(Symbolbild)
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Bild: Florian Kaute
Kleiner Schritt für Hagsfeld: Karlsruhe lässt Südumfahrung neu planen
Karlsruhe
23.01.2017 07:00
Zu viel und stockender Verkehr zu den Stoßzeiten: In Hagsfeld und Rintheim sei das an der Tagesordnung, klagen Anwohner. Eine Entlastung in Form einer Umfahrung ist schon seit Jahren im Gespräch. Nun will die Stadt einen Schritt in Richtung Baustart machen - der aber noch weit in der Zukunft liegt.

Die Südumfahrung soll je nach Wahl der Variante zwischen 35 und 80 Millionen Euro kosten, die Stadtverwaltung plant jedoch mit Zuschüssen vom Land. Geplant ist eine Umfahrung zwischen der Elfmorgenbruchstraße und der Haid-und-Neu-Straße, weiterhin soll der Technologiepark an die Umfahrung angebunden werden. Die Streckenlänge ist zunächst mit 1,3 Kilomter angesetzt und quert die Bahnstrecke Karlsruhe-Mannheim, mehrere Straßen sowie die Haid-und-Neu-Straße samt Straßenbahnstrecke.

Gespräche über eine Umfahrung von Hagsfeld gibt es schon länger. 2008 kam ein Gutachten zu dem Ergebnis, dass eine Südumfahrung für eine Entlastung auf den Hagsfelder Straßen sorgen könnte. Im Gemeinderat sollte 2014 grünes Licht gegeben werden: Im April entschieden sich die Stadtverwaltung und der Gemeinderat mehrheitlich für die sogenannte Variante 1b. Diese sieht eine Südumfahrung Hagsfeld mit einer zweispurigen Fahrbahn ohne Standstreifen und ohne Anschluss an den Technologiepark vor.

Alles auf Anfang

Doch dann musste nochmal alles auf Anfang: Bei der Stadt ging man 2014 noch davon aus, dass die Variante 1b ohne ein Planverfahren auf Grundlage des bestehenden Bebauungsplans von 1994 umsetzbar sei. Eine Prüfung durch ein externes Anwaltsbüro im Auftrag der Stadt ergab, dass die beschlossene Variante nicht mit dem aktuell gültigen Bebauungsplan vereinbar sei. 



Abweichungen gebe es insbesondere beim Kreisverkehr an der Elfmorgenbruchstraße, dem Geh- und Radweg an der nördlichen Straßenseite sowie bei den Lärmschutzwall an der Haid-und-Neu-Straße, so die Gutachter. Für die geplante Verkehrsachse war neues Planrecht erforderlich. Ein entsprechender Beschluss im Gemeinderat für die Umsetzung einer Südumfahrung wurde im November 2015 abgesetzt.

Im Januar 2016 einigten sich die Stadträte darauf, ein förmliches Planfeststellungsverfahren einleiten zu wollen. Damit standen die verschiedenen im Gemeinderat diskutierten Varianten (1a, 1b, 2 und Brückenvariante) wieder auf dem Prüfstand. Seither wurde es ruhig um die Südumfahrung. Im Oktober beriet der Planungsausschuss, ob neue Parkmarkierungen helfen könnten, die betroffenen Stadtteile zu entlasten

Neu-Planung lässt sich die Stadt rund 320.000 Euro kosten

Ein weiteren Schritt machte die Stadt vergangene Woche im Bauausschuss: Eine Ingenieursgesellschaft soll nun planen, wie eine Umfahrung aussehen könnte. Insgesamt sollen vier verschiedene Entwürfe vorgestellt werden. Bei den Entwürfen handelt es sich um die Varianten 1a und 1b, allerdings inklusive Anschluss an den Technologiepark (TPK). Einen Kostenvoranschlag für den TPK-Anschluss gibt es bislang noch nicht, die Mehrkosten sind in den Unterlagen zur Variantenplanung nicht aufgeführt.

