Hendrik Dörr
Hendrik Dörr
Bild: FDP Karlsruhe
Karlsruher FDP-Chef: "Ost-Cowboy" Kemmerich könnte Kommunal-Ergebnisse vermiesen
Karlsruhe
06.02.2020 16:29
Welche Auswirkungen haben die Ereignisse in Thüringen auf die FDP in Karlsruhe? Wie beurteilt man in der Fächerstadt das umstrittene Vorgehen von Ex-Ministerpräsident Thomas Kemmerich bei der Landtagswahl? ka-news.de hat mit dem Karlsruher FDP-Chef Hendrik Dörr gesprochen.

Dörr kritisiert das Vorgehen von Thüringer FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich.  "Ich ärgere mich bis ins Mark", sagt Dörr, "dass Kemmerich die Wahl zum Ministerpräsidenten des Bundeslands Thüringen angenommen hat."

Die Strategie der AfD, die gesamten Stimmen im letzten Wahlgang der FDP zu geben, um dem Gegenkandidaten der Linken, Bodo Ramelow zu schwächen, lehnt er ab.

Kritik an SPD und Grünen

Auch die SPD und die Grünen kritisiert der Kreisvorsitzende stark. Erst durch die Verweigerung der Parteien, eine Koalition mit der FDP einzugehen, sei die Situation in Thüringen entstanden, so Dörr. 

Die Aufforderungen und die kürzliche Entscheidung, das Amt abzugeben und den Landtag aufzulösen, hält Dörr für richtig. Kemmerich sei nochmal zur Vernunft gekommen, so der Kreisvorstand.  Er hofft, dass die Ereignisse der Partei eine Lehre sein und in Zukunft auf die politische Erfahrung von potentiellen Kandidaten geachtet werde.

FDP befürchtet negative Auswirkungen in Karlsruhe

Am 6. Dezember steht die Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe an - hier befürchtet Dörr negative Auswirkungen durch die aktuellen Ereignisse.  Der Oberbürgermeister wird in Karlsruhe direkt von den Wahlberechtigten gewählt.

Man habe tolle Kommunalergebnisse bei der vergangenen Wahl im Mai 2019 gehabt, so Dörr. Die FDP konnte einen zusätzlichen Sitz im Stadtrat gewinnen. 

An die guten Ergebnisse aus der Gemeinderatswahl werde man unter diesen Umständen nicht anknüpfen können. Ein gutes FDP-Ergebnis für die OB-Wahlen in Karlsruhe hält er für gefährdet; ist sichtlich verärgert und bezeichnet Kemmerich als "Ost-Cowboy". 

Stellt FDP eigenen OB-Kandidaten?

Ob die FDP überhaupt einen OB-Kandidaten in Karlsruhe aufstellt, ist noch immer unklar. "Gemäß unserem Credo 'Bleiben wir frei. Denken wir groß.' sind die Freien Demokraten bereit, auch in der OB-Wahl personelle Verantwortung zu übernehmen", hieß es im Januar gegenüber ka-news.de.

Und weiter: "Es werden bereits ergebnisoffene Gespräche geführt. Allerdings ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Festlegung in die eine oder andere Richtung noch nicht möglich." Neue Entwicklungen gibt es diesbezüglich keine.  Klar sei, dass die CDU die FDP auf Kommunalebene nicht unterstützen werde, so Dörr.

Hintergrund

Thomas Kemmerich hatte im dritten Wahlgang zur Wahl des Ministerpräsidenten des Landes Thüringen mit Unterstützung von AfD-Stimmen gewonnen. Sofern die AfD ihren Kandidaten für den dritten Wahlgang nicht mehr aufgestellt hätten, hätte er seine Kandidatur zurückgezogen - dies teilte er öffentlich mit.

Die AfD schickte ihren Kandidaten ins Rennen und stimmte dann jedoch für den FDP-Mann, um die Wahl des Linken-Kandidaten Ramelow zu verhindern. Kemmerich nahm die Wahl zunächst an, trat jedoch nach knapp 24 Stunden Amtszeit zurück. Die FDP will einen Antrag für die Auflösung des Landtags stellen, um Neuwahlen herbeizuführen.

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