Lachwald in Stutensee
Teile des Lachwalds sollen für Wohnbebauung weichen.
Bild: Thomas Riedel
Heinrich Sickinger (SPD), Dr. Klaus Mayer (Freie Wähler.), Ansgar Mayr (CDU) und Edith Nagel (FDP).
Bild: Melanie Hofheinz
Gemeinderatsfraktionen sind pro Lachwald-Projekt: "Stutensee ist in der Pflicht"
Stutensee
21.01.2018 15:00
Werden im Stutenseer Lachwald bald die Bagger rollen oder bleibt das Waldstück erhalten? Ob das Projekt "Lachwald II" umgesetzt wird, liegt inzwischen in der Hand der Bürger. Diese dürfen in einem Bürgerentscheid am 18. Februar über das Schicksal des Lachwaldes entscheiden. Fast alle Stutenseer Gemeinderatsfraktionen hoffen auf die Vernunft der Bürger und werben für ein klares "Nein".

Im Stutenseer Stadtteil Büchig soll für 600 Menschen neuer Wohnraum entstehen - dafür müssten allerdings rund sechs Hektar, des zirka zwölf Hektar großen Lachwaldes, abgeholzt werden. Während sich die Stutenseer Gemeinderatsfraktionen, mit Ausnahme der Grünen, geschlossen hinter das Bauprojekt "Lachwald II" stellen, stemmten sich in den vergangenen Monaten einige Bürger dagegen und sammelten rund 3.000 Unterschriften um einen Bürgerentscheid in die Wege zu leiten. Mit Erfolg, denn mit der Erklärung der Zulässigkeit des Bürgerbegehrens durch den Gemeinderat wurde die Entscheidung über ein neues Wohngebiet nun in die Hände der Bürger gelegt.

Am Sonntag, 18. Februar, können Bürger über die künftige Stadtentwicklung entscheiden. Alle wahlberechtigten Stutenseer sind an diesem Tag aufgerufen, mit "Ja" oder "Nein" über die Frage "Sind Sie dafür, dass der Lachwald in seiner jetzigen Form erhalten bleibt und der Beschluss des Gemeinderats zur Aufstellung eines Bebauungsplans "Lachwald II" aufgehoben wird?"abzustimmen.

"Auf Geldbeutel zugeschnittener Wohnraum"

Warum es richtig wäre mit "Nein", und damit für den Bau des Wohngebietes zu stimmen, erklärten die Gemeinderatsfraktionen aus Stutensee nun, rund vier Wochen vor dem Bürgerentscheid, in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Freitagabend. Die Fraktionen von CDU/FDP, Freie Wähler (FW) und SPD, die sich aufgrund des anstehendes Bürgerentscheids zu dem Kampagnenbündnis "Allianz für Stutensee" zusammengeschlossen haben, werben dafür, dass das Thema "Schaffung von bezahlbarem Wohnraum" in Stutensee ein ganz zentraler Baustein der Kommunalpolitik sein muss um den aktuellen Problemen der Wohnungsnot sowie der hohen Kauf- und Mietpreise entgegen zu treten.

"Wir möchten schnell bezahlbaren Wohnraum schaffen um für eine Entspannung der Wohnungsnot zu sorgen. Dafür benötigen wir auf den Geldbeutel der Bürger zugeschnittenen Wohnraum", sagt Ansgar Mayr (CDU). Die durchschnittliche Kaltmiete betrage, so Mayr weiter, bei den derzeit in Stutensee angebotenen Wohnungen stolze 9,60 Euro pro Quadratmeter. "Wir haben nun die Chance eine Wohnungsbaugesellschaft zu bilden - nur auf diese Weise kann bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Sieben bis acht  Euro pro Quadratmeter Wohnfläche werden diese Wohnungen nicht übersteigen", informierte Heinrich Sickinger, Fraktionsvorsitzender der SPD Stutensee.

Heinrich Sickinger (SPD), Dr. Klaus Mayer (Freie Wähler.), Ansgar Mayr (CDU) und Edith Nagel (FDP). Bild: Melanie Hofheinz

Warum der Lachwald?

