentin), Ascan Egerer (Geschäftsführer VBK) und Mario Rösner (Volkswohnung) Bild: Hammer Photographie

1,5 Kilometer neue Gleisstrecke wird in den kommenden eineinhalb Jahren verlegt. Entlang der Strecke werden vier neue Haltestellen entstehen: Zukünftig wird die Linie 2 ab der Siemensallee über die Haltestellen "Sudetenstraße", "Pionierstraße" und "Egon-Eiermann-Allee" bis zur Endhaltestelle "Knielingen Nord" fahren. Die Haltestelle "Lassallestraße", an der die Bahnen kurz hinter der Siemensallee im Moment noch wenden, wird zurückgebaut.  

Vier neue Haltestellen sollen im Karlsruher Stadtteil Knielingen entstehen. Bild:

Ursprünglich sollte mit dem Bau der Strecke schon im Jahr 2016 begonnen werden, denn bereits vor rund drei Jahren stimmte der Karlsruher Gemeinderat den Plänen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) zu. Nach dem positiven Beschluss aus dem Karlsruher Gemeinderat hieß es für die VBK allerdings: erst einmal weiterhin warten. Denn für das Planfeststellungsverfahren fehlte noch die Genehmigung des Regierungspräsidiums. 

Verzögerung des Baubeginns: Statt 2016 erst 2019

Im Jahr darauf - 2017 - gab es auch von Seiten des Regierungspräsidiums grünes Licht für den neuen Streckenabschnitt in Knielingen Nord. Doch bevor die ersten Bagger rollen konnten, musste erneut gewartet werden: Diesmal auf die Zusage für die finanzielle Förderung des Landes Baden-Württemberg, das Ende 2017 die Beteiligung an der Neubaustrecke bestätigte. Das Land übernimmt 6,1 Millionen des insgesamt 14 Millionen Euro teuren Projektes. 

Rund ein Jahr später, im Frühjahr 2019, nahmen die Vorbereitungen für den Bau Fahrt auf. Insgesamt 40 Bäume mussten in der Egon-Eiermann-Allee, Sudetenstraße und Siemenallee weichen: Denn auf den Grünstreifen in der Mitte der Straßen werden zukünftig die Straßenbahnen fahren.

Ascan Egerer, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK). Bild: Hammer Photographie

Nun - rund drei Jahre später als ursprünglich geplant - war am vergangenen Montag, 29. April, der Spatenstich. Auf welche Baumaßnahmen müssen sich die Anwohner als erstes einstellen?

"Die Bauarbeiten beginnen in der Egon-Eiermann-Allee, wo gleichzeitig aus nördlicher und südlicher Richtung mit dem Bau begonnen wird", erläutert Ascan Egerer, Geschäftsführer der VBK. "Dafür wird die Straße immer abschnittsweise in eine Richtung gesperrt werden", ergänzt Ulrike Siegel von der Projektleitung.

An der Siemensallee entsteht ein neuer Kreisverkehr

Ist dieser erste Streckenabschnitt fertiggestellt, folgt der Gleisbau in der Sudetenstraße. An der Kreuzung, an der die Bahn in Zukunft von der Sudetenstraße in die Siemensallee abbiegen wird, wird ein Kreisverkehr entstehen. Die Neugestaltung der Kreuzung ist erst im Jahr 2020 geplant: "Der Bau des Kreisverkehrs wird erst begonnen, wenn die Sanierung der Rheinbrücke vorüber ist, damit die Anwohner keiner doppelten Verkehrsbelastung ausgesetzt sind", so Ulrike Siegel.

An der Kreuzung der Siemensallee/Sudetenstraße, wo die Bahn zukünftig abbiegen wird, entsteht ein Kreisverkehr. Bild: Stadt Karlsruhe

Die Anwohner müssen sich keine Sorgen machen, dass durch den Bau der Bahnstrecke auf den Straßen Spuren wegfallen. Denn auf allen Straßen, auf denen die Linie zukünftig fahren wird, ist in der Mitte ein Grünstreifen angelegt. Dort auf dem Gras werden die Schienen verlegt und die Masten aufgestellt.

Parkplätze: Aus Querparkern werden Längsparker

Lediglich die Sudetenstraße verfügt an einigen Stellen über keinen begrünten Mittelstreifen. Dort wird der zusätzliche Platz geschaffen, indem die Quer-Parkplätze entlang der Straße in Längsparker umgewandelt werden. "Bevor eine neue Bauphase ansteht, werden die Anwohner über Handzettel ausführlich informiert", sagt Ulrike Siegel vom Projektleitungs-Team. 

Die Wohnhäuser sind so gut wie fertig - nur die geplante Bahn in der Mitte der Straße fehlt nach wie vor. Bild: Thomas Riedel

Dass der öffentliche Nahverkehr in Knielingen ausgebaut wird, ist dringend notwendig. Denn: "Bis Ende 2019 werden in dem neuen Stadtteil über 2.500 Menschen leben und arbeiten", sagt Beatrice Kindler von der Volkswohnung - der Wohnungsbaugenossenschaft der Stadt Karlsruhe.

Die Volkswohnung hat das Gelände seit 2006 Stück für Stück erschlossen und bebaut. Ende 2019 wird der letzte große Wohnblock mit Gewerbe und Wohnflächen bezugsfertig sein - auf die Straßenbahnanbindung müssen die neuen Bewohner dann voraussichtlich noch ein Jahr warten. 


Spatenstich Knielingen 2.0

Spatenstich Tram-Verlängerung "Knielingen 2.0"

ka-news Hintergrund: Neues Wohnquartier "Knielingen 2.0"

"Knielingen 2.0" ist ein Projekt der Stadt Karlsruhe und der Volkswohnung. Es benennt den neuen Stadtteil im Nordwesten der Fächerstadt. Das Baugebiet liegt zwischen der Sudetenstraße, der Eggensteiner Straße und der Pionierstraße. Das Bauprojekt soll vor allem für Naturnähe und verdichtetes, gemeinschaftliches Wohnen stehen. 

Bauträger ist die Konversionsgesellschaft Karlsruhe mbH (KGK), ein Unternehmen im Konzern Volkswohnung. Die Immobilien-Vertriebsgesellschaft der Sparkasse Karlsruhe Ettlingen hat den Exklusivvertrieb für das Projekt loswohnen übernommen. 

Allein von 2012 bis Ende 2016 hat das kommunale Immobilienunternehmen in Karlsruhe nach eigener Aussage 481 Mietwohnungen im fertiggestellt. Bis 2020 sollen in der Fächerstadt rund 1.500 neue Mietwohnungen errichtet werden, rund 60 Prozent davon öffentlich gefördert. 

Weitere Informationen zu "Knielingen 2.0." finden Sie auf der Seite der Volkswohnung (Link führt auf externe Seite). 

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