Fenrich besteht auf Wildpark: Alles andere muss der KSC selbst bauen
Karlsruhe
10.10.2008 18:12
Über die Zukunft des Wildparkstadions entscheidet der Gemeinderat am 21. Oktober (Foto: ka-news)
"Ich werde dem Gemeinderat am 21. Oktober empfehlen, die Alternativstandorte Untere Hub und Gleisbauhof nicht weiter zu verfolgen" sagte Oberbürgermeister Heinz Fenrich Freitag mittag, und hält damit weiter an seinen Plänen zum Umbau des Wildparkstadions fest. Und das obwohl das Gesamtbudget von 86 Millionen Euro, das der Gemeinderat dem Projekt zugesichert hat, nach Einschätzung des Planungsbüros "Albert Speer & Partner" um bis zu 56 Millionen Euro überzogen werden könnte.

Am 1. August beauftragte die Stadt das Frankfurter Planungsbüro ein ausführliches Gutachten über den Standortvergleich für das neue KSC-Stadion zu erstellen (ka-news berichtete). Als Standorte für einen Neubau sind der Gleisbauhof an der Durlacher Allee und die Untere Hub im Gespräch. Für einen ausgiebigen Vergleich hat das Planungsbüro, das schon für den Bau der Münchner Allianz Arena ein ähnliches Gutachten erstellt hat, zunächst sogenannte "Bemessungsstadien" erstellt. Hierbei handelt es sich um Modelle, die grundlegende Maße und Kosten des Projektes festlegen. Jeweils für den Neubau und ein ausgebautes Wildparkstadion wurde ein solches Muster erstellt. Für beide Varianten wurde eine maximale Besucherkapazität von 40.000 Plätzen, die gleiche Anzahl von VIP-Plätzen und Parkplätzen sowie einem vergleichbaren Flächenbedarf festgelegt.

Die drei Möglichkeiten in der Übersicht: Wildpark, Gleisbauhof und Untere Hub (Foto: AS&P GmbH)

290 Millionen für Neubau am Gleisbauhof

Als Schlussfolgerung konnte die Untere Hub als vorzuziehender Standort für einen Neubau festgelegt werden: Die Verkehrsanbindung ist dank der Lage an die A5 hervorragend. Für Trainingsplätze, die bei einem Umzug des KSC natürlich nicht zurückbleiben dürften, wäre genug Platz und auch ein pünktlicher Baubeginn Mitte 2010 könnte aller Wahrscheinlichkeit nach verwirklicht werden. Der größte Vorteil ist vielleicht die "Marketingqualität". Ein brandneues Stadion würde einen enormen Werbeeffekt für den Großraum Karlsruhe mit sich bringen. Das Problem ist, dass sich ungefähr die Hälfte der benötigten Gesamtfläche in Privatbesitz befindet. Auch wenn sich nur einige wenige Kleinbauern weigern sollten, ihr Grundstück zu verkaufen, könnte der Bau des Stadions gefährdet sein. Genau aus diesem Grund sind schon Pläne für ein neues Stadion in Mainz gescheitert. Die Gesamtkosten für das Bauprojekt an sich schätzt das Frankfurter Planungsbüro auf zirka 165 Millionen Euro. Rechnet man die Erfahrungswerte für zusätzliche Baunebenkosten und unerwartete Ausgaben dazu, kommt man auf eine Gesamtsumme von rund 220 Millionen Euro.

Die Umsetzung eines neuen Stadions am Gleisbauhof wäre sogar noch teurer. Fast 216 Millionen würde der Bau schätzungsweise kosten, 290 Millionen inklusiver aller Unwägbarkeiten. Darüber hinaus steht der Gleisbauhof dem Standort Untere Hub auch in anderen Aspekten nach. Die Anbindung ist schlechter, die Lage der Parkplätze problematisch, die Trainingsplätze müssten ausgelagert werden und da das Gelände von der Deutschen Bahn erst geräumt werden müsste, würde sich der Baubeginn vermutlich ins Jahr 2011 verschieben.

Untere Hub ist der bessere Standort

15 Jahre hat die Haupttribüne im Wildparkstadion bereits auf dem Buckel (Foto: ka-news)
Zwar fallen die Einschränkungen für den Ausbau des Wildparkstadions deutlich geringer aus, allerdings wären auch hier massive Eingriffe notwendig um ein zeitgemäßes Fußballstadion zu bauen. Rund 8.000 neue Sitzplätze müssten zusätzlich untergebracht werden. Um Platz für zusätzliche VIP-Parkplätze im Stadioninneren zu schaffen, müsste der komplette westliche Teil, der bisher auf eine Erderhöhung aufsetzt, um vier bis fünf Meter abgesenkt werden. Da eine Sommerpause für einen solchen Umbau nicht ausreichen würde, müssten die Bundesligaspiele an einen alternativen Spielstandort ausgelagert werden. Auch die Zahl der Parkplätze müsste gehörig aufgestockt werden. Das Frankfurter Planungsbüro empfiehlt deshalb zwei mehrstöckige Parkhäuser, die über den Adenauerring erreichbar sind, der bisher während der KSC-Spiele gesperrt ist. 108 Millionen Euro kommt der Umbau des Wildparks. Rechnet man Unvorhergesehene Kosten und die Baunebenkosten wieder mit ein, kommt man auf eine geschätzte Gesamtsumme von rund 143 Millionen Euro. Angesichts der Tatsache, dass die Haupttribüne schon 15 Jahre auf dem Buckel hat, würden bei einem schlichten Umbau in nicht allzu ferner Zukunft zusätzliche Renovierungskosten auf das Wildparkstadion zukommen.

50 Millionen Euro wolle die Stadt bei einem Neubau zusteuern (Foto: ka-news)
Obwohl Fenrich eingesteht, dass "der Wildpark nie an einen Standort wie die Untere Hub herankommt", hält er trotzdem an seiner Entscheidung fest, den Umbau des Wildparkstadions umzusetzen. Aufgrund der Einschränkungen in der Flächenverfügbarkeit und den zusätzlichen Kosten eines neuen Stadions sieht er sich in den bisherigen Umbauplänen bestätigt. Die Tatsache, dass auch die geschätzten Umbaukosten das Budget des Gemeinderats deutlich übersteigen, bleibt unerwähnt.

Abschließend werde Fenrich dem Gemeinderat am 21. Oktober den Ausbau des Wildparkstadions empfehlen. Sollte der KSC weiter auf den Bau eines neuen Stadions an der Autobahn bestehen, müssten sie es selbst bauen, so Fenrich. Die Stadt würde in diesem Fall zwar 50 Millionen Euro zusteuern, den Großteil der Kosten müsse aber der Verein selbst tragen.

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