Die Allianz für Stutensee weist darauf hin, dass schnell und großflächig gehandelt werden müsse. Dazu sei ein großes Areal erforderlich, welches bereits im Besitz der Stadt ist. "Grundstücksverhandlungen mit privaten Eigentümern verzögern Bauprojekte oft erheblich und machen die Grundstücke teuer, so dass günstige Mieten nicht mehr kalkulierbar sind", erklärt Dr. Klaus Mayer (FW). Dass dabei auch Einnahmen für die Stadt generiert werden, sei ein willkommener Nebeneffekt, aber nicht der Hauptgrund um das Baugebiet Lachwald zu realisieren.

Zusätzlich sei der Lachwald ein sehr attraktiver Standort für ein Wohngebiet. "Vorteilhaft ist die Nähe zu Karlsruhe, die bestehende Infrastruktur an die man Anschließen kann sowie die Nähe zu den Schulen und Kindergärten. Was allerdings gegen den Standort gesagt wird, ist der ökologische Wert des Lachwaldes - dieser allerdings erst noch durch ein Umweltgutachten geprüft werden muss", so Mayer weiter. Dennoch  sprechen die Allianz-Vertreter bereits davon, einen Ausgleich zur abgeholzten Lachwaldfläche zu schaffen, der über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht, denn eine reine 1:1-Aufforstung sei der Allianz zu wenig.

Bereits in den 1970er Jahren wurden große Flächen des Lachwaldes für Wohnraum abgeholzt ("Lachwald I"). Viele jetzige Gegner seien Bewohner der dort damals entstandenen Wohnflächen, so die "Allianz für Stutensee". Bild: Melanie Hofheinz

Ökologischer Ausgleich und Naherholungsgebiet

Zusätzlich zum Ausgleich im Norden des weiterhin bestehenden Lachwalds, soll gemeinsam mit den Bürgern und Naturschutzverbänden ein ökologisch gestaltetes Naherholungsgebiet entwickelt werden. Dieses Gebiet solle sowohl den Einwohnern als auch der Pflanzen- und Tierwelt wesentlich mehr Qualität geben, als sie heute im Lachwald zur Verfügung stehe. "Wir wollen ein echtes Naherholungsgebiet schaffen, das es so noch nicht gibt", erklärt Mayr. "Diese ökologischen Maßnahmen müssen beginnen, noch bevor der erste Baum im Lachwald fällt", fügt Sickinger hinzu.

Die Entwicklung des Baugebietes "Lachwald II" bezeichnen die Stutenseer Gemeinderatsfraktionen als "einen Gewinn für die ganze Stadt, für die Menschen und für die Natur". Mit Plakaten und Broschüren sowie Bürgergesprächen an Infoständen und online möchte die "Allianz für Stutensee" in den kommenden Wochen über die "vielschichtigen Aspekte" des Baugebietes und die "klaren Vorteile" informieren.

Erste Wohnungen 2021/22

"Die Nachfrage im Besonderen zu decken ist Aufgabe der Stadt. Hier bietet sich das Gebiet Lachwald an, um bezahlbaren Mietwohnraum zu schaffen", sagt Edith Nagel (FDP). Mayer erklärt: "Die Entscheidung für das Bauen ist die richtige Entscheidung. Für uns steht das Wohl aller Bürger in allen Stadteilen auf dem Spiel. Die "Allianz für Stutensee" ist eine Allianz der Vernunft."

Wenn die Bürger sich am 18. Februar für den Bau des Wohngebietes entscheiden, dann könnten Anfang 2021/2022 die ersten Wohnungen fertig sein. "Wenn mit "Nein" gestimmt wird, dann können in drei bis vier Jahre die ersten Häuser stehen", so Mayr. Um die Waldstraße schon während den Baumaßnahmen zu entlasten, erfolge ein Anschluss an die Kreisstraße bereits vor dem Baubeginn, so Mayr weiter.

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