ka-news am Set von "Laubale und Erben"
Sie spielen drei der wichtigsten Rollen: Michael Ostrowski, Uwe Ochsenknecht und Irm Hermann.
Bild: Lukas Hiegle
ka-news am Set von "Laubale und Erben"
Bild: Lukas Hiegle
Ein Tag für wenige Minuten Film: So läuft der Filmdreh in Karlsruhe ab
Karlsruhe
09.12.2017 12:00
Seit rund drei Monaten ist Karlsruhe und Umgebung Mittelpunkt der Dreharbeiten zu der TV-Serie "Laubale und Erben". In der Hauptrolle ist Uwe Ochsenknecht zu sehen. ka-news war zu Besuch am Set und hat sich einen Eindruck vom Filmalltag verschafft.

Es ist geschäftiges Treiben in der Karlsruher Hermann-Veith-Straße in der Karlsruher Weststadt. Seit rund drei Wochen fungiert das ehemalige Gebäude der Karlsruher Stadtwerke als Drehort für die sechsteilige Serie "Labaule und Erben" in der sich die Rolle von Hauptdarsteller Uwe Ochsenknecht (61) im harten Arbeitsalltag beweisen muss. 

Auf zwei Ebenen wurden Büros eines Verlagsgebäudes nachgebaut. Insgesamt sechs Szenen solle hier heute abgedreht werden. Der Großteil des Films ist bereits im Kasten. Seit rund drei Monaten laufen die Dreharbeiten, gedreht wurde unter anderem auch im Karlsruher Schloss, in Baden-Baden, Freiburg und auf dem Rhein.

Knapp drei Wochen hat es gedauert, die verlassenen Räume in der Hermann-Veit-Straße in eine realistische Filmkulisse zu verwandeln. In den Räumlichkeiten befindet sich jetzt ein großes Verlagsbüro, über das die Figur von Uwe Ochsenknecht künftig die Verantwortung haben soll. Dutzende Schreibtische, Computer, Sessel, Regale, Ordner und Bücher haben die Requisiteure angeschafft und ein echt wirkendes Bürozentrum geschaffen.

ka-news am Set von "Laubale und Erben"
Bild: Lukas Hiegle

In diesem Fall müssen die Komparsen eine lebendige Redaktion darstellen, während die Figuren Uwe Ochsenknecht und Michael Ostrowski an einer Glasscheibe vorbei, in einen anderen Raum laufen. In der Szene wirkt es tatsächlich so, als würden die Komparsen an Artikeln schreiben, telefonieren oder Akten sortieren. Ein Briefträger liefert mehrere Pakete an der Pforte ab.

Doch dann zeigt sich: Film ist Fiktion. Deshalb kollidiert auch mal die reale Welt mit der Welt am Set. Ein Mitglied der Filmcrew möchte etwas ausdrucken. Glücklicherweise sind mindestens zwei Dutzend Drucker am Set verteilt. Das Problem: Es handelt sich eben um Kulissen und keines der Geräte ist angeschlossen.

Filmdreh erfordert viel Organisation und Disziplin

Rund 50 Leute sind am heutigen Drehtag rund um das Set verteilt. Während Regie, Kameraleute, Ton- und Lichttechniker nahe am Set arbeiten, halten sich Aufnahmeleitung, Kostümausstatter, Maskenbildner und Komparsen eher im Hintergrund auf. Die große Kunst am Filmset ist es also, trotz der vielen Menschen, eine Szene so zu inszenieren, damit man den Eindruck bekommt dass nur die Schauspieler vor Ort sind. Deshalb gilt an jedem Set eine goldene Regel, wenn das rote Licht blinkt und die Klappe gefallen ist: "Ruhe!"

Damit niemand ungeplant in die Szene läuft oder störende Geräusche die Szene unterbrechen sind die Set-Runner, die Mitarbeiter von der Aufnahmeleitung, verantwortlich. So wie der Karlsruher Titzian, der seit drei Monaten am Set mitarbeitet. Trotz der langen Arbeitstage von bis zu zwölf Stunden, ist die Arbeit am Set für ihn eine interessante Erfahrung. "Die langen Arbeitstage werden von den Menschen am Set aufgewogen. Man lernt viele Menschen aus vielen unterschiedlichen Regionen kennen." Ein Berufsleben lang am Filmset zu arbeiten, kann er sich aber nicht vorstellen. Im kommenden Jahr will er weiter studieren.

Sie spielen im fertigen Film nur eine untergeordnete Rolle, trotzdem sind sie am Set extrem wichtig, auch wenn der Großteil ihres Jobs aus Warten besteht: Die Komparsen. Die als Sekretärinnen, Redakteure oder Postboten viel Szenen im Hintergrund beleben. Nach der Szene, in der Ochsenknecht und Ostrowski an der Glasscheibe vorbei laufen, heißt es: Umbau. Anderthalb Stunden hat es ungefähr gedauert, bis die Szene von rund 20 Sekunden, aus verschiedenen Perspektiven gefilmt, im Kasten war. 

