Kiosk am Kolpingplatz
Kiosk am Kolpingplatz
Bild: Paul Needham
Kiosk am Entenfang
Kiosk am Entenfang
Bild: Paul Needham
Karlsruhe und seine kultigen Kioske: "Es ist ein analoges Netzwerk in unserer digitalen Welt"
Karlsruhe
04.12.2018 20:20
Ob Büdchen, Trinkhalle oder Kiosk - auch in Karlsruhe sind die kleinen Verkaufshäuschen seit fast einem Jahrhundert auf vielen Plätzen und an markanten Orten zu finden und damit kultige Anlaufstelle mit Dorfcharakter im hektischen Großstadtleben. Im Gegensatz zu den klassischen "Tante Emma-Läden" haben sie es geschafft zu überleben – heutzutage oft als Lottoannahmestelle oder Post- und Paketshop.

Ursprünglich bedeutet der Begriff Kiosk "nach mehreren Seiten geöffneter, freistehender Pavillon" - zuerst zu finden in Park- und Palastanlagen des islamischen Kulturraums. Im deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff seit dem 19. Jahrhundert schon mit einem kleinen Stand gleichgesetzt, an dem Tabakwaren, Süßigkeiten, Getränke, Zeitungen und andere Kleinigkeiten verkauft werden. Und auch heute nutzen viele Karlsruher ihren Kiosk zum Zeitung holen, wenn die Kippen ausgegangen sind, zum Lotto spielen oder für den kleinen Noteinkauf, für den sich der Weg zum Supermarkt nicht lohnt.

Kiosk am Europaplatz
Entlang der Kaiserstraße mussten die fest installierte Kioske dem U-Strab-Bau weichen und wurden vielerorts durch Provisorien ersetzt Bild: Paul Needham

Der älteste noch bewirtschaftete Karlsruher Kiosk befindet sich am Kolpingplatz vor dem Anwesen in der  Karlstraße 128. Schon in den 1930er-Jahren wurden hier Zeitungen und andere Kleinigkeiten verkauft. Aber schon 1910 sprach man im Zuge der damaligen Umgestaltung des Karlsplatzes, wie der Kolpingplatz früher hieß, davon, dass hier ein "Zeitungs- und Blumenkiosk und Aborte angebracht werden könnten".

Kiosk am Kolpingplatz
Der älteste - noch existente - Kiosk Karlsruhes steht auf dem Kolpingplatz vor dem Anwesen Karlstraße 128 Bild: Paul Needham

Nie aus der Mode gekommen - immer noch gefragt

Auch auf vielen anderen Karlsruher Plätzen gibt es ihn, den klassischen Kiosk mit langer Tradition: Werderplatz, Europaplatz, Karl-Wilhelm-Platz, Entenfang - die Liste könnte noch ewig weitergeführt werden. Und Kioske erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. So kam unlängst erst bei einer Anwohnerbefragung zur Gestaltung des "neuen" Durlacher Tors wieder der vielfache Wunsch nach einem Kiosk auf.

Bild: Paul Needham

Allerdings macht die Planung wenig Hoffnung – ein neuer Kiosk ist dort nicht vorgesehen und die Verkehrsbetriebe sagen: "Vor dem Bau der Kombilösung stand am Durlacher Tor ein Kiosk, das im Eigentum der Verkehrsbetriebe Karlsruhe war. Daneben gab es noch einen Fahreraufenthaltsraum und eine öffentliche Toilette. Alle Gebäude wurden im Zuge der Kombilösung abgerissen. Im neuen Fahreraufenthaltsraum am Durlacher Tor gibt es keinen Kiosk mehr" - auch in den neuen Entwürfen zur Platzgestaltung kommt derzeit kein Kiosk vor.

Kiosk am Werderplatz
Kiosk am Werderplatz Bild: Paul Needham

Treffpunkt und soziales Netzwerk

"So ein Kiosk hat meistens eine feste Stammkundschaft aus der engen Nachbarschaft", weiß der 36-jährige Damian, der regelmäßig seine Zeitschriften im Kiosk am Karl-Wilhelm-Platz holt. "Man kennt sich, sagt Hallo, hält ein Schwätzchen und die Kinder bekommen schon mal was geschenkt. Das ist einfach eine schöne, analoge Anlaufstelle in unserer digital vernetzten Welt!"

Kiosk am Karl-Wilhelm-Platz
Kiosk am Karl-Wilhelm-Platz Bild: Paul Needham

Obwohl heutzutage ein Kiosk gerne mit dem Verkauf und dem Konsum von Alkohol in Verbindung gebracht wird und mit negativem Image zu kämpfen hat, war das nicht immer so: Eis, Süßwaren, Limonade oder Milch - auch in Karlsruher Freibädern gibt es noch heute noch die Milchhäusle - waren früher die Verkaufsschlager.

Kult aus den 50ern

Bild: Paul Needham

In den späten 1970er- und frühen 80er-Jahren erhielten viele der Karlsruher Verkaufshäuschen ihr markantes, Design - wie die am Kolping- oder Werderplatz. Aber es gibt auch echte architektonische Perlen: Der Kiosk am Entenfang in Mühlburg ist beispielsweise ein Paradebeispiel der klassischen Architektur der 1950er-Jahre.

Kiosk am Entenfang
Kiosk am Entenfang Bild: Paul Needham

1955 als Wartehalle für die Straßenbahn erbaut, ist er erst seit 1979 ein Kiosk. Der Bau nimmt in seiner nierenförmigen Grundrissform die damals modernen organischen Rundungen auf. Auch das überstehende Dach und die Kachelverkleidung an den Außenwänden sind typische Merkmale dieses Architekturstils.

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