Thomas Fuchs
Thomas Fuchs sammelt Leuchtröhrenreklamen in der Fächerstadt
Bild: privat
"Herr der Röhren": Thomas Fuchs sammelt Bilder von Karlsruher Leuchtreklamen
10.07.2018 07:05
Leuchtreklamen - für den einen "Lichtverschmutzung", für den anderen Kunstobjekt mit spannender Geschichte. So einer ist Thomas Fuchs, er trägt auf seiner Internetseite Bilder von Karlsruher Leuchtröhrenreklame zusammen. Warum er das tut? Genau das wollten wir im Gespräch mit dem Software-Berater herausfinden.

Mit seiner Nachfrage, ob er ein Foto von ka-news für seine Sammlung benutzen dürfe, hat Thomas Fuchs in der Redaktion auf sein ungewöhnliches Hobby aufmerksam gemacht: Er sammelt Karlsruher Leuchtröhrenreklamen - genauer gesagt, Bilder davon. Sein Interesse für die bunten Werbebotschaften hat Fuchs zwar erst Anfang des Jahres entdeckt, nichtsdestotrotz ist seine Webseite schon jetzt ein kleines - aber fast komplettes - Museum.

Auf die Frage, wie er zu seinem ungewöhnlichen Hobby gekommen sei, sagt er schmunzelnd: "Im Nachhinein frage ich mich das auch. Ich war schon immer technikinteressiert, vor allem finde ich dabei geschichtliche Aspekte spannend - was wurde wann von wem erfunden und wie entwickelte sich die Technologie. Dieses Interesse allgemein hängt vielleicht auch mit meinem erlernten Beruf zusammen, denn ich war Nachrichtentechniker bei der Deutschen Post. Die Telefonvermittlungstechnik, in der wir Ende der 80er Jahre ausgebildet worden sind, stammte aus den zwanziger Jahren - denn die war damals noch überall im Einsatz. Schon damals hatte diese Technik musealen Charakter."

Leuchtröhrenreklame
Am Sonnenbad: Eine der ältesten Leuchtröhren in Karlsruhe, leider funktioniert sie nicht mehr. Bild: Thomas Fuchs

Interesse an historischer Technik

Im Laufe der Zeit habe sich so bei ihm eben ein Interesse allgemein an historischer Technik - egal in welchem Bereich - entwickelt. Irgendwann im letzten Jahr fielen ihm dann die Leuchtröhrenreklamen, die man häufig einfach (technisch nicht immer korrekt) "Neonreklamen" nennt, ins Auge. "Sie fallen halt auf", meint er. "Zunächst sah ich dabei nur die älteren, fast schon historischen und teilweise schon defekten Anlagen. Ich fand es interessant, was man mit Glas, Gas, Elektrizität und etwas Kreativität schaffen kann. Gerade die älteren Anlagen versprühen dabei ja auch eine gewissen Charme", schwärmt der Software-Berater.

"Was mir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht bewusst war: Die Leuchtröhren sind keinesfalls immer ein Zeugnis vergangener Tage. Auch heute werden noch neue Anlagen installiert", erklärt Thomas Fuchs im Gespräch mit ka-news. Dann kam er Anfang des Jahres auf die Idee, die alten, noch vorhandenen Anlagen zu fotografieren. "Ursprünglich einfach nur so für mich, dann aber überlegte ich mir, dass ich die Fotos veröffentlichen sollte!" Vielleicht gibt es ja auch andere Karlsruher, die das Thema ebenfalls interessant finden, dachte er sich und bastelte eine eigene kleine Website.

Leuchtröhrenreklame
Für Thomas Fuchs eine der farbenfrohesten Leuchtröhren in Karlsruhe. Bild: Thomas Fuchs

Ein neues "Museum" für Karlsruhe

Sein Anliegen ist die Dokumentation dieser einzigartigen, historischen Technik, bevor auch sie ganz aus dem modernen Stadtbild verschwindet. Ein 'Fan' hat sich bei ihm bedankt und geschrieben: "Sie haben mit der Website ein weiteres Karlsruher Museum errichtet!" Mehr Motivation könne man ja gar nicht bekommen, freut sich Fuchs. "Und im Prinzip beschreibt dieser Satz mein Anliegen. Mittlerweile geht es mir darum, eine abschließende Dokumentation aller Anlagen in Karlsruhe zu erstellen. Und das scheint mir fast gelungen. Die Anzahl ist ja begrenzt; ich kann also nicht ohne Ende sammeln."

Ob das Foto selbst ein Antrieb sei? "Naja in gewisser Weise schon - wohl eher als Herausforderung an die Möglichkeiten. Da ich die Anlagen in Aktion dokumentieren will, muss es ja dunkel sein. Hier entstehen dann aber sehr hohe Kontrastunterschiede der Röhren zur Umgebung", sagt Thomas Fuchs gegenüber ka-news. "Das ist nicht immer leicht einzufangen. Dazu muss man wissen, dass ich ja keine professionelle Fotoausrüstung habe, sondern mein Smartphone nutze. Und es macht schon Spaß, es an die Grenzen des Machbaren zu bringen. Daher sind einige Fotos auch nicht immer optimal, gerade dann, wenn sich die Anlagen weiter entfernt sind - etwa auf Dächern oder am oberen Bereich von Fassaden."

Spannende Geschichten die hinter den Anlagen stecken

Einfacher hingegen sei das Fotografieren der defekten Anlagen. Aber es geht Thomas Fuchs nicht nur um die Fotos. "Mich interessieren auch die Hintergrundinfos zu den Anlagen - Baujahr, Hersteller und so. Daher habe ich fast alle Betreiber der Anlagen freundlich angemailt, mein Projekt vorgestellt und nach entsprechenden Informationen gefragt."

