Grippe
Frierend und schniefend im Bett: In der vergangenen Woche stieg die Zahl der Grippefälle deutlich an.
Bild: Maurizio Gambarini
Grippewelle in Karlsruhe: Krankenhäuser an Belastungsgrenzen
Karlsruhe
12.03.2018 07:00
Karlsruhe hustet, schnäuzt und hat Halskratzen: Die Grippewelle hat im März ihren Höhepunkt erreicht. Das bringt auch die Kliniken in Karlsruhe in Not. Das heißt es aus Kreisen des Rettungsdienstes gegenüber ka-news.

Die Viruserkrankung Influenza macht derzeit in Karlsruhe ihre Runde. Auswirkungen sind in vielen Betrieben zu spüren, am deutlichsten wohl bei den Verkehrsbetrieben: Hier bleiben aufgrund einer erhöhten Zahl an erkrankten Fahrern viele Bahnen im Depot. Probleme haben aber auch die Karlsruher Krankenhäuser: Hier sind die Betten mit Erkrankten stark ausgelastet. Aus Rettungsdienst-Kreisen heißt es gegenüber ka-news, dass alle Kliniken in der Region an ihre Belastungsgrenzen gebracht wurden.

Die für die Krankenhäuser Verantwortlichen in der Landesregierung hätten sich zeitweise sogar zu einer Sondersitzung zusammengefunden, um nach Entlastungs-Möglichkeiten zu suchen. Unter anderem sei zur Debatte gestanden, geplante Regel-Operationen zu stoppen, um so mehr Kapazität auf den Intensiv-Stationen zu schaffen. Dieser Schritt wurde aber nicht vollzogen. Grundsätzlich hätten zudem alle Kliniken das Problem, dass sie zu wenig Personal hätten, sagt der Rettungsdienst-Angehörige. So könnten oft nicht alle zur Verfügung stehenden Betten genutzt werden, weil eine medizinische Betreuung nicht gewährleistet wäre.

Vielerorts zeitweise Abmeldungen der Notaufnahmen

"Wie alle Kliniken in der Region ist das Klinikum Karlsruhe von der aktuellen Grippewelle stark betroffen", so Petra Geiger von der Öffentlichkeitsarbeit des Klinikums in der vergangenen Woche. Die Notaufnahme sei "maximal ausgelastet" - so sehr sogar, dass eine vorübergehende Abmeldung bei der Leitstelle "unumgänglich" war. Um mehr Kapazität zu schaffen, wurden weitere Quarantänestationen eingerichtet, um alle Patienten unterbringen zu können.

Auch bei den Vincentius Kliniken und dem Diakonissenkrankenhaus, welche seit geraumer Zeit unter der gemeinsamen Kennung der ViDia Christlichen Kliniken Karlsruhe firmieren, sieht es nicht besser aus: "Die ViDia Christliche Kliniken verzeichnen in den letztenTagen einen deutlich erhöhten Zulauf. Teilweise kommen doppelt so viele Patienten in die Notaufnahmen wie sonst, darunter merklich mehr Anfragen aus dem Pfinztal", so Melanie Barbei, Leitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. "Wir mussten uns in den letzten Tagen jedoch nur vereinzelt und stundenweise aus dem Rettungsdienst abmelden", so Barbei weiter.

(Symbolbild) Bild: Thomas Riedel

Vor den Toren der Stadt ist die Situation ähnlich

Auch außerhalb der Karlsruher Stadtgrenzen sieht es problematisch aus: In den Kliniken des Landkreises Karlsruhe, also in Bruchsal und Bretten, sind in der vergangenen Woche "erforderliche Maßnahmen" ergriffen worden, um mehr freie Bettenkapazitäten zu schaffen und ausreichend Personal zur Verfügung zu haben. "So werden nach wie vor geplante Operationen und Untersuchungen soweit als möglich verschoben und so viele Patienten wie möglich entlassen", heißt es in einer Pressemeldung.

"Aufgrund der regelmäßig auftretenden Influenzawellen verspüren wir auch aktuell eine deutliche Zunahme an Patienten und Notfällen", erklärt Mischa Lange vom Klinikum Karlsbad-Langensteinbach gegenüber ka-news. Dies habe in der vergangenen Woche zur Folge gehabt, dass die Notaufnahme einmal kurzfristig geschlossen werden musste.

Notärzte immer häufiger mit Hausärzten verwechselt

Neben einer zu dünnen Personaldecke in den Kliniken, gebe es aber noch ein weiteres Problem für den Helfer, so ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes im Gespräch mit ka-news. So gebe es immer weniger hausärztliche Dienste. Gleichzeitig steige der Anspruch der Bevölkerung nach einer schnellen medizinische Versorgung. "Dass viele Menschen ihre Symptome im Netz suchen, verschärft die Verunsicherung noch", so der Rettungsdienstler. Auch die guten alten Hausmittelchen würden mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Die Folge: Die Menschen würden schneller den Rettungsdienst zur Hilfe rufen.

"Und wenn beim Notruf bei einer Grippe dann von einer Atemnot berichtet wird, dann kommt natürlich auch gleich der Notarzt mit", so der Experte weiter. Da dieser keine Rezepte ausstellen kann, wird der Patient in die Notaufnahme gebracht. "Dabei sind Notaufnahmen eigentlich nur für Notfälle gedacht."

Die Karlsruher Kliniken wurden im Zusammenhang der Anfrage auch zur Situation nach der Schließung der Paracelsus-Klinik befragt. Unisono teilen die Verantwortlichen allerdings mit, dass es schwierig sei in der Zeit der Grippewelle direkte Auswirkungen im Klinikalltag auszumachen. So sei die Belastung in den Krankenhäusern zu dieser Jahreszeit ohnehin sehr hoch. Zum Teil haben die Klinik-Betreiber daher auf eine Rückmeldung zu den konkreten Auswirkungen nach der Schließung des Paracelsus-Krankenhauses verzichtet. Diese soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden.

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