Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Ein ebenerdiger Zugang - ein Ergebnis des barrierefreien Haltestellenausbaus. (Symbolbild)
Bild: Thomas Riedel
Ende des barrierefreien Ausbaus der Haltestellen nicht in Sicht: "Den Stichtag zum 1. Januar 2022 werden die VBK nicht einhalten können!"
Karlsruhe
03.12.2018 19:05
Es ist ein ehrgeiziges Ziel: Bis Januar 2022 soll der öffentliche Nahverkehr vollständig barrierefrei ausgebaut sein. Auch die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) müssen sich an die Gesetzesvorgabe halten. Dennoch werden die VBK den Stichtag aller Voraussicht nach nicht einhalten können. Woran das liegt und wie weit der Ausbau tatsächlich ist, hat ka-news bei den VBK nachgefragt.

Seit dem 1. Januar 2013 macht es das Personenbeförderungsgesetz deutlich: Der barrierefreie Haltestellen-Ausbau muss bis Anfang 2022 abgeschlossen sein - das gilt auch für die Verkehrsbetriebe Karlsruhe. 70 von 145 Stationen im Gebiet der VBK sind bereits umgebaut, zuletzt folgte die Tullastraße im Sommer und Anfang November der Hauptfriedhof. Das erklärt Sarah Fricke, Pressesprecherin der VBK und AVG, gegenüber ka-news. Aktuell wird gerade der barrierefreie Ausbau der Haltestelle Untermühlstraße vorangetrieben, mit der Fertigstellung sei voraussichtlich im Februar zu rechnen.

Und auch bei der AVG wird das Thema Barrierefreiheit großgeschrieben: 98 Haltestellen der eigenen Infrastruktur sind hier bereits barrierefrei. Jüngst wurden hier die Haltpunkte Königsbach und Ispringen entlang der Linie S5 umgestaltet. "Jede weitere barrierefreie Haltestelle wird dankbar angenommen. Sie erweitert den Radius für viele mobilitätseingeschränkte Personen Stück für Stück!", so Ulrike Wernert, kommunale Behindertenbeauftragte der Stadt Karlsruhe, gegenüber ka-news.

Ulrike Wernert
Ulrike Wernert, kommunale Behindertenbeauftragte der Stadt Karlsruhe. Bild: Stadt Karlsruhe

2019 folgen Mühlburger Feld, Herwegstraße und Knielingen

Die Projekte für kommendes Jahr sind ebenfalls bereits geplant: "2019 steht der barrierefreie Ausbau der Haltestellen Mühlburger Feld und Herwegstraße am Bahnsteig stadtauswärts an", sagt Fricke. "Im Frühsommer wollen wir mit dem barrierefreien Neubau in Knielingen beginnen."

Haltestellen, bei denen ein großer Bedarf an Barrierefreiheit besteht, wie vor Seniorenheimen oder dem Städtischen Klinikum, werden laut Fricke bei der Planung priorisiert. Mit der Tullastraße im Osten und dem Mühlburger Tor im Westen seien zudem wichtige Umstiegspunkte von der Stadtbahn in die Tram umgebaut worden.

Kosten sind noch nicht abschätzbar

Doch was heißt eigentlich "barrierefrei"? Neben der Erhöhung der Bahnsteige für einen stufenlosen Einstieg für gehbehinderte Menschen sollen auch Seh- und Hörbehinderte von dem Umbau profitieren. Für Blinde werden daher weiße gerippte Leitsysteme im Boden der Haltestellen und an den Haltestellenzugängen angebracht, zudem gibt es Sensortaster an den Ampeln. Dynamische Anzeigetafeln sollen hörbehinderten Menschen helfen festzustellen, welche Linie als nächstes kommt und auf Verspätungen sowie Umleitungen hinweisen.

Die digitalen Anzeigetafeln helfen Hörbehinderten, den Überblick über den Fahrplan zu behalten. (Symbolbild) Bild: Paul Needhem

Wie viel der barrierefreie Ausbau insgesamt kosten wird, sei derzeit noch nicht absehbar. Das Land Baden-Württemberg fördert das Projekt jedoch über das sogenannte Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz (GVFG). Nach erfolgreicher Antragsbewilligung entfallen so 50 Prozent der Baukosten auf das Land, erklärt die VBK- und AVG-Sprecherin.

"Wir sind auf einem sehr guten Weg!"

Doch obwohl der barrierefreie Ausbau augenscheinlich zügig voranschreitet: "Den Stichtag am 1. Januar 2022 werden die VBK, ebenso wie vermutlich die allermeisten Verkehrsunternehmen, nicht einhalten können", räumt Fricke gegenüber ka-news ein. So soll beispielsweise der Umbau des Hauptbahnhof-Vorplatzes erst nach den Bauarbeiten der Kombilösung im Jahr 2025 erfolgen.

"Die Erweiterung des Gesetzes stammt aus dem Jahr 2013 – räumte den Unternehmen also nur neun Jahre für die Verwirklichung Maßnehmen ein", rechtfertigt die Sprecherin die Verzögerung gegenüber ka-news. Hinzu kämen die langwierigen Planfeststellungsverfahren von ein bis zwei Jahren Dauer.

Auch ältere Menschen oder physisch Kranke können von der Barrierefreiheit profitieren. (Symbolbild) Bild: moritz320@pixabay.com

"Es wurde viel zu lange versäumt, Barrierefreiheit automatisch und von Anfang an mitzudenken, wenn es um die Planungen im ÖPNV ging!", kritisiert Ulrike Wernert die Gründe für die Verspätung. "Leider wird ja nur Fahrt aufgenommen, wenn es gesetzliche Regelungen gibt, die ein Ziel vorschreiben!"

VBK- und AVG-Sprecherin Sarah Fricke blickt dennoch optimistisch in die Zukunft: "Wir sind auf einem sehr guten Weg und bauen jährlich viele Haltestellen um! Hinzu kommen neue Haltestellen, die direkt barrierefrei gebaut werden", stellt sie klar und fügt an: "Unsere Fahrzeuge sind technisch bereits 100 Prozent barrierefrei!"

Ende des barrierefreien Ausbaus nicht in Sicht

Wann der barrierefreie Umbau abgeschlossen sein soll, ist derzeit noch unklar. Bild: (feb)

Eine Strafe für die Nichteinhaltung des Stichtags hat die VBK nicht zu befürchten, denn: Die Frist gilt nicht, sofern die Gründe für den Verzug im sogenannten Nahverkehrsplan dargelegt und begründet werden können. Das soll mit der Veröffentlichung eines Ergänzungsbands zum aktuellen Nahverkehrsplan des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) in den nächsten eineinhalb Jahren geschehen, kündigt Sarah Fricke an. Hier sollen alle barrierefrei auszubauenden Haltestellen im KVV-Gebiet aufgelistet werden.

Wann genau mit dem endgültigen Abschluss der barrierefreien Umbaumaßnahmen zu rechnen ist, dazu hüllt sich Fricke ka-news gegenüber aber in Schweigen. Nur so viel: "Wir arbeiten mit allen Kräften daran, unseren Fahrgästen so schnell wie möglich ein komplett barrierefreies Innenstadtnetz anbieten zu können", erklärt sie. 

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