Komparse kann jeder werden

In der nächsten Szene dreht Regisseur Boris Kunz eine Nahaufnahme mit den Figuren von Uwe Ochsenknecht, Irm Richter und Michael Ostrowski. Komparsen werden daher keine benötigt. Im Aufenthaltsbereich, abseits des Sets, warten also rund 20 Personen auf ihren nächsten Einsatz.

Einer von ihnen ist Stefan Kienler. Er gehört zu den Hauptkomparsen der Produktion und ist erstmals dabei.  14 Drehtage hat er bereits am Set verbracht, heute ist sein Vorletzter - wenn alles nach Drehplan läuft. Der Karlsruher spielt einen Redakteur und ist so in sehr vielen Szenen der Serie im Hintergrund zu sehen. Eine ganz besondere Erfahrung war für ihn die Komparsen-Arbeit beim Nachtdreh. "Ich fühle mich in der Produktion wohl und gut ins Team integriert." Den Ablauf der Dreharbeiten lobt er als sehr professionell: "Es wird in der Regel sehr wenig nach gedreht." Im Gegensatz zu vielen anderen Komparsen hat sich Stefan Kienler nicht selbst beworben, sondern wurde für seine Komparsenrolle von der Produktion angefragt.


Setbesuch in Karlsruhe

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Filmdreh oft eine Geduldsarbeit

Für die künstlerische Umsetzung der Szene sind Regisseur Boris Kunz und sein Regieassistent Tom Sielski verantwortlich. Drei der geplanten Szenen sind bislang im Kasten. Die nächste Szene soll im Kopierraum des Verlags spielen, doch die Schauspieler hängen noch in einem Interview fest. Zeitdruck, ein ständiger Begleiter der Regisseure. wobei man bei einem Innendreh noch flexibler ist als beim Außendreh. "Es gab einige Momente, in denen wir gegen den Untergang der Sonne gearbeitet haben", erklärt Regisseur Kunz.  

Um den Mehrwert einer Szene im Film transportieren zu können, wird der Großteil an Szenen aus vier verschiedenen Blickwinkeln gedreht. Das kostet viel Zeit, die man der Szene im fertigen Film nicht mehr unbedingt ansieht. "Pro Drehtag sind am Ende etwa drei bis fünf Minuten Filmmaterial in der fertigen Produktion zu sehen", so der Regieassistent. Gedreht werde aber immer etwas mehr, als benötigt wird, so dass am Ende eines bis zu zwölf Stunden dauernden Drehtags, rund acht Minuten Filmmaterial produziert wurden.

Die Reihenfolge im Film ist eine andere

Tom Sielski hat eine der vielfältigsten Aufgaben am Filmset und im Vorfeld der Produktion. Er geht anhand des Drehbuchs die Längen der einzelnen Szenen durch und erstellt so eine Übersicht, die aufzeigt, wie lange die einzelnen Szenen ungefähr sein müssen. Zudem erstellt er Pläne welche an der Produktion beteiligten Personen an bestimmten Drehtagen anwesend sein müssen. Auf dieser Grundlage wird dann der Drehplan erstellt. Während der Dreharbeiten sorgt der Regieassistent zusammen mit dem Aufnahmeleiter für die Einhaltung des Drehplans, indem er den anderen mitwirkenden Abteilungen ihre Einsätze für einzelne Szenen im Voraus ansagt.

Die Szenen werden nicht in der Reihenfolge gedreht, in der sie später im Film zu sehen sind, sondern nach dem Drehplan. Damit am Ende aber alle Szenen nahtlos aneinander anknüpfen und hinsichtlich Inhalt oder Szenenbild keine Lücken sind, sorgt ein sogenannter Skript-Continue. Seine Aufgabe besteht darin, die berühmten "Filmfehler"zu vermeiden, in dem alle einzelnen Takes am Ende einen logischen Zusammenhang ergeben.

Produktion wird in der kommenden Woche abgeschlossen

Produzent Alexis Wittgestein zeigt sich mit dem Verlauf der Dreharbeiten in Anbetracht der kurzen Vorbereitungszeit sehr zufrieden. "Wir hatten zwei Monate Vorbereitungszeit. Die Drehbücher wurden im März geschrieben, also ein halbes Jahr vor Drehbeginn. Normalerweise passiert so etwas anderthalb bis zwei Jahre vorher." Er selbst sieht sich als Drehpunkt zwischen vielen Spezialisten.  Die Postproduktion wird laut Wittgestein etwa ein halbes Jahr in Anspruch nehmen, bevor das Ergebnis der Dreharbeiten für Jedermann im Fernsehen zu sehen ist.      

Die Dreharbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. In der kommenden Woche, 13. Dezember, soll die letzte Klappe fallen. Ein genauer Sendetermin der Serie, die in sechs Episoden von jeweils 45 Minuten ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest. Anvisiert habe man laut Produktion die zweite Jahreshälfte 2018.

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