Blick in Richtung Marktplatz
Blick über einen Teil der Innenstadt-Ost in Richtung Ettlinger Tor.
Bild: Wessinger
Innenstadt-Ost: Stadtteil soll für 91,8 Millionen Euro saniert werden
Karlsruhe
22.09.2017 07:00
Knapp 92 Millionen Euro will die Stadt für die Neu- und Umgestaltung der Karlsruher Innenstadt-Ost in die Hand nehmen. Das Sanierungsgebiet erstreckt sich über 35 Hektar - großflächige Veränderungen soll es vor allem auf dem Kronenplatz geben. Hier könnte eine neue Stadtbibliothek entstehen.

Die Aufwertung des Stadtteils Innenstadt-Ost ist der Stadt Karlsruhe seit einigen Jahren ein Anliegen. Leere Läden, heruntergekommene Plätze und das Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung sollen bald der Vergangenheit angehören. Nach zahlreichen Beratungen, Workshops und Bürgerbeteiligungen hat die Stadt jetzt konkrete Ideen und Kosten für die Sanierung des Stadtteils veröffentlicht. Insgesamt 91,8 Millionen Euro will die Stadt in die geplanten Maßnahmen investieren - ein Großteil davon würde unter anderem in die Umgestaltung des Kronenplatzes fließen.

Welches Gebiet wird saniert?

In einer entsprechenden Beschlussvorlage informiert die Stadtverwaltung über die zukünftigen Planungen und wie viel diese kosten werden. Das Sanierungsgebiet umfasst 34,8 Hektar im Stadtteil Innenstadt-Ost: Es wird im Westen durch den Marktplatz und die Karl-Friedrich Straße begrenzt.

Im Osten erstreckt sich das Gebiet entlang der Kappellenstraße bis zum Durlacher Tor. Die nördliche Grenze bildet der Zirkel und die Waldhornstraße sowie im weiteren Verlauf die Bebauung nördlich des Berliner Platzes und der Südrand des Campus Süd. Nach Süden wird das Untersuchungsgebiet durch die Kriegsstraße begrenzt.

Das Sanierungsgebiet im Stadtteil Innenstadt-Ost. Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe

Gebiet soll wieder attraktiv werden

Mit der Sanierung möchte man den Stadtteil für Gewerbe, Handel und Bürger wieder attraktiv gestalten. Die Erdgeschosse sollen durch Gastronomie und Handel belebter werden, in den Obergeschossen will man das städtische Wohnangebot durch Sanierung verbessern. Im Mittelpunkt der Maßnahmen zur Aufwertung des Quartiers steht der Kronenplatz als verbindendes Element.



In Umfragen und Bürgergesprächen wird der Kronenplatz als potentieller Angstraum genannt, das geht aus den städtischen Unterlagen hervor. In der Kriminalstatistik sei der Kronenplatz nicht als Brennpunkt definiert, heißt es in der Kurzfassung des Untersuchungsberichts, aber in Umfragen zeigten sich Defizite im subjektiven Sicherheitsgefühl. Mit Verbesserungen in der Gestaltung, Beleuchtung und Aufenthaltsqualität will die Stadt das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessern und den Platz aufwerten.

Baustelle: Kronenplatz

Der Kronenplatz, so das Ergebnis der städtischen Untersuchungen, ist aktuell mehr ein Durchgangs- als ein Aufenthaltsraum. Mangelnde gastronomische Angebote und die unterschiedliche Gestaltung der umliegenden Gebäude laden nicht zum Verweilen ein. Das will die Stadt ändern.

Um eine gesamtstädtische Nutzung zu erreichen, sieht das aktuelle Konzept eine "Belebung und Bespielung des Platzraums aus der Erdgeschosszone heraus" vor. Weiterhin ist eine Stadtteilbibliothek geplant: Die Standorte der Jugendbibiliothek (heute Prinz-Max-Palais) und der Stadtbibliothek (heute im Ständehaus) sollen dort zusammengelegt werden.

Die Bibliothek soll über dem nördlichen Kronenplatz, unterhalb der Zähringerstraße, Platz finden: In einer "Überbauung, welche in Ergänzung zur Bausubstanz der neunziger Jahre steht", heißt es im Konzept. Räumlich würde er zwischen den Gebäuden der Randbebauung des Kronenplatzes stehen.

