(Symbolbild)
(Symbolbild)
Bild: pixabay.com@FeeLoona
"Karlsruher Kinderpass" hilft einkommensschwachen Familien - die wichtigsten Infos rund um das Angebot
Karlsruhe
11.01.2020 12:07
Kind sein, das ist teuer. Gerade in einer Großstadt wie Karlsruhe fehlt Familien oft das Geld, um ihren Kindern alle Wünsche zu erfüllen. Den Sportverein zu besuchen oder ein Instrument zu lernen - das bleibt Vielen verwehrt. Genau hier setzt der "Karlsruher Kinderpass" an. Ob ein Kind Anspruch auf den Pass hat wird aus dem Verdienst der Eltern berechnet. Nun haben mehr Kinder eine Chance, den Pass zu erhalten, denn: Mit dem Jahreswechsel wurde die Einkommensgrenze angehoben.

Viele Kinder in Karlsruhe zücken, wenn es beispielsweise um den Eintritt in den Zoo oder das Theater geht, den "Karlsruher Kinderpass". So erhalten sie einen vergünstigten Eintritt, wenn ihre Eltern nicht zum einkommensstarken Teil der Bevölkerung gehören. 

Für viele Familien ist der Eintritt in den Zoo teuer. Mit dem Kinderpass ist er über die Hälfte reduziert. Bild: Zoo Karlsruhe

Seit 2006 versucht die Stadt, mit dem Pass die Kinderarmut in Karlsruhe zu bekämpfen. Unabhängig vom Einkommen der Eltern sollen Kinder sich frei entwickeln können und auch außerhalb der Schule gefördert werden. Ein Ziel des Passes ist, ihnen die Tür zum gesellschaftlichen Leben zu öffnen.

Welche Vorteile bringt der Karlsruher Kinderpass mit sich?

Die Möglichkeiten, die der Karlsruher Kinderpass den Kindern und Jugendlichen bietet, sind vielfältig. Eintritte in Museen, Bäder und Co. sind mit ihm entweder vergünstigt oder kostenlos. In der Regel ist der Preis mit dem Karlsruher Kinderpass um die Hälfte reduziert. 

Ein erster, wichtiger Vorteil ist die Bezuschussung von Fahrkarten. Denn: Mobilität ist oft das A & O - doch Bus und Bahn im Stadtgebiet sind teuer. Mit dem Kinderpass kosten sowohl Monatskarten, das Schülerticket als auch das Azubiticket lediglich rund die Hälfte.

Mit dem Karlsruher Kinderpass sind Fahrkarten um rund die Hälfte günstiger. Bild: Thomas Riedel

Darüber hinaus ist der Eintritt in zahlreichen Museen vergünstigt oder frei. Auch beim Eintritt in den Zoo müssen Kinder und Jugendliche mit dem Pass nicht allzu tief in die Tasche greifen: Für sie kostet der Zoobesuch anstelle von fünf nur zwei Euro.

In welchen Gemeinden ist der Karlsruher Kinderpass erhältlich?

Auch wenn der Pass den Titel der Stadt Karlsruhe im Namen trägt, ist er auch in umliegenden Gemeinden erhältlich. Neben der Stadt Karlsruhe sind das Stutensee, Weingarten, Rheinstetten, Walzbachtal, Pfinztal, Eggenstein-Leopoldshafen, Waldbronn und Bruchsal.

Welches Angebot wird am stärksten in Anspruch genommen?

Die vergünstigten Tickets fallen unter allen Angeboten mit Abstand am stärksten ins Gewicht. "88 Prozent der Gesamtkosten des Karlsruher Passes entfallen auf die Bezuschussung von Fahrkarten", so die Stadt Karlsruhe in einer Stellungnahme. "Der Karlsruher Pass ist damit de facto ein Sozialticket des KVV mit Angebotserweiterungen." 

Wie kann der Karlsruher Kinderpass beantragt werden?

Den Karlsruher Pass stellen die teilnehmenden Gemeinden vor Ort aus. Alles, was dazu benötigt wird, ist ein aktuelles Foto in Passbildgröße, einen Ausweis und entweder einen gültigen  Bescheid über die Unterstützungsleistungen oder die Unterlagen zur Berechnung der Einkommensgrenze. 

Bildungsabgebote, Eintritte in Museen und sogar der Besuch im Stadion: Das soll Kindern aus einkommensschwachen Familien mit dem Pass ermöglicht werden. (Symbolbild) Bild: pixabay @ EvgeniT

Wer hat Anspruch auf den Karlsruher Kinderpass?

Zum einen haben Kinder Anspruch auf den Pass, sofern die Familien auf staatliche Unterstützung angewiesen sind: Wenn die Eltern Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Wohngeld oder Kinderzuschlag erhalten.

Es gibt allerdings auch Familien, die keine dieser Leistungen beziehen und bei denen dennoch das Geld nicht reicht: die Gruppe der sogenannten "working poor". Ob hier ein Anspruch auf den Karlsruher Kinderpass besteht, wird über das Einkommen der Eltern berechnet.

Die Grenze wird dabei immer weiter angehoben, zuletzt zum Jahreswechsel 2019/2020. Aktuell erhält ein Kind den Pass, wenn das sogenannte "Nettoäquivalenzeinkommen" unter oder bei 1.200 Euro liegt. 

Rechenbeispiel für einkommensschwache Familien: Erhält mein Kind den Kinderpass?

Ob das Einkommen ausreicht, hängt davon ab, wie viele wie viele Personen in einem Haushalt leben. Während eine Alleinerziehende mit einem Kind gut über die Runden kommen kann, kann es mit drei Kindern vielleicht schon ganz anders aussehen. Aus diesem Grund wird das Nettoeinkommen gewichtet - mithilfe einer Skala. 

Der erste Erwachsene erhält den Wert "1", jedes Kind ab 14 Jahren und weitere Erwachsene den Wert "0,5", jüngere Kinder den Wert "0,3". Diese Werte werden addiert und das Nettoeinkommen durch die Summe geteilt. Hier geht es zum Online-Rechner https://karlsruher-pass.de/onlinerechner. Zwei Rechenbeispiele der Stadt Karlsruhe:

In einem Vierpersonenhaushalt (zwei Verdienende und zwei Kinder im Alter von 15 und 13 Jahren) mit einem Nettomonatseinkommen von insgesamt 2.760 Euro erhält ein Erwachsener den Faktor 1,0, der zweite Erwachsene den Faktor 0,5, das Kind über 14 Jahre den Faktor 0,5 und das Kind unter 14 Jahren den Faktor 0,3. Demnach haben alle vier Personen jeweils ein Monats-Äquivalenzeinkommen von 1.200 Euro (2.760 ÷ 2,3 = 1.200 Euro). 

In einem Alleinerziehendenhaushalt mit einem Verdienenden von 2.340 Euro Nettomonatseinkommen (Faktor 1) und zwei schulpflichtigen Kindern (15 und 13; Faktor 0,5 und Faktor 0,3), beträgt das Monats-Äquivalenzeinkommen pro Person abgerundet 1.300 Euro (2.340 ÷ 1,8 = 1.300 Euro). 

Auch Kinder mit Schwerbehinderten-Ausweis und Pflegekinder sind bezugsberechtigt. Gleiches gilt für Kinder aus Familien mit fünf oder mehr minderjährigen Kindern.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
1 Kommentare