Die Rückmeldungen hielten sich aber eher in Grenzen. "Wahrscheinlich klang die Idee für viele zu seltsam", vermutet der Software-Berater, der seit 14 Jahren in Karlsruhe lebt. "Aber ich bekam auch einige sehr nette Antworten und interessante Informationen zu den Anlagen. Einige der Betreiber kramten in ihren Archiven, um mir bei meinen Recherchen zu helfen. Das fand ich sehr nett." Trotzdem hätte er sich gewünscht, dass etwas mehr zurückgekommen wäre: "Gerade von den großen und bekannten Karlsruher Namen."

Tullabad Exotenhaus
Tullabad Exotenhaus Bild: ka-news

Mit offenen Augen durch die Stadt

Und wie findet man die Leuchtreklamen? Wandert man einfach so die Straßen ab? Hin und wieder bekomme er Tipps, auch in seinem Freundeskreis sind bereits einige "infiziert" und schauten nun auch nach den Röhren, erzählt Fuchs. "Aber mittlerweile gibt es kaum noch was zu entdecken, was ich nicht schon dokumentiert hätte", meint er nicht ohne Stolz. "Ansonsten halte ich natürlich selbst die Augen offen, wenn ich durch Karlsruhe gehe oder fahre. Und manchmal bin ich dabei blind: Erst vor kurzem entdeckte ich eine Leuchtschrift an einem Karlsruher Club, in den ich hin und wieder gehe. Aber nicht, weil ich die Schrift direkt dort entdeckt hätte, sondern weil ich auf der Facebook-Seite des Clubs die Veranstaltungen angeschaut habe und dort ein Foto des Gebäudes war. Erst auf dem Foto sah ich die Leuchtschrift. Also bin ich hin, Foto gemacht und fertig."

Heute setzt man eher auf Plastik

Sind die klassischen Leuchtröhrenreklamen nicht vom Aussterben bedroht - im Zeitlater von LED und Plastik? Zwar kommen immer mal wieder neue dazu und es werden auch alte repariert, aber: "Über die Jahre gesehen habe ich schon das Gefühl, dass die Anzahl tendenziell eher abnimmt. Viele Anlagen sind bereits jetzt außer Betrieb und wenn eine Renovierung der Fassade ansteht, werden die gleich mal entfernt. Schaut man sich historische Fotos von der Karlsruher Kaiserstraße an, dann kann man diesen Trend ganz klar erkennen: Damals gab es viel mehr Leuchtröhrenwerbung als heute", weiß der Sammler zu berichten. 

Denn die Technik ist eben nicht mehr Standard. "Heute verwendet man oftmals von innen beleuchtete Plastikschilder - die sind billiger und wartungsärmer. Die Leuchtröhren hingegen erfordern eine intensivere Pflege. Bei Anlagen, die aus mehreren Einzelbuchstaben bestehen, muss beispielsweise bei einem defekten Buchstaben dieser eine ausgetauscht werden - aber dabei muss die Farbe ziemlich genau der Farbe der anderen entsprechen." Und das ist gar nicht so einfach, erklärt Thomas Fuchs gegenüber ka-news. "Faktoren wie das Mischverhältnis des Gases, der Gasdruck oder die innenliegende Beschichtung der Röhren spielen eine Rolle. Das kann dann ganz interessante Effekte bei älteren, aber gut gepflegten Anlagen ergeben: Eine ursprünglich dreifarbige Anlage zeigt heute fünf oder sechs verschiedene Farben", so Thomas Fuchs.

Leuchtröhrenreklame
Eine Leuchtröhrenreklame, die 2018 aufgebaut wurde. Bild: Fuchs

92 Anlagen sind dokumentiert

Und so ist Fuchs Bildersammlung auch eine endliche: "Es wird immer schwieriger, neue Objekte zu finden. Aktuell kenne ich noch zwei Anlagen, die ich noch nicht dokumentiert habe. Und es gibt noch eine, die ich wegen ihrer Höhe noch nicht fotografieren konnte. Ansonsten vermute ich, dass ich so ziemlich alle vorhandenen Röhren - aktuell 92 Anlagen, einschließlich historischer - erfasst habe", sagt Thomas Fuchs im Gespräch mit ka-news. Seine Routen durch die Dunkelheit hat er gezielt vorbereitet. "Ich habe mir verschiedene Stadtbereiche vorgenommen, die ich dann jeweils sowohl nachts als auch bei Tag abgefahren bin." Die Bereiche mit einer hohen Dichte an Anlagen hat er dann zu Fuß erkundet: etwa die gesamte Innenstadt, die Südstadt einschließlich rund um den Bahnhof, Durlach und den Bereich am Entenfang. Heute geht er nicht mehr gezielt auf Suche. "Trotzdem bin ich sensibilisiert, wenn ich durch Straßen laufe."

Auch eine Lieblingsreklame hat Thomas Fuchs natürlich, und verrät: "Meine Liebste ist die in der Boeckhstraße 28. Leider ist sie aber defekt. Ich frage mich, in welchen Farben die wohl leuchten würde."

Thomas Fuchs sammelt Leuchtröhrenreklamen in der Fächerstadt. Diese mag er besonders. Bild: privat

Zwar macht er manchmal, wenn er unterwegs ist, auch Fotos außerhalb der Fächerstadt, aber dann nur, weil ihn die Optik der Anlage fasziniert. Auch dafür gibt es eine kleine Rubrik auf der Webseite, aber Pläne, das Projekt über die Fächerstadt hinaus auszudehnen, hat Fuchs derzeit nicht.

Hier geht es zu der Webseite Leuchtröhren in Karlsruhe von Thomas Fuchs

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