Das Planfeststellungsverfahren dient zu Abwägung der möglichen Varianten - daher müsse jede denkbare Variante betrachtet werden, so die Stadt gegenüber ka-news. Zusätzlich zu den vier Varianten 1a, 1b, 2 und Brückenvariante aus dem Jahr 2015 wird im anstehenden Verfahren auch die Nordumfahrung geprüft. Für alle Varianten wird ein Bericht angefertigt werden. Für diesen Planungsauftrag will die Stadt rund 320.000 Euro in die Hand nehmen. 

Die beauftragte Ingenieursgesellschaft "BG Mailänder Consult/Schüßler Plan" hat mit dem Zuschlag 15 Monate Planungszeit für die erste Stufe: der Ausarbeitung der Varianten. Die Anwohner in Hagsfeld und Rintheim werden sich somit noch weiter gedulden müssen. Allein für das Planfeststellungsverfahren rechnet die Stadt zusätzlich mit einer Dauer von 4,5 Jahren, bevor das Projekt in Angriff genommen werden kann. 

Der Artikel wurde nachträglich geändert.

ka-news Hintergrund: Die Varianten

Variante 1a: Diese Variante kostet 80 Millionen Euro. Sie ist als vierstreifige Straße konzipiert, ohne Anschluss Technologiepark Technologiepark.

Variante 1b:
Diese Variante kostet 65 Millionen Euro. Sie ist als zweistreifige Straße, ohne Anschluss an den Technologepark konzipiert. Kosten könnten reduziert werden, wenn Grundwasserwanne minimiert und mit einem ebenerdigen Anschluss an die Haid-und-Neu-Straße geplant wird. "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Variante 1 b auch bleiben soll, weil sie vor allem dann die Durchstreckung an die Haid-und-Neu-Straße ermöglicht. Das wird mit der Variante 2 deutlich schwieriger", äußerte sich Mentrup 2015 im Gemeinderat.

Variante 1a/1b mit Anschluss an Technologiepark: Beide Varianten können mit einen Anschluss an den Technologiepark geplant werden. Diese würde Kosten der Varianten nochmals erhöhen.

Variante 2: Diese Variante würde 35 Millionen Euro kosten und könnte durch das Land bezuschusst werden. Sie bestünde aus einem kurzen Tunnel sowie einem ebenerdigen, einfachen Anschluss an Elfmorgenbruch- und Haid-und-Neu-Straße. Im Januar 2016 wurde nach einem gemeinsamen Änderungsantrag der Gemeinderatsfraktionen (Grüne, Kult, FDP, GfK, Die Linke) der Anschluss an den Technologiepark in die Planungen der Variante mit aufgenommen. Lärmschutzoptimierung soll mit Tempolimit, entsprechenden Asphalt und Lärmschutzwand gegeben sein. Könnte laut Mentrup die größte Realisierungschancen haben - aufgrund der geringen Baukosten gegenüber der 65 Millionen Variante. "Das Land bzw. in diesem Fall das Regierungspräsidium hat grundsätzlich die Förderfähigkeit dieser Maßnahme anerkannt, aber hat ganz klar gesagt, es hängt am Ende auch von dem Faktor des wirtschaftlichen Nutzens ab, ob es dann am Ende in die Priorität kommt, dass dann auch mit Geld zu rechnen ist oder nicht", so Mentrup im November 2015.

Brückenvariante: Wurde von den Freien Wählern 2015 und erneut 2016 vorgeschlagen, aber bislang nicht weiter verfolgt. Hier soll eine Brücke über die Bahngleise gebaut werden. Nach Aussage der Freien Wähler sei sie erheblich schneller und kostengünstiger zu realisieren als die anderen Varianten. Sie soll 10 Millionen Euro sowie eine Bauzeit von einem Jahr in Anspruch nehmen. "Angesichts der Kosten der drei vorgestellten Varianten und deren geringen Entlastung für Hagsfeld und deren langen Planungs- und Bauzeit, fällt die Prüfung einer weiteren Variante nicht ins Gewicht." Aus Sicht der Stadtverwaltung ist die Brückenvariante kaum realisierbar - zu viele Faktoren müssten bei der Planung berücksichtigt werden. "Es geht schlicht darum, dass wir aus Landschafts-, aus Lärm- und verschiedenen Gründen die Brücke für die schlechtere Variante halten", so Oberbürgermeister Frank Mentrup 2015.

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