Der Karlsruher Baumbestand ist von den Folgen der Trockenheit betroffen.
Bild: Paul Needham
In Karlsruhe werden immer mehr geschädigte Bäume gefällt: Die Stadt will das nun ändern - und den Wald "umbauen"
Karlsruhe
07.10.2019 06:00
Dürre, Sturm, Insektenbefall: Viele Bäume in und um Karlsruhe haben in den vergangenen Monaten den widrigen Umständen nicht standgehalten, waren noch vom Vorjahr geschädigt - und mussten letztendlich gefällt werden. Über die Hälfte des Holzes, das aus dem Staatswald rund um Karlsruhe gewonnen wird, stammt in diesem Jahr von geschädigten Bäumen. Um die Wälder besser für die Zukunft zu rüsten, möchte die Stadt den Baumbestand verändern.

Es war ein strapazierendes Jahr für die Karlsruher Wälder: Hitze und Trockenheit haben den Bäumen zugesetzt. Wege mussten gesperrt werden - zu groß war die Gefahr herunterfallender Äste. Über 2.500 Bäume waren so geschädigt, dass sie gefällt werden mussten. Damit übersteigt die Zahl die des Vorjahres deutlich, denn 2018 waren in Karlsruhe lediglich 800 Fällungen notwendig.

  

Wie sehr das Klima und die Trockenheit dem Wald zusetzt, kann an der Statistik der Holznutzung abgelesen werden. Im Karlsruher Staatswald wurden in diesem Jahr bis September 9.593 Kubikmeter Holz gewonnen. Mehr als die Hälfte aller Fällungen waren dabei nicht geplant, sondern fielen unter die sogenannte "Zufällige Nutzung": Es sind die Bäume, die aufgrund von Dürre, Pilzbefall oder Stürmen dem Wald entnommen werden mussten.

 

 

Die Waldgebiete rund im die Fächerstadt teilen sich hauptsächlich auf zwei Besitzer auf. Rund die Hälfte des Waldes auf der Karlsruher Gemarkung gehört dem Land, der sogenannte "Staatswald". Die andere Hälfte, der "Stadtwald", ist - wie könnte es anders sein - im Besitz der Stadt.

"Zufällige Nutzung": Das Fällen geschädigter Bäume

Schaut man sich den Stadtwald an, zeichnen die Zahlen kein ganz so schwarzes Bild. "Im Durchschnitt liegen die Anteile der zufälligen Nutzung im Stadtwald deutlich unter denen des Staatswaldes", teilt die Stadt Karlsruhe in einer Stellungnahme mit. Die SPD, die Grünen und die AfD hatten bei der letzten Gemeinderatssitzung Anträge zu diesem Thema gestellt. Alle drei Fraktionen appellieren dabei an die Stadtverwaltung, sich Gedanken um die Zukunft der Karlsruher Wälder zu machen.

Doch: Wald ist Wald. Aus welchem Grund mussten in den Gebieten, die der Stadt gehören, weniger Bäume gefällt werden? "Die Ursache liegt darin, dass der Staatswald wesentlich mehr Flächen im Hardtwald mit der Baumart Kiefer umfasst", erläutert die Stadt Karlsruhe.

Ulrich Kienzler, Leiter des Fortstamtes. Bild: Hammer Photographie

"Wir haben im Hardtwald die schlechtesten Waldböden in Karlsruhe: sandig, kiesig, das Wasser sickert schnell ab, die Bäume müssen vom Oberflächenniederschlag leben und das macht sie so anfällig für die langen Trockenperioden", sagt Forstamtsleiter Ulrich Kienzler. Die Hardtwald-Standorte würden aus diesem Grund am stärksten unter den extemen Trockenphasen leiden.

Wald soll mit Eichen für die Zukunft gerüstet werden

Um dem Waldsterben Einhalt zu gebieten, will die Stadt die Wälder nun "klimagerecht" umbauen. Dabei soll geprüft werden, welche Baumarten für den Wald langfristig geeignet sein können. Als besonders stabil haben sich dabei Mischwälder mit einer hohen Vielfalt an Baumarten erwiesen. "Es gibt allerdings kein allgemeingültiges Patentrezept für einen klimaangepassten Wald", so die Stadt Karlsruhe.

Der Karlsruher Baumbestand ist von den Folgen der Trockenheit betroffen. Bild: Paul Needham

Dennoch lässt sich abstecken, welchen Bäumen die Trockenheit besonders zusetzen wird. Zum einen wird es die Buche in Zukunft besonders schwer haben, zum anderen die Kiefer. Auch Nadelbäume wie Fichte und Lärche wird man laut Stadt künftig seltener sehen. Am stabilsten scheint derzeit die Eiche zu sein, deshalb werden im Hardtwald und im Bergwald Eichen bereits gezielt gefördert. 

Wie genau die Wälder in und um Karlsruhe "umgebaut" werden sollen - dazu erarbeitet die Stadt nun ein Konzept. Da die klimatischen Veränderungen einer der großen Gründe für das Baumsterben sind, soll das "Waldumbau-Konzept" Teil des Klimaschutzkonzeptes der Stadt werden.

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