Aerosol-Schleppe über den Karlsruher Rheinhafen
Aerosol-Schleppe über den Karlsruher Rheinhafen
Bild: ka-Reporter
Aerosolschwaden über Karlsruhe machen EnBW ratlos: Harmloses Wetterphänomen oder "deutlich sichtbare Verschmutzung"?
Karlsruhe
10.10.2018 16:11
"Das RDK 8 im Karlsruher Rheinhafen ist einer der modernsten Steinkohle-Kraftwerksblöcke mit sehr effizienten Rauchgasreinigungsanlagen. Seit Inbetriebnahme wird die Anlage innerhalb des genehmigten Kohlebandes und der vorgeschriebenen Emissionswerte betrieben", sagt die EnBW. "Ist im Kraftwerk ein Filtersystem defekt?", fragt sich derzeit jedoch ka-Reporter Andreas Kammerer, denn er hat eine für ihn besorgniserregende Beobachtung gemacht.

"Mir fällt seit einigen Wochen auf, dass vom Rheinkraftwerk der EnBW immer wieder eine zeitweise über weite Strecken sichtbare Aerosol-Schleppe ausgeht. Diese Aerosol-Schleppe ist in den letzten Wochen häufiger zu sehen, und wie mir scheint, nicht nur bei einer speziellen Wettersituation, einer Inversionslage", schreibt er an ka-news. Fotos, die seine Wahrnehmungen untermauern, hat er ebenfalls geschickt.

Aerosol-Schleppe über dem Rheinhafen-Kraftwerk
Aerosol-Schleppe über dem Rheinhafen-Kraftwerk Bild: ka-reporter

Er fürchtet, dass es sich bei dem Phänomen um eine "deutlich sichtbare Luftverschmutzung" handelt und fragt sich, ob im Kraftwerk vielleicht ein Filtersystem defekt sei oder dort am Ende gar ein neuer Brennstoff – etwa Braunkohle – verfeuert werde.

Keine auffälligen Werte gefunden

ka-news hat bei der EnBW nachgefragt und folgende Antwort von Ralph Eckhardt, dem Pressesprecher "Regionale Kommunikation - Kommunikation & Politik" des Unternehmens erhalten: "Das Wichtigste vorweg: Bei der Überprüfung der Betriebsweise inklusive der Emissionswerte der letzten Wochen, konnten keine Abweichungen von den Genehmigungswerten festgestellt werden."

Rheinhafen aus der Vogelperspektive
Bild: Peter Eich

"Die von uns täglich gemessenen Werte haben sich seit dem Auftreten des Phänomens nicht erhöht. Die zulässigen Emissionswerte wurden zu jeder Zeit eingehalten. Sie lagen sogar deutlich unter den Grenzwerten", erklärt Betriebsleiter Jürgen Szabadi auf Nachfrage von ka-news.
Die Ursache für den am Ende der Rauchgasfahne auftretenden und teilweise langanhaltend sichtbaren "Schleier" werde momentan in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe geprüft. "Wir vermuten ein optisches Phänomen, das bei bestimmten meteorologischen Bedingungen auftritt. Wir gehen der Sache nach!", verspricht er.

Abklärung in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium

EnBW Kraftwerk im Rheinhafen
Das Kraftwerk im Rheinhafen. Bild: EnBW

"Die im RDK 8 installierten Emissionsmesseinrichtungen liefern die Daten ständig online an die zuständige Überwachungsbehörde", sagt die EnBW gegenüber ka-news weiter. Um einen möglichst hohen Wirkungsgrad und dadurch niedrigere spezifische Emissionen zu erzielen, werde im RDK 8 bewusst auf eine Wiederaufheizung der bereits gereinigten Rauchgase verzichtet.

Umweltverschmutzung bei der EnBW?
Auch ka-Reporter Volker Frerking konnte die Schwaden beobachten. Seit über 20 Jahren hat er diese Aussicht aus seiner Wohnung - doch Schwaden kann er erst vor 2 bis 3 Wochen erstmals gesehen. Bild: ka-Reporter Volker Frerking

Das übliche Erscheinungsbild der Rauchgasfahne sei auf die sehr niedrigen Rauchgastemperaturen von etwa 53°C und den sehr großen Rauchgas-Massenstrom zurückzuführen. Das führe zu deutlich sichtbaren Schwaden, die sich entsprechend der ständig variierenden meteorologischen Bedingungen in unterschiedlichen Höhen und Richtungen ausbreiten können.

Aerosolschleppe RDK 8
Selbst von Weingarten aus sind die Aerosolschwaden am 11. Oktober zu sehen. Bild: ka-Reporter Hansjöürg Schwaiger
Umweltverschmutzung bei der EnBW?
Auch ka-Reporter Volker Frerking konnte die Schwaden beobachten. Seit über 20 Jahren hat er diese Aussicht aus seiner Wohnung - doch Schwaden kann er erst vor 2 bis 3 Wochen erstmals gesehen. Bild: ka-Reporter Volker Frerking
Aerosolschwaden RDK 8
Bild: privat
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:
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