Sollte die geplante Bebauung "ökonomisch oder aufgrund der fehlenden Mitwirkungsbereitschaft des derzeitigen Eigentümers" nicht machbar sein, will man den Platz durch die Nutzung der Erdgeschosszone beleben und für mobile Kulturangebote zur Verfügung stellen. Für den notwendigen Grundstückserwerb zum Bau der Bibliothek am nördlichen Kronenplatz sind 2,7 Millionen Euro angesetzt. Der Neubau selbst soll 30 Millionen Euro (25 Millionen Euro Baukosten, fünf Millionen Euro Ausstattungskosten) kosten.

Dach und Boulebahn kommen weg

Südlich der Zähringerstraße soll das Jubez für 500.000 Euro eine Aufwertung erfahren: Es soll so umgebaut werden, dass der Verein künftig das Erdgeschoss nutzen kann. Die Überdachung am südlichen Kronenplatz wird nach aktuellen Plänen zusammen mit der Boulebahn entfernt werden.

Die Außenstelle der Heinrich-Hübsch-Schule im Gebäude des Parkhauses ist als potentieller, weitergehender Standort für das KIT vorgesehen, welches heute noch am Nordrand des Kronenplatz sitzt. Im Untersuchungsbericht ist die Option dargestellt, "die heute noch im Gebäude des Parkhauses Kronenplatz untergebrachte Außenstellen, Farben und Lacke zu verlagern und die Möglichkeit für das KIT zu eröffnen, den Standort mit universitären Nutzen weiterzuführen." Für die Umgestaltung des öffentlichen Raums am Kronenplatz Süd sind knapp 480.000 Euro angesetzt, für den Umbau der Farben-Schule in der Fritz-Erler-Straße rund 830.000 Euro.

Wie ist die Finanzierung?

Von den 91,8 Millionen Euro müsste die Stadt 57,7 Millionen Euro selbst tragen, 34,1 Millionen Euro gäbe es als Zuschuss von Bund und Land. Weiterhin rechnet die Stadt mit 1,6 Millionen Euro pro Jahr, diese seien jedoch erst nach weiteren, konkreten Planungen verlässlich bestimmbar.

Der Gemeinderat entscheidet am Dienstag, 26. September, über die weitere Vorgehensweise im Sanierungsgebiet. Mit ihrem Ja stimmen die Stadträte der geplanten Neuordnung inklusive Maßnahmenplan sowie Kosten und Finanzierung zu. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, für das Programmjahr 2018 einen Antrag zur Aufnahme in ein städtebauliches Erneuerungsprogramm zu stellen. Am 4. Oktober plant die Stadt eine öffentliche Veranstaltung zum Thema.

Die ausführlichen Unterlagen zu Maßnahmen und Finanzierung gibt es unter folgendem Link: http://web3.karlsruhe.de/Gemeinderat/ris/bi/to0040.php?__ksinr=4632

 

Aktualisierung, 28. September:

Der Gemeinderat hat die Beschlussvorlage mit 43 Ja-Stimmen und einer Enthaltung mehrheitlich angenommen und damit den vorläufigen Sanierungszielen, dem Neuordnungskonzept, dem Maßnahmenplan sowie der Kosten- und Finanzierungsübersicht zugestimmt.


ka-news-Hintergrund

Seit 2015 existieren in Karlsruhe Überlegungen zur Aufwertung des Quartiers Innenstadt-Ost. Zwischen November 2015 und Frühjahr 2016 wurden Vor-Ort-Begehungen durchgeführt, Gespräche mit vorhandenen Institutionen, Akteuren und Fachämtern geführt. Für die weitere planerische Analyse und Ermittlung der Handlungsbedarfe wurde eine Lenkungsgruppe gebildet.

Erste Ergebnisse präsentierte die Stadt im April 2016: 160 Bürger besuchten die Veranstaltung im Karlsruher Rathaus. Es folgten drei öffentliche Workshops zu den Themen "Klima und Freiraum", "Kaiserstraße" und "Soziales" im Juni 2016.

Daraufhin wurden zwei Varianten eines Neuordnungskonzeptes ausgearbeitet: Entweder Fokus auf Bestandserhalt und Umbau der bestehenden Strukturen oder weitreichende städtebauliche Neuordnungen. Im November 2016 entschieden sich eine zweite Lenkungsgruppe, die Verwaltung und lokale Akteure für die langfristige Variante, welche weitreichende städtebauliche Neuordnungen im Umfeld des Kronenplatzes und des Berliner Platzes wie auch die strukturelle Neuordnung des Postgiroamtes vorsieht. 

Am 2. Februar 2017 erfolgte die Vorstellung des neuen Konzepts im Planungsausschuss und eine erste Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe. Im Juli erfolgte eine weitere Bürgerinformation. Der Gemeinderat soll im September über die weiteren Maßnahmen entscheiden.
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